Aachen: Die Treue zur Alemannia scheint unantastbar

Aachen: Die Treue zur Alemannia scheint unantastbar

Es wirkt fast ein wenig inszeniert. Ein stockfinsterer Himmel, und die so oft besungenen „Regenschauer überm Tivoli“ halten dem Verein die Treue, geben an jenem legendären Samstagnachmittag für den Sieg „ne Jarantie“. Aber der nutzt nichts beim erstmaligen Abschied aus dem deutschen Profifußball. Die Szenerie ist skurril, die Stimmung bestens.

Vielleicht, weil dieser fünfte Abstieg in derart homöopathischen Dosen verabreicht wurde, dass eine Schockgefahr erst gar nicht entstehen konnte. Die Menschen sind gelassen, wo man sich auch umhört, erklingen die Treuebekenntnisse: „Wir kommen wieder.“

Das steht auch für die Verteidigerlegende Jo Montanes fest. Der hatte so darauf gehofft, dass die Stimmung aus dem alten Tivoli in den neuen herübergerettet werden könnte. Und jetzt sagt er auf seine bescheidene Art: „Was ist nur daraus geworden. Das tut schon etwas weh.“ Und er stellt eine entscheidende Frage: Ob denn junge Talente noch zur Alemannia kommen, weil dies mal ein guter Verein war? Die Antwort kennt er genauso wenig wie alle anderen der fast 9000 Besucher des letzten Heimspiels Alemannia gegen den VfB Stuttgart II (siehe Sport).

Und es ist durchaus ein seltsamer Zufall, dass dieses letzte Profispiel mit dem Todestag der Trainerlegende Werner Fuchs zusammenfällt, der den Verein Ende der 90er Jahre wachgeküsst hatte und im Grunde das komplette Anforderungsprofil für einen neuen Trainer ab der Stunde Null im Sommer 2014 definiert hatte. Aber das ist Wunschdenken. Vorerst. Auf der digitalen Uhr der Stadionanzeige werden letztmalig die Sekunden bis zum letzten Anpfiff heruntergezählt, 00.00.01, dann 00.00.00, Anpfiff.

Von den Fans, vor denen Stadionsprecher Robert Moonen nach dem Abpfiff „den Hut zieht“, kommen Gesänge, die jede Durchhalteparole lächerlich erscheinen lassen. „Wir sind Aachen, Alemannia Aachen, seit mehr als hundert Jahren, Turn- und Sportverein“. Das hört sich nach verdammt viel Selbstbewusstsein und unangreifbarer Liebe zu Schwarz-Gelb an. Was für ein Bekenntnis in einem Stadion, das sportlich nie eine Chance bekam, und doch im Dezember 2010 einmal explodieren durfte. Als Benjamin Auer im Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt den letzten Elfer versenkte und die Alemannen unter den 32160 Zuschauern den alten Tivoli nicht vermissten.

Bald geht es gegen den SC Wiedenbrück. Den gibt es wirklich, und auch der will erst einmal geschlagen sein. Die mentale Einstimmung unter den Fans gelingt dem Team an diesem Samstagnachmittag. Die vier Tore sichern 1350 Liter Freibier für die Fan-Party. Nicht mehr.

Und sie sorgen dafür, dass die Zuschauer ein wenig froher der ersten Amateursaison der Vereinsgeschichte entgegensehen. „Heute ist nicht alle Tage — wir kommen wieder, keine Frage“ — so steht es auf einem Banner. Wer ist gemeint? Die Fans? Oder gar die Alemannia? Nur zwei von etlichen Fragen die die Zuschauer mit nach Hause nehmen.