Aachen: Die traurige Bilanz von „Frauen helfen Frauen“: Immer mehr Gewalt

Aachen: Die traurige Bilanz von „Frauen helfen Frauen“: Immer mehr Gewalt

Es ist eine traurige Bilanz, die der Verein „Frauen helfen Frauen“ in seinem Jahresbericht 2016 zieht. „Die Gewalt an Frauen nimmt nicht ab — im Gegenteil. Und die Hilfen, die Frauen in der heutigen Zeit benötigen, sind nach wie vor sehr hoch“, betont Vorstandsvorsitzende Simone Schnittler.

Während der Verein im Jahr 2015 1133 Einzelberatungen verzeichnete, waren es 2016 schon 1295. Auch die Zahl der beratenen Frauen und Mädchen hat sich im Vergleich zu 2015 erhöht. Von 552 auf 625 Kontakten im letzten Jahr.

Die meisten im Alter von 26 bis 40

„Wir haben festgestellt, dass letztes Jahr mehr Frauen zu uns gekommen sind und Hilfe gesucht haben. Dabei standen die Themen physische und psychische Gewalt, Trennungen, Scheidungen und Beziehungsprobleme sowie Sozialberatungen und damit existenzielle Sicherung im Vordergrund“, betont Sozialarbeiterin Angelika Gey. Die meisten Ratsuchenden sind zwischen 26 und 40 Jahre alt.

„Frauen helfen Frauen“ gliedert sich in zwei Teilbereiche — in den der Begleitung und allgemeinen Beratung und in eine Interventionsstelle. In der Beratungsstelle werden mit den Klientinnen Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Notsituation erarbeitet und umgesetzt. Seit 2006 ist die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ in Aachen zudem als Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt tätig.

Hauptaufgabe der Interventionsstelle ist die Beratung und Information betroffener Frauen auf der Grundlage des Gewaltschutzgesetzes. „Zu uns kommen Frauen, die unter anderem wissen möchten, wie Trennungen oder Scheidungen ablaufen und Hilfe bei Behördengängen oder ähnlichem benötigen“, sagt Diplom-Pädagogin Natalia Uslu und ergänzt: „Unsere Arbeit verlangt vor allem viel Zeit und Empathie.“ In dem Zusammenhang ist es von großem Vorteil, dass das Team von „Frauen helfen Frauen“ multikulturell und multilingual ist und somit unabhängig von Herkunft oder Religionszugehörigkeit berät.

2016 wurden der Interventionsstelle 193 Personen zugewiesen, 141 nahmen einen telefonischen Kontakt in Anspruch. „Wir werden aktiv, wenn die Frauen das auch ausdrücklich wünschen. Die Polizei verweist bei jedem Einsatz im Bereich der häuslichen Gewalt auf unsere Interventionsstelle, aber wenn die Betroffenen keine Hilfe möchten, dann akzeptieren wir das auch“, betont Uslu.

25 Prozent der Frauen suchen nach einem Vorfall mit Polizeieinsatz die Interventionsstelle auf, nur zehn Prozent aller Gewalttaten an Frauen werden überhaupt zur Anzeige gebracht. Schamgefühl und die Angst, den immer noch als Tabu geltenden Vorfall öffentlich zu machen, sind nach wie vor groß. „Ein weiteres großes Problem ist die Wohnungssuche für Frauen in Not. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist fast unmöglich, und die Arbeitslosensätze decken den Bedarf oft nicht ab. Es ist vielmals ein Rattenschwanz an Problemen, der die Frauen beschäftigt“, so Gey.

Auf Missstände hinweisen

Neben ihrer täglichen Beratungsarbeit organisieren die Verantwortlichen zudem Veranstaltungen jeder Art, um auf die Missstände und die nicht abnehmende Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen.

Ein großer Bereich ist ein niederschwelliges Beratungs- und Unterstützungsangebot für traumatisierte Flüchtlingsfrauen. So setzte „Frauen helfen Frauen“ von Juni bis Dezember 2016 verschiedene Maßnahmen und Projekte um und bot ein niedrigschwelliges Angebot für Flüchtlingsfrauen aus der Region Aachen an.

In Herzogenrath konnte ebenfalls eine erfolgreiche Zusammenarbeit initiiert werden, die es „Frauen helfen Frauen“ ermöglichte, einen Treffpunkt für Flüchtlinge mit aufzubauen. Mit dem abgeschlossenen Jahresbericht von 2016 blickt das Team in eine leider nicht bessere Zukunft. „Bisher müssen wir sagen, dass wir in diesem Jahr aktuell von keinem Rückgang an hilfesuchenden Frauen sprechen können. Leider!“, betont Gey abschließend.