Aachen: Die Täter drohen, treten, würgen, schlagen

Aachen: Die Täter drohen, treten, würgen, schlagen

Die Aachener Innenstadt war am vergangenen Wochenende ein ausgesprochen gefährliches Pflaster. Insgesamt neun Raubüberfälle ereigneten sich zwischen Samstagmorgen um 3.10 Uhr und Sonntagmorgen um 6.15 Uhr — also binnen gerade einmal 27 Stunden. „Das ist schon eine ungewöhnliche Häufung“, sagt Polizeipressesprecher Werner Schneider auf AZ-Anfrage.

Und es ist eine Häufung, die mit einem „hohen Aggressionspotenzial“ einhergehe. Denn es wurde mit Messern gedroht, getreten, gewürgt und immer wieder zugeschlagen. Drei der Opfer wurden sogar so zusammengeschlagen, dass sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Dass sich mehrere der durch die Bank nächtlichen Taten im Bereich Bushof, Blondelstraße, Kurhausstraße und Bädersteig ereigneten, verwundert indes kaum, gehört diese Gegend doch in Sachen Straßenkriminalität zu den Brennpunkten, die sich wie auf einer „Achse der Angst“ quer durch die Stadt ziehen — unter anderem der Elisenbrunnen, der Kaiserplatz und der Adalbertsteinweg gehören auch dazu. Auffällig ist im Übrigen, dass mehrfach Tätergruppen in Erscheinung getreten sind. „Wir prüfen derzeit, ob es da Zusammenhänge gibt“, sagt Schneider.

Das könnte schon bei den ersten Taten in der Nacht auf Samstag der Fall sein: Da bedrohten zunächst vier Täter um 3\.10 Uhr vor einem Internetcafé in der Kurhausstraße einen Mann mit Messern, schlugen ihn und raubten sein Handy, ehe um 7\.35 nur ein paar Meter entfernt am Bädersteig wieder vier Männer zuschlugen — diesmal so brutal, dass das Opfer, das um 400 Euro erleichtert wurde, ins Krankenhaus musste.

Kurz zuvor, gegen 7 Uhr, waren bereits drei Täter in der Antonius-straße aktiv gewesen. Sie raubten einem 28-Jährigen sein komplettes Bargeld und schlugen und traten ihn, bis er das Bewusstsein verlor. Besonderheit hier: Offenbar hatten die gleichen Männer den 28-Jährigen einige Zeit vorher um Geld für einen Döner angebettelt und dieses auch erhalten — und wussten so, wo der Mann sein Geld aufbewahrte.

Während am Samstag gegen 23\.30 Uhr am Bushof ein 15-Jähriger Opfer eines Einzeltäters wurde, der ihm das Handy aus der Hand riss, traten die Täter in dieser Nacht ansonsten ausschließlich zu mehreren auf. So überfielen um 22 Uhr zwei Männer auf der Lütticher Straße einen 28-Jährigen, drohten mit Schlägen und erbeuteten das Handy. Ebenfalls ein Duo war es, das einen Mann am Sonntagmorgen um 6 Uhr auf der Wilhelmstraße überfiel und ihm die Geldbörse abnahm — genauso wie zwei Männer nur eine Viertelstunde später in der nahen Lothringerstraße einen 31-Jährigen zu Boden warfen und ausraubten. Und drei Männer waren es, die auf einem Fußweg hinter dem SuperC am Templergraben um 4\.20 Uhr einen 23-Jährigen von hinten angriffen, ihn würgten, schlugen und beraubten.

Ebenfalls mehrere Täter schlugen in der gleichen Nacht um 6\.05 Uhr nahe dem Quellenhof einen Mann zusammen und raubten ihn aus, nachdem sie ihn zuvor um eine Zigarette gebeten hatten. „Es gibt einige Übereinstimmungen, was Tatorte und Tatzeiten, den Tathergang und die Anzahl der Täter angeht“, sieht Schneider Ermittlungsansätze. Was fehlt, sind Verdächtige. Nach keinem der Überfälle konnte die Polizei Festnahmen vermelden.

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