Musical-Premiere: Die swingende Mafia begeistert auf ganzer Linie

Musical-Premiere: Die swingende Mafia begeistert auf ganzer Linie

„Swinging Mafia“ dauert nicht einmal eine Minute, bevor das Publikum hineingezogen wird in das romantisch verklärte, aber auch brutale Chicago der 1920er Jahre. Die neueste Produktion von „Revue-Entertainment“ beweist von vorne bis hinten ein absolut stimmiges Konzept.

Eine Pistole, ein Schuss – dann liegt er auf dem Boden, der Protagonist des Abends, in den Rücken getroffen – aus und vorbei!? Jimmy Davis liegt verletzt am Boden. Es ist die Zeit der Prohibition, der Untergrundclubs und der Mafia, wie man sie aus Gangsterfilmen kennt, aber auch eine Zeit mit einzigartiger Lebensfreude, Kleidung und vor allem: Musik.

„Live in Concert“ hieß es zudem bei der offiziellen Premiere im Saalbau Rothe Erde, denn begleitet wurde das Ensemble von „Revue Entertainment“ von der Walheimer Big Band unter Leitung von Walter Hennecken – und es klappte hervorragend. „Swinging Mafia“ ist ein vollständiges Musical mit Musik von Frank Sinatra, den Andrew Sisters und Louis Prima. Die Geschichte: klassisch, aber spannend. Der junge und bisweilen naiv-tollpatschige Jimmy Davis (Jan Savelsberg) kommt auf der Suche nach seinem Glück aus einem Dorf mit gerade mal neun Einwohnern in das große Chicago. Spontan, wie er ist, spricht er den Mafiaboss Leroy Brown (Philipp Maurer) – auch Titelheld des gleichnamigen Stücks von Jim Croce – an und fragt frisch-frech nach einem Job, den er auch bekommt. In Browns berühmt-berüchtigtem Club, dem Blue Mill, arbeitet sich Jimmy schnell vom Kellner zur rechten Hand des Bosses hoch. Zu seinem großen Unglück verliebt er sich aber in Doris (Maike Huppertz), Browns schöne Tochter. Die ist aber bereits dem ziemlich unerträglichen Thomas Walker (schmierig-schleimig gespielt von Jonathan Wendt) versprochen. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

„Swinging Mafia“ ist eine der wenigen kleineren Musicalproduktionen, die es versteht, Musik und Geschichte so zu verbinden, dass ein stimmiges Stück entsteht, dessen Charaktere durchaus Tiefe beweisen dürfen. So scheint auf den ersten Blick Jimmy die Hauptfigur zu sein, doch wird schnell klar, dass der Fokus eigentlich auf Leroy Brown liegt. Dazu trägt auch die überzeugende Darstellung von Philipp Maurer bei, der es schafft, Brown nicht nur als den gefährlichen Gangster darzustellen, sondern auch als liebenden Vater, den der Tod seiner geliebten Frau hart getroffen hat. Sein Talent zeigt Maurer dabei besonders im Gesang: Im einen Moment schnoddrig-schnarrend bei „My Kind of Town“, wenig später bei „Strangers in the Night“ (beide von Frank Sinatra) traurig und liebevoll. Mit „My Way“ (ebenfalls Sinatra) übertrifft sich Maurer noch einmal selbst und sorgt für lang anhaltenden Szenenapplaus. Egal, welchen Ton er anschlägt, es ist immer ein Genuss. Ohnehin ist „Swinging Mafia“ eine Produktion, die zwischen ernsten Tönen und humorvollen Szenen pendeln kann, ohne ins Lächerliche abzudriften oder aufgesetzt zu wirken.

Wenn Polizist Frank Malone (Lukas Kaiser) versucht, Leroy Brown Alkoholausschank nachzuweisen und die Angestellten die Alkoholkisten hinter sich zu verstecken versuchen oder einen Fototermin ohne Fotoapparat vortäuschen, ist das genauso witzig wie kleine, fast etwas versteckte Wortspiele: „Leroy schenkte mir meine erste eigene Wohnung – ich war ganz aus dem Häuschen.“ Auch mit einer gigantischen Auswahl an Kostümen kann das Stück sein Publikum verzaubern.

Es ist fast ein hoffnungsloses Unterfangen, sämtliche Kleider mitzuzählen, die Maike Huppertz als Doris während der zweieinhalbstündigen Aufführung trägt, und alle passen wiederum zu den Liedern. Von Armeeuniformen bei „Bei mir bist du Shein“ von den Andrew Sisters bis zum glamourösen Abendkleid bei „New York, New York“ (wieder: Sinatra).

Völlig zurecht erhalten Darsteller und Musiker zum Schluss Standing Ovations.

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