Die Stadt Aachen bekommt ihren ersten Unverpackt-Laden

Nachhaltig einkaufen : In Aachen kann man bald unverpackt einkaufen

Einkaufen ohne Verpackungen? Das haben sich viele Aachener lange gewünscht. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Gleich an mehreren Ecken entstehen Ideen für Aachens ersten Unverpackt-Laden – zum Teil schon mit sehr konkretem Eröffnungsdatum.

Mehr als 2000 Facebook-Fans in einer Woche – und das ohne Werbung oder sonstige Aktionen, um auf sich aufmerksam zu machen: Melanie Budde ist noch immer völlig perplex. Dass die reine Ankündigung einer Neueröffnung solche Wellen schlagen würde, hätte sie nicht gedacht. „Das hat mich total überwältigt“, sagt die 36-Jährige. Doch mit ihrer Geschäftsidee hat sie offensichtlich einen Nerv getroffen. Schließlich will Melanie Budde im Mai das realisieren, was sich viele Aachener schon lange wünschen: Aachens ersten Unverpackt-Laden.

Bislang musste man im Städtchen lange suchen, wenn man beim Einkauf auf Nachhaltigkeit setzen wollte. Ein Pfund Reis ohne Plastikverpackung? Das Müsli auch in kleinen Mengen? Dazu noch ein paar Nüsse – portionsweise „abgezapft“ im dafür eigens mitgebrachten Einmachglas? Im herkömmlichen Supermarkt ist das kaum möglich. Das Ergebnis dieser Entwicklung füllt bergeweise Müllsäcke. Ein Umstand, den Budde, Mutter von drei Kindern, nicht länger tatenlos mitansehen will.

Wollen mit ihrem Geschäft „Unverpacktes Glück“ für mehr Nachhaltigkeit sorgen: Melanie Budde und ihr Ehemann Henrik Heift. Foto: ZVA/Harald Krömer

„Als gelernte Hebamme habe ich mehr als 1400 Kinder mit auf die Welt gebracht. Doch spätestens, als ich selbst Kinder hatte, bin ich ins Grübeln gekommen: So kann es nicht weitergehen“, betont sie. Aus ihrem Geschäft „Unverpacktes Glück“, das sie zusammen mit ihrem Ehemann Henrik Heift im Mai in der Elisengalerie eröffnet, werden Verpackungen deshalb so weit wie möglich verbannt.

Schon jetzt ist die Resonanz groß: Für die Neueröffnung haben bei Facebook knapp 2500 Menschen ihr Interesse bekundet – obwohl das konkrete Datum noch gar nicht feststeht. Budde hofft, dass zumindest einige von ihnen sie schon vorher unterstützen. Ab sofort sammelt sie über die Crowdfunding-Plattform „Startnext“ Geld, sozusagen als Anschubfinanzierung. Das Verfahren läuft nach dem „Alles oder nichts“-Prinzip. Nur wenn die Zielsumme erreicht wird – in diesem Fall 55.000 Euro – fließt das Geld zweckgebunden in das entsprechende Projekt. Auch in Köln wurden auf diese Weise schon mehrere Unverpackt-Läden ins Leben gerufen. Von einem städtischen Mietzuschuss, wie ihn UWG-Ratsherr Christoph Allemand Ende vergangenen Jahres für einen Nonprofit-Unverpackt-Laden ins Spiel gebracht hatte, würde Budde nicht profitieren, da es sich nicht um ein Nonprofit-Projekt handelt – wenn dieser Mietzuschuss denn überhaupt politisch beschlossen werden sollte. Eine entsprechende Antwort der Verwaltung steht noch aus.

Doch auch ohne Ratsbeschluss bewegt sich in Sachen verpackungsfreier Einkauf in Aachen zurzeit viel. So schielt auch Melanie Bayer, 31, darauf, Aachen den ersten Unverpackt-Laden zu bescheren. Schließlich habe sie im Selbstversuch gemerkt, wie schwierig es ist, in Aachen verpackungsfrei einzukaufen. „Es war mit viel Planung verbunden, da ich genau überlegen musste, wo ich was bekomme und wann welches Geschäft beziehungsweise der Wochenmarkt auf hat“, teilt Bayer mit. Seit zwölf Jahren ist sie in der Versicherungsbranche tätig. Den Branchenwechsel will auch sie per Crowdfunding realisieren. Ihr erstes „Fundingziel“ liegt bei 25.000 Euro, sollten es sogar 45.000 Euro werden, will sie das Geld für die Ladeneinrichtung, Umbau, Kasse und den ersten Warenbestand verwenden. Entstehen werde das Geschäft „Unverpackt Aachen“ voraussichtlich im Sommer im Frankenberger Viertel.

Ganz so konkret sind Gabriel Capellos Pläne noch nicht. „Ich bin im Moment noch auf der Suche nach einer passenden Immobilie“, sagt der 21-Jährige. Bis diese gefunden ist, will er „Tütenlos“ zunächst ab Februar im Online-Versand innerhalb Aachens umsetzen – selbstverständlich mit umweltverträglichen Verpackungen und einem möglichst emissionsfreien Versand über einen Fahrradkurier. Darin, dass zurzeit an mehreren Ecken Aachens konkrete Geschäftsideen für Unverpackt-Läden geboren und umgesetzt werden, sieht er kein Problem. „Konkurrenz belebt den Markt“, sagt er. Außerdem könne Aachen – und die Umwelt – durchaus mehrere Unverpackt-Läden vertragen.

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