Weiterentwicklung des Aachener Bushofs: Die SPD will den großen Wurf wagen

Weiterentwicklung des Aachener Bushofs : Die SPD will den großen Wurf wagen

Was wird aus dem Bushof? Der Vorsitzende der Aachener SPD, Mathias Dopatka, hat am Montagabend seine Ideen für das Areal vorgestellt. Sein Vortrag stieß auf großes Interesse.

Die SPD erhöht das Tempo in Sachen Bushof. In ihrer öffentlichen Reihe „Fraktion vor Ort“ untermauerte der SPD-Vorsitzende Mathias Dopatka die Ideen zum „Leuchtturm der Bildung statt Betonbunker“, einem Dreiklang von Bushof-VHS/Stadtbibliothek-Kirche St. Peter. Dopatkas Kernthese: „Die Neugestaltung des Areals ist der Schlüsselbaustein für die Innenstadtentwicklung. Ein gutes Konzept am Bushof bringt die Innenstadt als Ganzes voran.“

Die 45-minütige Power-Point-Präsentation Dopatkas war hochspannend und verging sprichwörtlich „wie im Fluge“. Die rund 90 Zuhörer, unter ihnen nahezu alle Spitzen der betroffenen Akteure rund um den Bushof, bekräftigten den erfrischend dynamischen Vortrag mit starkem Beifall.

Die Grundgedanken: Gemeinsamer Neubau für VHS und Stadtbibliothek, um „noch nicht genutzte Synergien“ zusammenzubringen und beide eigenständig bleibenden Einrichtungen zu stärken. St. Peter als nach dem Dom älteste Kirche der Stadt und zum Verkauf anstehend in die Neugestaltung „einbeziehen, zurück in das Stadtbild holen“, etwa als Lese- und Veranstaltungsraum. Bushof umbauen zum „echten Mobilitätsknotenpunkt, wo Bus und (Euregio-)Bahn, Fahrrad- und Fußwege aufeinander abgestimmt funktionieren“ und wo mit Hilfe von einem Fahrrad-Parkhaus in der heute brachliegenden Unterführung und dem PKW-Parkhaus „ein fließender Übergang von verschiedenen Mobilitätsträgern möglich wird“.

So schön könnte Aachen werden

„Heller, offener und grüner“ soll es laut Dopatka werden. Versiegelte Flächen (Couvenstraße, Peterskirchhof) könnten entsiegelt werden. Fotos aus anderen Städten zeigten, wie schön es auch in Aachen werden könnte, wie der „öffentliche Raum wieder zu einem Ort werden kann, der für die Menschen erlebbar und nutzbar ist“. Die von ihm vorgetragenen Ideen seien „nicht final“ und sollen lediglich die Vorstellungskraft unterstützen, betonte der SPD-Vorsitzende.

Dass Ideen, Vorstellungskraft und entschlossenes Handeln dringend Not tun, zeigte Dopatkas Bestandsaufnahme. Seine von der Historie des Ortes bis hin zu vielen Fördermöglichkeiten nichts auslassende Analyse: der Bushof umgeben von Straßen und Teer „wie ein gestrandeter Flugzeugträger“; bedrückend, ungepflegt, ein Angstraum; veraltetes Verkehrskonzept aus den 60er Jahren, das moderne Mobilität wie gute Fahrrad- und Fußwege, reduzierte Autonutzung, Stadtbahn nicht berücksichtigt.

Der verfallende VHS-Bereich schreckt Besucher ab, bietet keinerlei Aufenthaltsqualität. Die Stadtbibliothek mit „nur eingeschränkter Aufenthaltsmöglichkeit liegt versteckt hinter dem Bushof, keine zufälligen Passanten, man steuert sie gezielt an oder gar nicht. Die Kirche St. Peter liegt ebenfalls versteckt und ihre Zukunft nach einem Veto des Bischofs gegen den von der Innenstadtgemeinde Franziska von Aachen aus finanziellen Gründen beschlossenen Verkauf sei „im Moment ungewiss“.

Wie die Idee für ein neues „Petersviertel“ gelingen könne? „Wir haben genau in diesem Moment die einmalige Situation, dass drei benachbarte Grundstücke massiven Veränderungsdruck haben“, beantwortete Dopatka die selbst gestellte Frage. „Alle drei Grundstücke werden sich in naher Zukunft verändern müssen. Entweder jeweils für sich und nicht aufeinander abgestimmt oder wir trauen uns den großen Wurf zu und sehen die drei benachbarten Grundstücke als Chance. Wenn wir sie entwickeln, können wir das Quartier als Ganzes professionell voranbringen.“

In der Diskussion mahnte der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Servos, an die „tollen Ideen und an das Konzept nicht mit der finanziellen Schere im Kopf“ heranzugehen. „Erst definieren, wie wir gestalten wollen, danach ergeben sich viele Förderungen“, ergänzte Dopatka. Fragen, Anregungen: Wie verhalte sich „die Firma S“, gemeint war Investor Sauren, mit der Stadt jeweils zur Hälfte beteiligt am insgesamt 95-Prozent-Anteil der Bushof-Eigentümergemeinschaft.

Altes Kurhaus und Klangbrücke

Noch sehr viel größer denken, das Ensemble Altes Kurhaus und Klangbrücke hineinnehmen. Bushof als zentraler Bus-Knotenpunkt oder „mindestens noch zwei weitere Bus-Knotenpunkte“ in der Stadt, wie Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen, vorschlug. „Mehr Bereitschaft zu Kompromissen“ forderte Bürgermeister Norbert Plum, planungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, von der Aseag. Deren Vorstand Michael Carmincke verwies auf Gutachten, die den Bushof als zentralen Knotenpunkt sehen.

„Wohin könnte die Reise gehen?“ fragte Universitäts-Professorin Christa Reicher, Direktorin des RWTH-Instituts Städtebau. Die Neugestaltung müsse „groß gedacht“ werden. Es gebe seit langem zwar „viele Mosaiksteine für einen guten Stadtraum“ rund um den Bushof, doch passten sie nicht zusammen. Ihre Kritik: „Es fehlt in der Stadt an einem strukturierten Entscheidungsprozess.“ Es gebe keine Entscheidung, was in „Phase eins“ zu geschehen habe.

„Wir packen es jetzt an“, versicherte SPD-Fraktionschef Michael Servos. Bis Ende September will die SPD Gespräche mit der Stadtgesellschaft, den Bürgern also, den Nutzern/Akteuren und den anderen Fraktionen führen, um das Konzept „gemeinsam“ weiter zu entwickeln. Die Verwaltung soll beauftragt werden, mit den jeweiligen Eigentümern (Bushof/St. Peter) Gespräche zu führen mit dem Ziel, die Grundstücke als Stadt zu erwerben. Die Details müssten „in einem möglichst schnell zu realisierenden Architektenwettbewerb“ erarbeitet werden.

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