Aachen: Die Sixtinische Kapelle im Neuen Kurhaus

Aachen: Die Sixtinische Kapelle im Neuen Kurhaus

Noch nie in der Sixtinischen Kapelle gewesen und Michelangelos Wunderwerke bestaunt? Im Neuen Kurhaus kann man sich in Zukunft ein Bild davon machen. Denn eine der Säulen des neuen Konzepts für das Gebäude an der Monheimsallee ist eine Art „Event-Museum“, in dem das Lebenswerk der größten Künstler präsentiert werden soll.

Im rechten Trakt des Hauses sollen jährlich wechselnd die Werke — identisch nachgemalte Repros — des jeweiligen Meisters gezeigt werden. Beginnend eben mit Michelangelo. Im Mittelpunkt steht ein 200 Quadratmeter großer Raum als Höhepunkt der Schau, in dem für den Beispielfall die Sixtinische Kapelle nachempfunden wird, der abends aber auch als Konzertstätte etwa für Jazz dient.

Neues Konzept fürs Neue Kurhaus: Der Bau soll in vielen Facetten in den alten Zustand versetzt werden (kleines Bild links). Einziehen sollen das Spielcasino (grün), ein Wiener Kaffeehaus (rot) und eine „Event-Ausstellung“ mit (Repro-)Werken berühmter Künstler (blau). Fotos/Skizze: Jaspers, Stadtarchiv, Explorado/Höhler und Partner

Johannes Mock-O‘Hara vom Kölner Konzeptentwickler „Explorado“ stellte dem Hauptausschuss gestern die Ideen für das verwaiste Kurhaus vor, dem eine 20-Millionen-Euro-Sanierung ins Haus steht. Das Unternehmen war vom Spielcasino-Betreiber Westspiel animiert worden, ein Konzept zu entwickeln. Westspiel selber will dann in den linken Flügel einziehen. Mock-O‘Hara bezeichnete den Zustand des Gebäudes als Jammer. Deshalb soll es wieder weitgehend in den Urzustand versetzt werden — beispielsweise mit Kassettendecken. Der zentrale Bereich soll der Gastronomie dienen. Der niederländische Großgastronom Maison van den Broer (Amsterdam Arena, MECC Maastricht u.v.m.) soll sie übernehmen. Und zwar im Wiener Kaffeehausstil. Zudem sind Veranstaltungen bis zu 600 Personen je nach Bestuhlung möglich. Eine Bühne gibt es obendrein, die Theke in der Mitte ist „mobil“, also schnell abbaubar. Einen kleinen, aber feinen „Dining“-Bereich hat man auch vorgesehen. Der Lenné-Pavillon soll abgerissen werden und einer großen Außenterrasse weichen.

Neues Konzept fürs Neue Kurhaus: Der Bau soll in vielen Facetten in den alten Zustand versetzt werden (kleines Bild links). Einziehen sollen das Spielcasino (grün), ein Wiener Kaffeehaus (rot) und eine „Event-Ausstellung“ mit (Repro-)Werken berühmter Künstler (blau). Fotos/Skizze: Jaspers, Stadtarchiv, Explorado/Höhler und Partner

„Explorado“ verspricht sich von dem Ganzen vor allem eines: Wirtschaftlichkeit. An diesem Punkt waren die bisherigen Ideen für das Neue Kurhaus gescheitert. Auch eine Übernahme durch das Euro-gress würde für die Stadt ein Zuschussgeschäft darstellen. Das Konzept soll sich nicht nur rechnen, sondern auch noch 300 000 Euro Miete für die Stadt pro Jahr abwerfen. Zwar kostet die Produktion besagter Ausstellungen je etwa eine halbe Million Euro. Dafür kann sie aber später vermietet werden, etwa für Firmenzentralen. Mit bis zu 80 000 Besuchern rechnet Mock-O‘Hara per anno.

Manch Kunstbeflissener mag über derlei „Mainstream“ die Nase rümpfen. Die Ideengeber sehen jedoch einen Zugang zu „Weltklassekunst für die breite Öffentlichkeit“. Mehr noch: Das Konzept in dieser Kombination sei „weltweit einzigartig“, stärke Aachen gar als „kulturelle Hochburg“ und „intellektuelle Keimzelle“.

Die Politik ist größtenteils überzeugt von dem Konzept — weniger wegen der hochfliegenden Attribute als vor wirtschaftlichem Hintergrund. Geprüft werden soll zudem, ob das frühere Automatencasino ein Club werden kann. Wegen der aufwändigen Sanierung werden noch ein paar Jahre vergehen, bis das alles Realität wird. Sei‘s drum, Michelangelos Werke sind schließlich für die Ewigkeit.

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