Die Ponyrunde durch den Aachener Nellessenpark ist Vergangenheit

Ponyrunde im Nellessenpark ist Vergangenheit : In der grünen Idylle gibt’s Zoff unter Nachbarn

Für Generationen von Aachenern ist ein Ausflug zum Forsthaus Schöntal mit seinem angrenzenden Ponyhof gleichbedeutend mit glücklichen Kindheitstagen. Und wie selbstverständlich führte die Runde mit dem Leihpony 50 Jahre lang durch den Nellessenpark.

Seit einigen Wochen aber versperren Barrikaden den Zugang in das nahe Waldstück. Sie zeugen von einem für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Nachbarschaftsstreit.

„Eigentlich eine Kinderei“, meint ein unbeteiligter Beobachter kopfschüttelnd. Für die Betroffenen aber ist es ernst, wie auch Ponyhof-Besitzer Werner Meisel darlegt. Denn was 50 Jahre lang gut und reibungslos geklappt hat, sei ihm von den neuen Eigentümern des großen Gutsgeländes Schönthal, zu dem auch der Nellessenpark gehört, plötzlich verboten worden: die Benutzung der Wege in dem mehr als 300.000 Quadratmeter großen privaten Waldstück.

Das am Beverbach gelegene Gut, das einst dem Tuchfabrikanten Carl von Nellessen gehörte, befindet sich nach mehreren Eigentümerwechseln heute im Besitz der 2013 gegründeten Gut Schönthal GmbH, die wiederum von den beiden Geschäftsführern Kerstin Lange und Clemens Hergeth geführt wird.

Eine gewisse Bekanntheit haben sie durch den Streit über einen neuen Flächennutzungsplan und die mögliche Bebauung der Beverau erlangt, für die es nach starkem Gegenwind durch eine Bürgerinitiative politisch keine Mehrheit mehr zu geben scheint.

Der neue Besitzer hält es für fraglich, inwiefern sein Privatgelände für die Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Von einem Betretungsverbot möchte Clemens Hergeth aber noch nicht reden. Foto: grafik

Keine Reitwege

In diesem Fall aber dreht sich alles um Pferde, die im Nellessenpark eigentlich gar nichts mehr verloren haben, wie Hergeth meint. Denn ein eigenes Reitwegenetz wie im Aachener Stadtwald gibt es dort nicht. Und um Konflikte mit Spaziergängern zu vermeiden, sollen Pferde schlicht fernbleiben von allen Wegen ohne Reitschild. So sehe es auch die Anfang 2018 erlassene neue „Allgemeinverfügung“ der Aachener Forstbehörde vor.

Ob diese „Allgemeinverfügung“ auch für die geführten Ponys von Meisels Ponyhof gilt, ist durchaus strittig, doch allem Anschein nach war dies nicht der einzige Punkt, über den sich die beiden Seiten in die Wolle gekriegt haben. Von hohen Geldforderungen für die Wegenutzung und Streit um Grundstücksgrenzen ist ebenfalls die Rede, auch habe man sich nicht einigen können, wer die Wege von den Hinterlassenschaften der Pferde zu reinigen habe.

Und ohnehin hält es Hergeth offenbar auch für fraglich, ob seine GmbH das große Gutsgelände, das ausschließlich über Privatwege erschlossen wird, überhaupt noch öffentlich zugänglich machen muss.

Bedingungen erfüllt?

Eigentlich ist das vertraglich mit der Stadt seit 1969 so geregelt. Doch im Gegenzug müsse die Stadt dafür auch Bedingungen erfüllen, die sie nicht mehr einhalte, sagt Hergeth. So seien inzwischen alle vertraglich vereinbarten Mülleimer im Nellessenpark abgebaut worden. Zudem komme die Stadt ihrer Verpflichtung zur Wegepflege nicht mehr nach.

Hergeth betont, nach den schweren Stürmen viel in die Aufforstung investiert zu haben. Immer wieder aber würden junge Pflanzen auch von unbedarften Waldbesuchern zerstört. Zu kämpfen habe man auch mit zunehmender Vermüllung und nicht zuletzt auch mit Menschen, die im Wald Feuer machen oder grillen.

Von einem Betretungsverbot für den Nellessenpark will Hergeth derzeit dennoch nicht reden, was auch auf den unsicheren Ausgang eines Rechtsstreits zurückzuführen sein dürfte. Auch Meisel wollte sich nicht auf einen Streit mit dem Duo Lange und Hergeth vor Gericht einlassen. Er hat stattdessen inzwischen die Konsequenzen gezogen und den privaten Zugang über sein Grundstück am Kornelimünsterweg zum Nellessenpark generell für Reiter gesperrt. Seitdem führt auch die Ponyrunde für seine Kunden nur noch durch den städtischen Wald.

Seitdem ist aber auch allen anderen Reitern aus den umliegenden Reitställen der direkte und alterprobte Zugang zum Reitwegenetz im Stadtwald versperrt. Ärgerlich ist das nicht zuletzt für Hergeths Pächter Herbert Gatzweiler, der auch die Pferdepension Gut Schönthal betreibt. Nur über einen Umweg am Gelände der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne vorbei kommen die Reiter mit ihren bei ihm untergestellten Pferden noch in den Stadtwald. „Eigentlich gibt es nur Verlierer“, sagt Gatzweiler über den Streit um Ponys, Wald und Wege.

Zurzeit sieht es nicht danach aus, dass beide Seiten nochmal zum alten Frieden zurückfinden. Die ärgsten Konflikte seien inzwischen zwar beigelegt, betonen sie. Was bleibt, sind jedoch „unterschiedliche Vorstellungen“, wie Meisel spürbar resigniert über die neue Situation zwischen ihm und den neuen Nachbarn feststellt.

Gefährlich für Mensch und Tier

Nur in einem Punkt ziehen sie derzeit noch an einem Strang: Er betrifft die Verkehrssituation am Kornelimünsterweg. Das Queren der Straße sei für Reiter und Familien mit Kindern und Ponys im Schlepptau hochgefährlich, erklären sie einhellig. Vor allem am Wochenende müssten die Tiere hunderte Male über die kurvenreiche und schlecht einsehbare Straße geführt werden.

Autofahrer würden dort oftmals viel zu schnell fahren, klagen Meisel und Hergeth gleichermaßen. Aus Sicherheitsgründen sollte dort das Tempo auf 30 km/h beschränkt werden, finden sie. Denkbar wären auch eine Ampel, Warnschilder, ein Zebrastreifen oder Bremsschwellen. „Die Stadt muss endlich handeln“, erklären beide. Ihre Forderung sei seit langem bekannt. Dass dennoch nichts geschieht, empfinden sie als „schwer verständlich“. Hergeth wirft der Stadt an der Stelle „Nachlässigkeit“ vor.

Auf Anfrage konnte die Stadtverwaltung noch keine Angaben dazu machen, wie und wann dort die Sicherheit verbessert werden soll.

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