Fahrt nach Reims: Die Partnerschaft lebt nach wie vor

Fahrt nach Reims: Die Partnerschaft lebt nach wie vor

Der Erste Weltkrieg hat in der französischen Stadt Reims Spuren hinterlassen. Einige sind, wenn man etwas genauer hinschaut, bis heute sichtbar.

Etwa die Ruinen neben der Kathedrale Notre-Dame de Reims. Die große, weiße Kathedrale, die einen Eindruck davon vermittelt, wie der Kölner Dom aussehen könnte, wäre er durch jahrelange Rußablagerungen nicht vollkommen schwarz, wurde 1914 durch Granaten und Artilleriebeschuss schwer beschädigt und erst 1937 wieder eingeweiht. Eine kleine Ausstellung im Inneren der restaurierten Kirche zeigt, wie schwer die Verwüstungen nicht nur an diesem Gebäude, sondern der ganzen Stadt waren.

Im Angesicht solcher Verwüstung liegt eigentlich auf der Hand, weshalb die Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Reims, die seit 1967 existiert, so wichtig ist, das war auch den etwa 50 Mitreisenden bei der diesjährigen Fahrt des Partnerschaftskomitees Aachen-Reims klar.

Es sind nicht nur die wunderschöne, fast märchenhafte Architektur der gotischen Kathedrale und die drei von Marc Chagall geschaffenen Kirchenfenster, die einen Besuch rechtfertigen, sondern auch ihre Geschichte. Denn die Kathedrale ist nicht nur Mahnmal für die Schrecken des Krieges, sie ist auch das Verbindungsglied zwischen den Städten Reims und Aachen.

So, wie im Aachener Dom von 936 bis 1531 die römisch-deutschen Könige gekrönt wurde, war die Kathedrale in Reims auch Krönungskirche für die französischen Könige. Diese Gemeinsamkeit ist ein Grund für die Städtepartnerschaft, die durch das Partnerschaftskomitee gehegt und gepflegt wird. Die Fahrt nach Reims, die der Verein seit seiner Gründung vor 26 Jahren, jährlich organisiert, ist eine Möglichkeit für die Pflege dieser Partnerschaft.

In diesem Jahr stand auch ein Besuch im Musee des Beaux-arts auf dem Programm. Neben Schreibtischen des Art Déco, bot das Museum einen interessanten Einblick in verschiedenen Kunstepochen und Künstler, insbesondere in die Arbeit von Tsuguharu-Leonard Foujita, der auch eine Kapelle in Reims gestaltete. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Mitgliedern des Reimser Komitees kamen diejenigen der Mitreisenden, die Französisch sprachen, mit den Reimsern ins Gespräch, ansonsten verständigte man sich mit Händen und Füßen. Gelebter Austausch der Völker, trotz Sprachschwierigkeiten.

Es folgte, wie auch schon im vergangenen Jahr, ein echter Höhepunkt. Der „Traum von Farben“ (Rêve de Couleurs) projiziert farbige, dreidimensionale Bilder auf die weiße Kathedrale. Zum Abschluss erstrahlt die ganze Kirche in bunten Farben — so, wie sie vermutlich einmal ausgesehen hat. Passend dazu findet im September in Aachen dann „Dom im Licht“ statt.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der deutlich kleineren Stadt Châlons-en-Champagne, etwa 50 Kilometer von Reims entfernt. Einst war die Stadt mit ihren heute 45.000 Einwohnern eine der bedeutendsten Städte Frankreichs und ist heute Hauptstadt des Depeartements Marne. Erst 1997 erhielt die Stadt ihren heutigen, mittelalterlichen Namen zurück, bis dahin hieß sie Châlons-sur-Marne.

Eine Tour auf den Kanälen, vorbei an den bedeutenden Gebäuden der Stadt, inklusive illuminierter Tunnel und einem beeindruckenden Erlebnis mit einem Schwan, waren die Höhepunkte der Tour, ebenso wie die Besuche in der Cathédrale Saint-Étienne de Châlons und die Kirche Notre-Dame-en-Vaux.

Doch nicht nur die Aachener reisten in den letzten Tagen nach Reims. Mitglieder des Radsportclubs „Groupe Cyclotouriste Reims Bezannes“ besuchten am vergangenen Dienstag nach einer mehrtägigen Radtour Aachen und wurden im Weißen Saal des Rathauses feierlich von Bürgermeisterin Margrethe Schmeer empfangen. Dieses Treffen kam dank des Radsport-Clubs Schwalbe 08 Eilendorf zustande. Der Eilendorfer Radclub war im vergangenen Jahr mit 32 Teilnehmern nach Reims gefahren.

Der Vorsitzende des französischen Clubs Jean-Pierre Bordeux erzählte, dass der Verein lange versucht habe, einen Partnerverein in Frankreich zu finden. Dies habe aber nicht geklappt, weshalb man sich jetzt umso mehr freue, einen Verein auf deutscher Seite zu haben. Man hoffe auf eine Fortführung der begonnen Partnerschaft. Karl-Heinz Klein, Pressewart von Schwalbe 08, fasst zusammen: „Es bildeten sich Freundschaften, sprachlich bedingte Kommunikationsprobleme wurden schnell überwunden.“

Auch heutzutage lebt die Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Reims, auch wenn sich Peter Servas vom Partnerschaftskomitee Aachen-Reims wünscht, dass sich mehr junge Leute für die Städtepartnerschaft engagieren.

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