Die Ostwestfalen schauen auf das Telenotarzt-Modell aus Aachen

15.000 Einsätze vom Rechner aus : Die Ostwestfalen schauen auf das Telenotarztsystem aus Aachen

Die junge Frau hat sich am Sprunggelenk verletzt, vermutlich handelt es sich um eine Fraktur. Schnell zückt der Rettungsdienst das Smartphone, macht ein Foto von dem geschwollenen Gelenk und schickt es direkt in die Leitstelle an der Stolberger Straße.

Hier sitzt, direkt neben der allgemeinen Leitstelle der Feuerwehr, eine Notärztin. Sie schaut sich die Verletzung an und gibt Anweisungen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Gleichzeitig kann sie per Telefon das Krankenhaus, das der Rettungswagen ansteuern wird, schon einmal mit wichtigen Infos zu der Patientin versorgen. Das spart Zeit, die für einen Patienten überlebenswichtig sein kann. Zeit, die der Notarzt am Bildschirm wieder in die Behandlung eines weiteren Patienten stecken kann. Während sie darum bittet, den Puls zu messen und zu fragen, wie stark die Schmerzen sind, schaut ihr NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) interessiert über die Schulter.

Zum Glück nur eine Übung

Zum Glück handelt es sich bei diesem Einsatz nur um einen Test, die junge Frau ist nicht wirklich am Sprunggelenk verletzt, doch der Vorgang verdeutlicht, worum es beim Telenotarztsystem geht, das jetzt von Aachen aus im ganzen Bundesland adaptiert werden soll.

Am Donnerstag waren neben der Landesregierung auch Vertreter der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie Vertreter von ostwestfälischen Kommunen zu Gast bei der Aachener Feuerwehr, um sich in einem Workshop über das „Modell Aachen“ zu informieren. Paderborn und Lippstadt gehören zu den ersten, die sich das System abgucken wollen.

Seit fünf Jahren gibt es in Aachen und Umgebung den Telenotarzt. „Rund 15.000 Einsätze haben wir seitdem registriert, bei denen das neue System zum Einsatz kam“, sagt Dr. Stefan Beckers, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen. Minister Laumann sieht in dem Aachener System großes Potenzial für das ganze Land: „Wir haben für die Versorgung von lebensbedrohlichen und anderen Notfällen top ausgebildetes Rettungsdienstpersonal und Notärzte“, sagt er.

Das Telenotarztsystem könne die Einsatzkräfte in ihrer Arbeit optimal unterstützen und das Rettungssystem sinnvoll ergänzen. Er gab jedoch zu bedenken, dass es schwierig werden könnte, geeignetes Personal zu finden. „Unser Problem ist nicht das Geld, unser Problem sind die wenigen Ärzte. Notärzte stehen ja nicht einfach auf der Straße rum.“

Vorschlag vom Feuerwehrchef

Ein Vorschlag, wie man das Personalproblem in den Griff kriegen könnte, kommt von Jürgen Wolff, Chef der Aachener Feuerwehr: „Wenn man die Telenotarztzentralen an Städte mit großen Universitätskliniken andockt, lässt sich bestimmt gutes Personal finden.“ Auch von Aachen aus würden beispielsweise die Kreise Heinsberg und Euskirchen mitbedient – und zwar mit Erfolg.

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