Aachen: Die Öcher Kenger trotzen beim Kinderzug Wind und Kälte

Aachen: Die Öcher Kenger trotzen beim Kinderzug Wind und Kälte

Sichtlich stolz ist Märchenprinz Julius I., als er oben in der Krone seines Wagens thront und das Narrenvolk schwungvoll mit reichlich Kamelle beglückte. Stolz kann er auch sein. Zum einen, weil er beim traditionellen Ordenstausch zwischen Prinz und Märchenprinz vor dem Zugstart nicht nur den normalen, sondern gar einen von zehn Sonderorden von Prinz Mike I. um den Hals gehängt bekommt.

Da kann auch schon mal ein Tränchen verdrückt werden. Der Märchenprinz ist mir im Laufe der Session besonders ans Herz gewachsen“, begründet der große Prinz diese schöne Geste.

„Ich möchte ein Eisbär sein“: Das perfekte Kostüm für diesen nasskalten und windigen Karnevalssonntag haben diese beiden kleinen Jecken erwischt. Insgesamt trotzen rund 60 000 Närrinnen und Narren beim Kinderzug dem ungemütlichen Wetter. Foto: Andreas Steindl

Zum anderen kann Julius I. stolz darauf sein, dass sich trotz kalter Temperaturen rund 60.000 kostümierte Jecke auf Aachens Straßen versammeln, um ihn und seinen Kinderzug zu bejubeln und den Höhepunkt des Kinderkarnevals zu feiern. Zum 68. Mal zieht an diesem Sonntag der „Öcher Kengerzoch“, angeführt von den Aachener Stadtreitern, von der Oppenhoffallee bis zum Karlsgraben durch die City.

Rollen ganz lässig im Zug mit: Die Mitglieder der Rhönradgruppe des Allgemeinen Turnvereins Aachen haben sind natürlich auf Rhönrädern unterwegs. Foto: Andreas Steindl

Über 100 Gruppen, Schulen, Sport- und Karnevalsvereine sowie Musikgruppen mit insgesamt über 3600 Teilnehmern sorgen mit tollen Kostümen und peppiger Musik für beste Laune entlang des Zugwegs.

Da kann man schon einmal ein Tränchen verdrücken: der große und der kleine Prinz beim traditionellen Ordenstausch vor dem Zugstart. Foto: Andreas Steindl

Persönlich und familiär

Packen die Steinböcke bei den Hörnern: Die Eltern Ursula und Konrad Hahmann mit den Kindern Philipp (links) und Simon. Foto: Andreas Steindl

„Gerade die Kostüme beim Kinderzug sind toll und der Grund, warum wir immer hierher kommen“, sagt Carolin Pommeranz, Studentin in Aachen, „man sieht, wie viel Mühe sich gegeben wurde und wie sehr die Kinder sich freuen.“ Insgesamt sei der Kinderzug persönlicher als andere Züge, findet sie. So sieht das auch Familie Hahmann, die seit jeher am Karnevalssonntag vor dem Theater steht, in diesem Jahr allesamt als Steinbock-Reiter verkleidet. „Wir kennen viele, die mitgehen, etwa Schulkameraden und Freunde vom Handball“, so Mutter Ursula Hahmann, „der Kinderzug ist fast familiär.“

Warm verpackt: Wie bei diesem süßen Einhorn herrscht für die kleinsten Narren Kapuzenpflicht. Foto: Andreas Steindl

Neben den vielen kreativen Kostümen am Zugweg sind vor allem die Zugteilnehmer ein Blickfang: Das Das Da Theater etwa zieht mit tollen Kostümen aus verschiedenen Stücken, zum Beispiel mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bär aus „Oh wie schön ist Panama“, viele Kinderaugen und Handykameras auf sich, die OGS am Lousberg macht mit ihren bunten Blumenkreationen Lust auf Frühling.

Und manchmal steckt auch eine Botschaft dahinter — beispielsweise beim St.-Ursula-Gymnasium, deren Schülerinnen als Überraschungseier verkleidet und mit dem Motto „Schule, Spaß und Spannung, G8 oder G9“ auf das ständige Hin- und Her in der Schulpolitik anspielen. Oder die Grundschule am Höfling: Mit dem Spruch „Wat Oche kann, kann dor Höfling at lang — vür höppe va Boustell ze Boustell“ nimmt sie die ständigen Baumaßnahmen an am Schulgebäude in den vergangenen Monaten mit Humor. Mit 235 Teilnehmern stellt die Gemeinschaftsgrundschule die größte Gruppe und verteilt entsprechend viele sowie ausschließlich fair gehandelte Leckereien.

Wagenengel und Sicherheitskräfte

Ohne Kamelle, aber nicht weniger bejubelt präsentieren sich die Rhönradgruppe des Allgemeinen Turnvereins Aachen — natürlich auf dem Rhönrad — und der Schülerzirkus Configurani der Viktoriaschule mit Jonglierkunst. Den Abschluss des Kengerzochs, der mit 132 Zugnummern knapp 20 Zugnummern mehr zu bieten hat als im vorigen Jahr, bildet der stolze Märchenprinz Julius I. und Gefolge.

Traditionell sorgt hier OB Marcel Philipp, vor dem Zug ebenfalls mit einem Sonderorden von Mike I. ausgestattet, als Wagenengel für Sicherheit — als Vater des Märchenprinzen in diesem Jahr bestimmt nicht minder stolz als sein Sohn. Neben dem OB sorgen weitere Wagenengel, an Ausfallstraßen quergestellte Müllautos und Busse sowie Polizisten und weitere Einsatzkräfte für Sicherheit.

Der Festausschuss Aachener Karneval (AAK) zieht am Ende eine positive Bilanz. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ablauf des Zuges“, sagt Frank Prömpeler, Präsident des AAK, „trotz des kalten und feuchten Wetters hat überall gute Stimmung geherrscht.“

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