Die Niederlassung von Peek & Cloppenburg ist in Aachen wohl vom Tisch

Alles Jacke wie Hose : Peek & Cloppenburg zieht wenig an

Dass der milliardenschwere Textilriese Peek & Cloppenburg auch in der Aachener Adalbertstraße eine hochherrschaftliche Dependance baut und dort selbst im großen Stil Mode verkauft, ist dem Vernehmen nach mittlerweile endgültig vom Tisch.

Aus der Mode: Ziemlich zugeknöpft zeigt sich Peek & Cloppenburg (P&C) gerne – vor allem bei wenig geschmeidigem Gesprächsstoff. Wer nachhakt, muss sich warm anziehen. Wobei man sich zuweilen in die Wolle kriegt. Das hat auch die Stadt Aachen schon zu spüren bekommen. Etwa weil die Chefetage von P&C aus der Düsseldorfer Zentrale heraus zwar die Fäden zieht – dann aber Knoten produziert, die sich kaum noch lösen lassen. Ankündigungen werden nicht eingehalten. Weil wohl alles eine Nummer zu groß ist.

Dass der milliardenschwere Textilriese – derzeit mit noch gut 60 Häusern in Deutschland – auch in der Aachener Adalbertstraße eine hochherrschaftliche Dependance baut und dort selbst im großen Stil Mode verkauft, ist dem Vernehmen nach mittlerweile endgültig vom Tisch. Alles Strategie. P&C dementiert das ausdrücklich nicht. Stattdessen gibt’s nach wie vor Gammellook in 1a-Lage.

Über 60 Meter Einzelhandelsfassade entlang der Adalbertstraße – alles im Besitz von P&C – verwahrlosen seit Jahren. Zentrale Immobilie zwischen den Hausnummern 34 und 44 ist das ehemalige Wehmeyer-Haus, das nach der Adler-Pleite seit 2012 leer steht. Hier kündigte Eigentümer P&C zuletzt 2016 an, dass man voraussichtlich bereits im Folgejahr den Baubeginn eines neuen „Weltstadthauses“ beginne – ähnlich opulent wie etwa in Köln. Vorausschauend hatte man daher auch Nachbarimmobilien erworben – die nun ebenfalls leer stehen und verrotten. Die ganze Einkaufsmeile leidet darunter – unabhängig von den Leerständen entlang der Aquis-Plaza-Flanke zwischen Willy-Brandt- und Kaiserplatz.

Die Zahlen stagnieren

Die Einzelhandelskette wollte den maroden Gebäudebestand in Aachen abreißen, großzügig bis zu 10.000 Quadratmeter neue Verkaufsflächen auf bis zu vier Etagen beziehen. Damals beschäftigte das Familienunternehmen nach eigenen Angaben 17.400 Mitarbeiter und erzielte international einen Umsatz von knapp 2,1 Milliarden Euro jährlich. Doch seitdem stagnieren Zahlen, es wird aufgeräumt.

In der Region gibt es noch kleinere P&C-Standorte in Eschweiler und Düren. Anderswo werden Standorte komplett gestrichen. Erst Anfang dieses Jahres machte die Schließung einer großen P&C-Filiale in Gießen Schlagzeilen. Und auch in Augsburg steht ein ehemaliges Woolworth-Haus in bester Lage seit 2009 leer. Auch hier liegt das Projekt bei P&C auf Eis. Kaum ein Fachmann rechnet damit, dass die Einzelhandelskette hier einmal Jacke wie Hose verkauft.

Apropos: Immer gleich lautet bei Presseanfragen – ob in Augsburg oder Aachen – die Antwort der Abteilung „Unternehmenskommunikation“ von P&C: „Bauprojekte dieser Größenordnung sind langfristig angelegt und bedürfen einer nachhaltigen und auf die Zukunft ausgerichteten Flächenkonzeption“, heißt es da wortgleich. Und weiter: „Aktuell verändern sich der stationäre Einzelhandelsmarkt und damit die Anforderungen an Immobilien-Konzepte für Innenstädte stark.“

Dann vielsagend: „Bei der Planung der nächsten Projektschritte liegt das Hauptaugenmerk daher umso mehr auf der Erarbeitung einer passgenauen Flächenkonzeption für den Standort Aachen.“ Von der Umsetzung eines „Geschäftshauses“ ist die Rede. Keine Rede ist mehr davon, dass sich P&C hier selbst niederlässt. Denn es gelingt P&C selbst bei hoher Kundenfrequenz vor der Türe vielerorts schlechter, potenzielle Kundschaft zum Kauf ins eigene Haus zu lotsen.

In den Fokus rückt P&C zunehmend den Online-Handel. Der P&C-Experte, der das hauseigene E-Commerce-Geschäft verantwortet, vergleicht Modeverkauf von Peek & Cloppenburg in Interviews gerne mit dem Verkauf von Joghurt. Jedenfalls was das Verfallsdatum angeht. Alles soll schneller gehen, man will sich effektiver als „Omnichannel-Unternehmen“ aufstellen. Wobei der Ladenkanal eher gegen den Onlinekanal – der übrigens handelsüblich eine bis zu 50-prozentige Retourquote verkraften muss – zurückstecken müsste. Ladenhüter sind nicht gefragt. Und obwohl P&C als zahlungskräftiger Handelsriese gilt – im Vergleich zu Zalando und Amazon zählt der Online-Einkaufskorb der Düsseldorfer eher zu den „Peanuts“ unter den Internet-Textilern.

Nicht für Schnelligkeit bekannt

Peek & Cloppenburg ist nicht gerade für Schnelligkeit bekannt. Das zeigte sich auch in Aachen dramatisch, als man fast 20 Jahre lang Einzelhandelsimmobilien an der Großkölnstraße verwahrlosen ließ, bis man sich endlich zu einem Verkauf durchringen konnte. Dort baut ein Hamburger Investor nun ein Hotel mit Ladenlokal im Erdgeschoss.

In der Aachener Stadtverwaltung ist man überzeugt, dass der „Trading-Down-Effekt“ – also das bewusste Verringern des Qualitätsniveaus der Einkaufsstraße – von P&C alsbald beendet wird. Auch wenn niemals ein P&C-Schild über einem Aachener Geschäftseingang hängen sollte. Bis zum Jahresende sei damit zu rechnen, dass die soundsovielte Version der Anträge auf Abriss- und Baugenehmigung erteilt werden könnte. „Man darf davon ausgehen, dass es dort in der Adalbertstraße bald keinen Leerstand und keine Abrissbrache, sondern neue Einzelhandelsimmobilien gibt“, deutet Oberbürgermeister Marcel Philipp an. Von Stillstand könne dann keine Rede mehr sein, betont er.

Ob hinter der Fassade – außer Mode – dann frühestens in drei Jahren etwa ein Drogeriemarkt oder anderes einziehe, sei letztlich ziemlich egal, hört man.

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