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Aachen: Die neue Yunus-Emre-Moschee steht für Dialog und Austausch

Aachen : Die neue Yunus-Emre-Moschee steht für Dialog und Austausch

„Unser Name ist Bescheidenheit, unser Feind ist der Hass. Wir hassen niemanden, die ganze Welt ist für uns eins.“ Das waren einst die Worte des türkischen Dichters Yunus Emre. Heute, rund 700 Jahre später, ist seine Botschaft immer noch aktuell. So ist es nur konsequent, dass die feierlich eröffnete Yunus-Emre-Moschee mit dem zugehörigen türkischen Gemeindezentrum an der Stolberger Straße nun seinen Namen trägt.

Auf diesen Moment musste Abdurrahman Kol viele Jahre lang warten. Der Vorsitzende der Aachener Ditib-Gemeinde trat am Samstagnachmittag mit einer Mischung aus Nervosität und Erleichterung vor die rund 1000 Gäste, die zur Eröffnung gekommen waren. Nach siebenjähriger Bauzeit sei die Yunus-Emre-Moschee nun ein „Grundstein für interreligiösen und interkulturellen Austausch“, wie er betonte. Das unterstrichen auch die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde in Aachen mit ihrer Anwesenheit.

Von Rolf Hohl Aachen. „Unser Name ist Bescheidenheit, unser Feind ist der Hass. Wir hassen niemanden, die ganze Welt ist für uns eins.“ Das waren einst die Worte des türkischen Dichters Yunus Emre. Heute, rund 700 Jahre später, ist seine Botschaft imm.

Mit Bekenntnissen für eine tolerante Gesellschaft und den offenen Dialog sparte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet ebenfalls nicht. Er zeichnete die Entwicklung der Moschee nach, von der einstigen umgebauten Tankstelle bis zum heutigen Neubau: „Jeder religiöse Mensch weiß, wie wichtig ein solcher Ort der Besinnung und des Zusammenkommens ist“, sagte er. Er begrüßte auch das soziale Engagement der Gemeinde und betonte: „Die inzwischen 1,5 Millionen Muslime in NRW sind ein Teil unseres Landes. Und wenn diese offene Gesellschaft angegriffen wird, stehen wir zusammen.“

Imposante Innenansicht: Die Besucher konnten den Gebetsraum unter der gewaltigen Kuppel in Augenschein nehmen. Foto: Andreas Herrmann

Alleine die Tatsache, dass der 8,5 Millionen Euro teure Bau im Herzen des Ostviertels zustande kam, ist ein Stein gewordenes Symbol für Solidarität. Durch private Spenden, Kredite und freiwillige Hilfe kam die Summe schließlich zusammen, und das trotz aller Tücken des deutschen Baurechts, wie der Gemeindevorsitzende Kol scherzhaft bemerkte. „Wie die Stadt wollten auch wir keinen Fremdkörper im Viertel schaffen. Und selbst Leute, die ursprünglich gegen den Moschee-Bau waren, haben schließlich gesagt, dass es ein schönes Gebäude geworden ist“, sagte er.

Bekenntnis: Auch der Gemeindevorsitzende Abdurrahman Kol (rechts) und Ministerpräsident Armin Laschet (3. von rechts) zeigen den Klenkes. Foto: Andreas Herrmann

Städtebaulich wichtig

Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, der bereits bei der Grundsteinlegung vor sieben Jahren mit dabei war, zeigte sich zufrieden: Das neue Gemeindezentrum mit der Moschee füge sich nicht nur gesellschaftlich gut in das Ostviertel ein, sondern auch städtebaulich mit den benachbarten Wohnbauprojekten an der Stolberger Straße. Nun werde es für die rund 900 Mitglieder der türkischen Gemeinde darum gehen, dieses Zentrum mit Leben zu füllen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbands Ditib, Ahmet Dilek, betonte ebenso die soziale und kulturelle Funktion, die Moscheen als offene Häuser für Menschen aller Glaubensrichtungen hätten. Auch in der Arbeit mit Jugendlichen, Senioren und Benachteiligten müssten sich die Gemeinden stärker einbringen, sagte er. „Schließlich sind wir durch mehr als ein halbes Jahrhundert gemeinsamer Geschichte tief mit diesem Land verwurzelt.“

Diese Wurzeln wurden an diesem Tag wieder ein wenig stärker: durch das Interesse der Anwohner, die Offenheit der Gemeinde und den gemeinsamen Willen, diese Eröffnung gebührend zu feiern.