Aachen: Die Nacht der Unternehmen: Ein Bus voller Fachkräfte

Aachen: Die Nacht der Unternehmen: Ein Bus voller Fachkräfte

66 Prozent der Absolventen der Aachener Hochschulen verlassen die Stadt nach dem Studium. Auf der anderen Seite leiden 47 Prozent der Unternehmen in Aachen und Umgebung nach eigener Aussage unter Fachkräftemangel.

Das hat im letzten Jahr eine Studie der studentischen Unternehmensberatung Aixsolution ergeben. Die Aussage ist klar: Bislang gelingt es in Sachen Berufswahl mehr schlecht als recht, Angebot und Nachfrage in der Region zusammenzubringen. Dabei gibt es bereits einen guten Weg — mit dem Bus.

Zum siebten Mal findet am 6. November die „Nacht der Unternehmen in der Region Aachen“ statt. Dahinter steckt die Idee, Akademiker und Arbeitgeber auf direktem Wege zusammenzubringen. Im Technologiezentrum Aachen am Europaplatz werden sich ab 17 Uhr etwa 100 Unternehmen präsentieren, später starten Bustouren zu den Firmen — im letzten Jahr nutzten rund 2000 junge Menschen das Angebot. Es werden in diesem Jahr noch mehr erwartet.

Es gibt zwar keine Statistik, wie viele Fachkräfte in sechs Jahren Unternehmensnacht in Aachen tatsächlich gewonnen wurden. Aber zuletzt wurde doch mindestens jede zweite Firma fündig. Das macht über die Jahre ein paar Hundert neue Mitarbeiter, die auf diesem Wege gewonnen werden konnten. Es sind junge Menschen wie Daniel Strietholt, der aus dem Münsterland nach Aachen kam und eine passende Arbeit suchte — er fand sie während der Nacht der Unternehmen in dem IT- und Telekommunikationshaus Caseris GmbH, einem Spin-Off der CAE Elektronik GmbH. Er sprach dort mit den Entwicklern, redete mit ihnen direkt über die Technologie und lernte ein Unternehmen kennen, das ihm sonst so vielleicht nie aufgefallen war. Nun ist er dort Mitarbeiter, einer von zwei, die die Firma von Geschäftsführer Stefan Preuß über die Nacht der Unternehmen gewinnen konnte. Seit 2009 mischt die Caseris GmbH dort mit. Die Nacht der Unternehmen ist eine gute Gelegenheit, direkt auf Akademiker zugehen zu können, die mit dem Bus vorfahren.

Eine Frage der Wahrnehmung

Die Idee hat mittlerweile ihren Weg quer durch Deutschland gefunden, auch in anderen Städten stellt die Aachener Tema Technologie Marketing GmbH Unternehmensnächte auf die Beine — weil es eben Geschichten wie die von Daniel Strietholt und der Caseris GmbH gibt. „Vollgas zum Job“ ist die Nacht der Unternehmen überschrieben. Schnelle Erfolge sind erwünscht, damit sich die anfangs genannten Zahlen ändern. „Unsere Studenten nehmen den regionalen Arbeitsmarkt noch zu wenig wahr“, sagt Anja Robert vom Career Center der RWTH Aachen. Der Blick geht meist erst zu den Branchenriesen Europas.

Dabei hat die Region eine Menge zu bieten: eine innovative IT-Branche, eine starke Energiewirtschaft mit dem Interessenvertreter Energy Hills e. V., fortschrittliche Automotiv-Firmen und viele spannende Arbeitgeber mehr. Sie müssen nur in den Fokus der Akademiker gerückt werden. Nach der Provinz Limburg im vergangenen Jahr wird diesmal der Bogen auch nach Belgien weitergespannt. Auch dort ist das Interesse groß. „Die Nacht der Unternehmen ist längst eine Marke“, berichtet Rolf Geisen, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Regina, der die IT-Branche der Region vertritt, und einer der Mitinitiatoren der Nacht der Unternehmen. Er hat im letzten Jahr eine besondere Erfolgsgeschichte erlebt: Seine Tochter hat in der Nacht der Unternehmen ihren ersten Job gefunden.

(tka)
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