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Bekenntnis gegen Rassismus: Die Kirchen beziehen klare Positionen

Bekenntnis gegen Rassismus : Die Kirchen beziehen klare Positionen

„Die rechten Parteien agieren mit Angst. Wir nicht! Europa muss keine Angst machen“, sagte Holger Brantin, Vorsitzender des Katholikenrats, mit Bestimmtheit. Gerade deshalb schätzt und unterstützt er, ebenso wie Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, den Wahlaufruf des Arbeitskreises „Kirche gegen Rechts“ zur Europawahl.

Er soll „nachdrücklich ermuntern, an der Wahl teilzunehmen“ und fordert dazu auf, Rechtsnationalisten und Rechtspopulisten aus dem Europäischen Parlament fernzuhalten. „Im Sinne unseres Selbstverständnisses als Christinnen und Christen betrachten wir es als Verpflichtung, für Menschenrechte und -würde einzutreten, unabhängig von Kultur, Hautfarbe, gesundheitlicher Verfassung, sexueller Ausrichtung, Rang oder Namen“, heißt es im Aufruf.

Bruckhoff wurde da noch deutlicher: „Jeder und jede muss sich fragen, wie seine Wahlentscheidung mit seinem christlichen Glauben vereinbar ist“, sagte der Superintendent gegenüber der Presse. „Dabei geht es nicht um Bevormundung. Das muss jeder vor sich, seiner Gegenwart und Gott verantworten.“ Eine Mitschuld an den Wahlerfolgen der Rechtspopulisten sieht er allerdings auch bei den Kirchen. „Europa entscheidet sich an der sozialen Frage. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das ist auch ein Armutszeugnis für uns als Kirche. Wir haben bei jedem versagt, der AfD wählt.“

Der Sprecherrat des Arbeitskreises „Kirche gegen Rechts“, gegründet 2007 als Antwort auf Neonazi-Aufmärsche und rechtsradikale Demonstrationen, betrachtet das Erstarken von rechtsnationalen und rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa ebenfalls sehr kritisch. „Umso wichtiger ist es, weiterhin Flagge zu zeigen, gerade weil rechte Parteien und Vereinigungen kaum mehr auf die Straße gehen, sondern in den Parlamenten sitzen“, so Axel Büker, Jugendreferent beim Evangelischen Kirchenkreis Aachen. Sein Sprecherkollege, Achim Pöhland von In Via, ergänzte: „Wir wollen zur Bewusstseinsbildung beitragen. Die Europawahl ist wichtig, denn Europa ist nicht abstrakt, es wirkt sich bis in unser Privates aus.“ Deshalb müsse sich jeder fragen, welches Europa er wünsche.

„Unsere Stimmen sind wichtig, denn in den letzten Jahren konnten wir in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einen ungeahnten Rechtsruck beobachten, insbesondere seit der humanitären Notlage im Sommer 2015“, heißt es im Aufruf. Damit positioniert sich der Arbeitskreis für ein tolerantes, solidarisches und offenes Europa und wirbt dafür ab sofort mit Postkarten, die in Gemeinden und kirchlichen Institutionen ausliegen.