Christmette im Aachener Dom: Die Hoffnung auf ein glückliches Menschwerden in der realen Welt

Christmette im Aachener Dom : Die Hoffnung auf ein glückliches Menschwerden in der realen Welt

Der Heiligabend kündigte sich an. In der Kleinmarschierstraße trafen bei einbrechender Dunkelheit zwei Menschenströme aus entgegen gesetzten Richtungen aufeinander. Die einen hatten nicht nur noch schnell ein paar Einkäufe erledigt und bummelten ein wenig durch die Stadt. Die anderen folgten dem Glockengeläut und strömten zum Haupteingang des Aachener Domes.

Bereits eine Stunde vor dem Beginn des Pontifikalamts konnten die Ehrendienstler des Doms mehr als eintausend Besucher der Christmette feststellen und ständig wuchs noch die Zahl. Es war eine Zeit der Besinnung, die durch das meisterhafte Orgelspiel des kürzlich zum Diözesankirchenmusikdirektor ernannten Professors Michael Hoppe sowie den a-capella-Gesang von Tenören und Sopranstimmen begleitet wurde.

Nach dem Einzug von Bischof Dr. Helmut Dieser und der konzelebrierenden Domgeistlichen stimmte der bisherige Domkantor und kürzlich zum Kirchenmusikdirektor ernannte Marco Fühner das Weihnachtsmartyrologium an, das die Geburt Christi ankündigt und einen Rückblick auf die Milliarden Jahre der vorangegangenen Menschheitsgeschichte gibt.

In seiner anspruchsvollen und zu Recht mahnenden Predigt nahm Bischof Dieser das Süchtig-Sein unter die Lupe. Das sei allerdings kein harmloses Wort. Was es meint, könne man so umschreiben: „Immer mehr vom Selben“ und dadurch werde schleichend ein „immer mehr vom Falschen“. Auch vieles Gute könne zu einer Sucht führen: Arzneimittel, Alkoholgenuss, Spiele und Internetsurfen zum Beispiel. Als einen weiteren Bereich führte der Bischof das Verlangen nach dem immer länger leben wollen an. „Damit meine ich den schmalen Grat zwischen Segen und Fluch der modernen Medizin. Wollen wir wirklich immer älter werden“? fragte er. Sicher sei das eine Gnade, wenn man gesund und selbstbestimmt sehr alt werden darf. Aber auch das könne schleichend zur Last werden, hieß es in der Predigt. Ebenso wäre es, wenn der Wunsch jung zu bleiben so „um die Fünfzig“ läge, wäre das auf die Dauer langweilig.

„Weihnachten, Schwestern und Brüder, zeigt uns eine Kraft und ein machtvolles Wirken, das von Gott ausgeht in unsere Menschenwelt hinein. Nicht aber als falsche Übermächtigung, sondern als Kraft, dass Du und ich immer mehr zu dem richtigen Menschen werden, der jeder und jede von uns ist und sein soll“ so der Bischof.

Im Anschluss an die Christmette begaben sich der Bischof und seine Konzelebranten, zu denen auch Bischof em. Heinrich Mussinghoff gehörte, zur Weihnachtskrippe des Domes und entzündeten dort die Weihnachtskerze.

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