Aachen: Die Hörn wartet weiter auf den Brückenschlag

Aachen: Die Hörn wartet weiter auf den Brückenschlag

Die Hörn wartet auf den Brückenschlag. Und wartet und wartet und wartet. Viele Bewohner des Viertels sind stocksauer, was sich auch in mehreren Zuschriften im Rahmen unserer Aktion „Wo drückt der Schuh?“ widerspiegelt. Das Problem: Die Verkehrsanbindung via Melatener Straße ins RWTH-Gebiet auf der anderen Seite des Pariser Rings wurde seinerzeit gekappt, als der Bau der Infrastruktur für den Campus Melaten begann.

Dazu wurde die Autobrücke über den Ring abgerissen, was zuvor in den Diskussionen ein heftiger Streitpunkt, letztlich politisch so jedoch gewollt war. Mit dem Abriss gab es aber auch keinen Überweg mehr für Fußgänger und Radfahrer. Die einzige Chance für sie, auf die andere Seite und damit auch in die beliebten Naherholungsgebiete Rabental und Schneeberg zu gelangen, führt seither nur über eine steile Treppe mit dutzenden Stufen.

Für Mütter mit Kinderwagen und Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ein unüberwindbares Hindernis. Fahrradfahrer müssen, so sie fit genug sind, ihr Zweirad die Treppe hinauf beziehungsweise hinab tragen. Oder man wählt einen Umweg über die Valkenburger Straße beziehungsweise den Seffenter Weg, der allerdings einen guten Kilometer ausmacht. Auch das ist gerade für Senioren nicht machbar. Und nun?

Während der Weg den Autofahrern dauerhaft versperrt sein wird, sollte die Verbindung für Radfahrer und Fußgänger eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt bereits wieder hergestellt sein, wie Hubert Bruynswyck berichtet, der sich als Anwohner wie auch als CDU-Ratsherr für die Hörn massiv über den Zustand ärgert. Vor allem ist er aber sauer darüber, „dass es keinerlei Informationen gibt, wie es hier überhaupt weitergehen wird“. Auch in seiner Funktion als Ratsherr sei er bei den zuständigen Stellen bezüglich dieser Informationen zeitweise vor die Wand gelaufen.

Fakt ist, dass hier nicht die Stadt die Federführung hat, sondern diese zwei Landesbetriebe haben — der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), der für den Ausbau der Infrastruktur im Campus-Gebiet verantwortlich zeichnet, und der Landesstraßenbaubetrieb (Straßen.NRW), der für die noch bestehende Fußgänger-/Radfahrerbrücke zuständig ist — die allerdings im Moment eben im Nichts endet.

Also zunächst die Frage an den BLB: Was passiert an dieser Stelle? „Zum Bau des Parkhauses Melaten musste die Böschung zwischen der alten Melatener Brücke und der neuen Fußgängerbrücke über die Forckenbeckstraße zum Teil abgetragen werden“, erklärt Pressesprecher Bernd Klass. In den kommenden Tagen werde „wie geplant und mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW abgestimmt“ mit dem Bau einer Betonstützmauer zum neuen Parkhaus begonnen. Anschließend könne das Erdreich zwischen den Brücken wieder aufgefüllt werden.

Der Auftrag für die Arbeiten sei bereits erteilt. Der BLB gehe somit davon aus, „noch im Herbst die Verbindung zwischen Hörn und Campus Melaten für Fußgänger und Radfahrer wieder freigeben zu können“. Das hört sich für die Hörner schon mal gut an. Aber: Dem Vernehmen nach ist besagte Fußgänger-/Radfahrerbrücke marode, obwohl sie noch gar nicht so alt ist. Offenbar wurde einst minderwertiges Material dort verarbeitet. Somit also die Frage an Straßen.NRW: Wird der Überweg kurz nach der Wiedereröffnung erneut gekappt?

Keine Gefahr beim Überqueren

Die Antwort von Bernd Aulmann von der für Aachen zuständigen Niederlassung Euskirchen besteht aus einem Ja und einem Nein. Tatsächlich solle die Brücke im kommenden Jahr abgerissen werden. „Aber es wird dann eine Behelfsbrücke aufgebaut, bis das neue Bauwerk fertig ist“, erklärt Aulmann. Eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger, die in den kommenden Monaten auf der bisherigen Brücke den Pariser Ring überqueren, bestehe nicht. Aulmann: „Wenn sie einsturzgefährdet wäre, müssten wir ja auch die Straße darunter sperren.“

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