Aachen: Die Heimkehr einer großen Aachenerin

Aachen: Die Heimkehr einer großen Aachenerin

Es ist eine Heimkehr von unermesslicher Bedeutung für das Bistum Aachen, auch wenn sie letztlich eher kühl und sachlich ablaufen wird - denn ganz nüchtern betrachtet wird Clara Fey am Samstag, 1. September, in einem handelsüblichen Leichenwagen eines Bestattungsunternehmens, begleitet von einem Bus mit Schwestern vom Kloster Simpelveld, zum Aachener Dom fahren.

Doch natürlich steckt weit mehr hinter dieser Rückkehr einer „ganz großen und mutigen Frau der Stadt und des Bistums”, wie aus dem Bischöflichen Generalvikariat am Dienstag mitgeteilt wurde.

„Clara Fey ist ein wichtiger Teil unserer Bistumsgeschichte. Wir wollen, dass mit dieser Überführung ihre Bedeutung deutlich wird”, betont Weihbischof Johannes Bündgens. 1815 wurde sie als viertes von fünf Kindern geboren, lebte mit ihren Eltern Louis und Katharina Fey in der Bendelstraße. Es war die Zeit der Industrialisierung, in deren Schatten auch die Armut über Aachen zog. Clara Fey erlebte, wie ihre Eltern Gerechtigkeit und Menschlichkeit in schwieriger Zeit vorlebten, in diesem Geist gründete sie 1844 die Genossenschaft der Schwestern vom armen Kinde Jesus.

Bildungsarbeit, speziell für Mädchen, schrieb sich die Kongregation auf die Fahnen. Neben etwa Franziska von Schervier (1819 bis 1876) leistete Fey mit ihren Schwestern wertvolle Arbeit. Allein Bismarcks Kulturkampf gegen die Kirche sollte sie vertreiben. In Simpelveld wurde eine neue Basis gegründet. Am 8. Mai 1894 starb Fey im Mutterhaus dieser Kirche, 1934 wurden ihre Gebeine in einem Grabmal im Innern der Klosterkirche beigesetzt.

78 Jahre später wird dieser Sarg von 1934 also nach Aachen zurückkehren. Im Dom wird der Sarg gegen 9 Uhr erwartet. Schon am 29. August gibt es in Simpelveld eine Öffnung des Sarges, am 31. August die endgültige Verabschiedung im Beisein des Bischofs von Roermond. Einen Tag später in Aachen wird der Sarg zunächst in der Nikolauskapelle aufgebahrt, damit ihn die Schwestern vom armen Kinde Jesus - sie gibt es in 14 Ländern - besuchen können. Wenn um 10 Uhr im Dom eine feierliche Messe beginnt, ist der Sarg bereits in der Bischofsgruft.

Bündgens nennt die Rückkehr ein „wichtiges Zeichen”, auch wenn sie einen weit weniger symbolischen Hintergrund hat. „Die Schwester müssen das Kloster in Simpelveld kurzfristig aufgeben”, berichtet er. Wie so viele andere Orden plagen auch die Schwestern vom armen Kinde Jesus Nachwuchssorgen. „Nun wollen sie wieder stärker in Aachen wirken - dort, wo ihre Geschichte begonnen hat”, erklärt der Weihbischof. An der Ecke Jakobstraße/Bendel-straße und an der Michaelsberg-straße in Burtscheid leben noch Schwestern. Der Standort Jakob-straße, hier werden im Moment vier Schwestern gezählt, könnte wieder die Generalleitung übernehmen. „Es sollten dort wieder 15 Schwestern werden”, sagt Bündgens.

Dort könnte auch Clara Fey letztlich eine Ruhestätte für die Ewigkeit erhalten. Denn die Überführung in die Gruft des Domes ist auch nur eine provisorische Maßnahme. An der Jakobstraße gibt es auch eine Kapelle. „Aber dazu kann man noch nichts Definitives sagen”, erklärt der Weihbischof. Es ist ein langer Weg, der bis zur letzten Ruhestätte von Clara Fey zwischen Dom und Jakobstraße oder wo auch immer noch beschritten werden muss. Bündgens spricht deswegen lieber über das „bedeutende Ereignis” der Heimkehr nach Aachen, lobt die Tugenden, für die Clara Fey steht. Eine Seligsprechung der Frau wurde bereits 1992 auf den Weg gebracht, wann das Ziel erreicht ist, lässt sich aber nicht einschätzen.

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