Aachen: Die Haselmaus hat sich im Böschungsbereich der A44 angesiedelt

Aachen : Die Haselmaus hat sich im Böschungsbereich der A44 angesiedelt

Sie wiegt 15 bis 40 Gramm und wird etwa 15 Zentimeter lang. Wobei die Hälfte davon auf ihren Schwanz entfällt. Sie liebt Hasel- und Beerensträucher und lebt daher gerne in direkter Nähe zu den schmackhaften Gehölzen: die Haselmaus. Nicht ganz so glücklich ist es dann wohl, wenn so ein schöner Lebensraum gleich neben der Autobahn 44 bei Brand liegt. Doch offenbar fühlt sich das Tierchen genau dort ziemlich wohl, was ein klein bisschen problematisch ist.

Ihr Vorkommen dort wird nämlich insofern zu einer Herausforderung, da die Leitungen zur Entwässerung in genau diesem Bereich dringend erneuert werden müssen. Daran führt kein Weg vorbei, da sie defekt sind, wie Ernst Gombert, beim Landesbetrieb Straßenbau für die Arbeiten an den Leitungen verantwortlich, sagt. „Das ist eine erforderliche Sanierungsmaßnahme, und die muss auch genau an dieser Stelle vorgenommen werden. Das kann nicht verlagert werden“, sagt auch Wilfried Engels vom städtischen Umweltamt. Doch: „Die Haselmaus ist eine streng geschützte Art in Nordrhein-Westfalen“, so Engels weiter. Die Arbeiten an den Leitungen müssen daher an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden und nicht umgekehrt.

Das sorgt natürlich dafür, dass ein wenig umgeplant werden muss, um die Tiere in ihrem Lebensraum nicht zu stören. „Man muss solche Arbeiten in einem Zeitfenster durchführen, das für alle betroffenen Arten den geringsten Eingriff darstellt“, sagt Engels. Schließlich beginne im Mai 2019 die Nistzeit vieler Vogelarten. Ewig Zeit bleibt also nicht mehr.

In NRW gibt es eine Vielzahl geschützter Arten, so Engels, von denen etwa 180 Arten als besonders schützenswert eingeschätzt werden. Bei einem Planvorhaben wie der Erneuerung der Leitungen an der A44 müssen bestimmte Arten daher besonders betrachtet werden. Dazu zählen eine Reihe Vogelarten, sämtliche Fledermausarten, der Biber, die Wildkatze und eben auch die Haselmaus.

Niströhrchen eingesetzt

„Wenn so eine Baustelle ansteht und man eine bestimmte Vegetation vorfindet, muss geprüft werden, ob die geschützte Art dort vorkommt oder nicht“, sagt Engels. Die Gehölze an der Böschung der A44 seien typische Sträucher, die der Haselmaus als Nahrungsgrundlage dienen. Also werden Untersuchungen eingeleitet. „Diese wurden durch das Büro Raskin Umweltplanung und Umweltberatung GbR aus Brand im Auftrag der Straßenbauverwaltung vorgenommen“, so Gombert. Um herauszufinden, ob Haselmäuse vorkommen, werden sogenannte Niströhrchen (siehe Foto) angebracht. „Wenn man die an geeigneten Stellen anbringt, werden sie auch von Haselmäusen angenommen“, so Engels. Gesagt getan, die Haselmaus hat die schönen Nistplätze für sich entdeckt.

Der Lebensraum für die Tiere ist ideal an der Böschung. Zwar sei laut Engels der natürliche Lebensraum der Haselmaus nicht unbedingt die Autobahn. „Aber es ähnelt der Vegetation eines natürlichen Waldrandes. Somit ist die Autobahnböschung ein Ersatzlebensraum, der sich eignet“, sagt er.

Daher werden die Arbeiten zur Erneuerung der Leitung voraussichtlich erst im April 2019 durchgeführt. „Ab Oktober werden wir den Grünstreifen über der alten Leitung wegnehmen. Aber dieser wird nur ,auf den Stock‘ gesetzt“, so Gombert. Das bedeutet, dass alle Wurzeln im Boden bleiben. Das muss nun erledigt werden, da sonst im Frühjahr die Brutzeit der Vögel gestört würde. Auch auf die angebrachten Niströhrchen werde natürlich Rücksicht genommen. „Denn die Haselmaus verkrümelt sich in dieser Zeit unter das Wurzelwerk und hält Winterschlaf.“

Wenn die Tierchen ab April wieder wach werden, gehen die Arbeiten weiter. „Dann werden die Leitungen rausgeholt und ausgetauscht“, sagt Gombert. „Man muss für die Maßnahmen natürlich einen Arbeitsstreifen schaffen, aber der wird so gering wie möglich gestaltet“, sagt Engels. Autofahrer werden übrigens nicht von den Arbeiten gestört, für sie gilt dennoch freie Fahrt auf der A44.

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