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Trendwende im Preuswald: Die größten Sorgen sind vorbei

Trendwende im Preuswald : Die größten Sorgen sind vorbei

Vor gut zehn Jahren herrschte noch höchste Alarmstimmung im Preuswald. Besorgte Anwohner warnten vor dem drohenden Niedergang und einer Ghettoisierung der einstmals gefragten Siedlung in idyllischer Grenzlage. Zwischenzeitlich hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt.

„Es ist toll, hier zu leben“, schwärmt etwa Preuswald-Bewohnerin Hanna Dorner-Bachmann, die nicht zuletzt auch in Corona-Zeiten die besondere Lage ihres Viertels zusätzlich zu schätzen gelernt hat. „Ich habe den Wald noch mal ganz neu entdeckt, das ist wirklich sehr erholsam“, sagt sie heute. Dabei ist es nicht lange her, dass sie wenig Sinn für solche Vorzüge hatte und sich noch deutlich sorgenvoller anhörte.

Mit ihren Mitstreitern wetterte sie gegen den Investitionsstau, gegen die bröckelnden Fassaden, die vielen runtergekommenen Wohnungen und verwahrlosten Grünflächen und Spielplätze. Und sie sorgte sich um die Bewohnerstruktur. Immer mehr Menschen mit Geld und Einkommen verließen die ab 1969 entstandene Siedlung, Hartz-IV-Empfänger zogen nach. Der Sozialraum Preuswald wurde auch von der Stadt als Problemfeld entdeckt – mit hohen Integrationserfordernissen und der schlechtesten sozio-ökonomischen Entwicklung aller Aachener Quartiere, wie es im städtischen Sozialbericht heißt.

 Oberbürgermeister Marcel Philipp stellte die gemeinsame Wohn- und Wohnumfeld-Aufwertung als integralen Bestandteil der Quartiersentwicklung heraus.
Oberbürgermeister Marcel Philipp stellte die gemeinsame Wohn- und Wohnumfeld-Aufwertung als integralen Bestandteil der Quartiersentwicklung heraus. Foto: MHA/Andreas Herrmann

Dorner-Bachmann ist bis heute eine der Aktiven der Preuswald-Initiative, die sich vor Jahren zusammengefunden hat, um den Abwärtstrend zu stoppen, die Politik aufzuscheuchen und vor allem den größten Wohnungseigentümer vor Ort – die Deutsche Annington – in die Pflicht zu nehmen. Aus der Annington ist zwischenzeitlich Vonovia geworden, und damit hat augenscheinlich eine Entwicklung eingesetzt, die von allen Seiten als erfolgreich angesehen wird.

„Das Quartier Preuswald befindet sich auf einem sehr guten Weg“, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp jüngst bei einem gemeinsamen Rundgang mit Vonovia-Geschäftsführer Mario Stamerra durchs Viertel. Gemeinsam begutachteten sie das Ergebnis einer vor zehn Jahren eingeleiteten Quartiersentwicklung.

Ins Leben gerufen wurde damals eine Stadtteilkonferenz, die Philipp als wichtigen Impulsgeber vor Ort ansieht. Dort fanden sich wesentliche Akteure zusammen, die gemeinsam neue Ideen für den Preuswald entwickelten und in die Tat umsetzten. Millionenbeträge konnten auf diese Weise in das Viertel gelenkt werden. Mehr als elf Millionen Euro hat allein Vonovia, Besitzer von aktuell rund 400 Wohnungen im Preuswald, eigenen Angaben zufolge investiert.

Das Ergebnis ist auf vielen Ebenen abzulesen: Die meisten Gebäude wurden modernisiert und mit einer neuen Energieversorgung ausgestattet, das Wohnumfeld wurde verschönert, neue Spielplätze und Aufenthaltsorte wurden geschaffen, die Arbeiterwohlfahrt hat ein Begegnungszentrum geschaffen und einen Kiosk eröffnet. Eine neue Kita hat die Stadt bereits gebaut, der Grundschulneubau ist in Arbeit und für die Nahversorgung gibt es inzwischen den Discounter Aldi.

Das alles macht den Preuswald auch wieder für junge Familien mit begrenztem Budget attraktiv, ist Stamerra überzeugt. Die Mieten lägen im Preuswald 15 Prozent niedriger als in zentraleren Lagen der Stadt, sagt er und spricht von passenden Angeboten für Mieter aller Generationen und einem guten nachbarschaftlichen Miteinander.

So empfindet es auch Hanna Dorner-Bachmann. „Die Bewohnerstruktur hat sich verändert.“ Und dennoch hält die Preuswald-Initiative eine Erweiterung des Viertels weiterhin für erstrebenswert. Mehr Wohnungseigentümer täten dem Viertel gut, ist Dorner-Bachmann überzeugt. Sie plädiert dafür, neue Wohnflächen für „kleinteiliges Wohneigentum“ – Eigentumswohnungen oder kleine Einfamilienhäuser – zu erschließen.

Das ist vorerst nicht zu erwarten. Dafür nimmt aber voraussichtlich noch in diesem Jahr ein weiterer großer Immobilienbesitzer ein zentrales Preuswald-Projekt in Angriff. Vor knapp zwei Jahren hat die Aachener Landmarken AG unter anderem das 14-geschossige Hochhaus an der Altenberger Straße gekauft, das stets als Knackpunkt für die weitere Preuswald-Entwicklung angesehen wurde. Viele Gedankenspiele hat es für den Problembau gegeben – auch ein Abriss wurde von den eigens beauftragten Planern der Stadterneuerungsgesellschaft Steg erwogen. Inzwischen ist klar, dass das Haus stehen bleibt und von Grund auf saniert wird, wie Landmarken-Sprecher Kolja Linden mitteilt.

„Unser Ziel ist es, im August oder September anzufangen“, kündigt Linden an. Noch gibt es jedoch keine Baugenehmigung, auch sind 15 der insgesamt 83 Wohneinheiten noch belegt. Sobald sie frei werden, beginnt der groß angelegte Umbau, wobei die bisherigen Wohnungszuschnitte beibehalten werden sollen. Fassaden, Fenster, Technik und anderes mehr werden jedoch erneuert.

Weitere Sanierungen erfolgen nach und nach auch in den benachbarten drei achtgeschossigen Häusern, die ebenfalls der Landmarken AG gehören. Das einstige Schwimmbad am Fuß des Hochhauses kommt hingegen „definitiv“ weg, wie Linden betont. Dort werde eine „Gemeinschaftsfläche“ geplant, von der allerdings noch niemand sagen kann, was darunter genau zu verstehen ist.

Zusammengenommen spricht das für eine gute Entwicklung im Preuswald. „Es war harte Arbeit“, sagt Hanna Dorner-Bachmann rückblickend. Mit ihren Mitstreitern hat sie einige Jahre Lebenszeit in die „Preuswald-Initiative“ investiert. „Aber ich bin froh, dass wir es gemacht haben und würde jede Initiative ermuntern, sich ebenfalls reinzuhängen.“

Zu tun gibt es immer noch etwas: Aktuell ist ein neues Leitbild für die Grünflächengestaltung im Preuswald in Arbeit. Zudem soll ein zentraler Quartierspark als Ort der Begegnung entstehen, wie die Stadt mitteilt. Dafür konnte eine Landesförderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingeworben werden.