Aachen: Die größte Tücke liegt in Spiele-Apps für Smartphones

Aachen : Die größte Tücke liegt in Spiele-Apps für Smartphones

Genau 11.281 Mal wurden Verbraucherprobleme jeder Art in die Hand genommen. Das ist die Bilanz der Verbraucherzentrale Aachen des letzten Jahres.

Von den 11.281 Anfragen der Ratsuchenden waren 6595 allgemeine Verbraucherberatungen, 3398 Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungen und 1288 Energieberatungen. „Die Zahlen aus 2017 sind im Vergleich zu den Vorjahren in etwa konstant geblieben“, betonte Jutta Reimnitz, Leiterin der Verbraucherzentrale.

Die Anliegen der Hilfesuchenden sind ebenfalls nach wie vor vielfältig. Verbraucherberater Ulrich Isfort hat im letzten Jahr vor allem die Tücken vermeintlich kostenloser Spiele-Apps für Smartphones und Tablets in den Blick genommen. „Spielemacher animieren Nutzer laufend durch geschickte Programmierungen dazu, den kostenlosen Sektor zu verlassen und kostenpflichtige Elemente für ihr Spiel zu kaufen. Die Kosten dafür können schnell mal von 99 Cent bis zu 99 Euro gehen. Wir forderten daher, dass Anbieter von Onlinespielen Preislisten für alle Zusatzangebote offenlegen“, betonte Isfort. Für junge Spieler und deren Eltern hatten sie Regeln auf „free to play“ parat, eine Informationsbroschüre, die nachhaltig über die Tricks und Maschen bei Gratis-Apps aufklärt.

Ebenfalls großer Aufklärungsbedarf bestand bei falschen Kreditversprechen auf Internetseiten sowie bei massiven Kostentreibereien von Inkassounternehmen. „Gerade Bagatellforderungen wachsen in der Obhut von Inkassobüros auf das Mehrfache an. Deshalb sprachen wir uns als Verbraucherzentrale NRW dafür aus, große Auftraggeber von Inkassounternehmen als Ursprungsgläubiger für ein seriöses Forderungsmanagement ihrer Dienstleister zu sorgen“, so Isfort ferner.

Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberaterin Jutta Wedrich führte 2017 insgesamt 431 Kurzberatungen durch und stellte fest: „Das durchschnittliche Alter der Schuldner liegt bei 43 Jahren, was vor allem damit zu erklären ist, dass es immer mehr junge und ältere Menschen gibt. Altersarmut und Arbeitslosigkeit sind die Hauptursachen für Schulden.“

Restschuldbefreiung

War eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht möglich, wurden die Verbraucher bei der Antragstellung zur Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens unterstützt und auch bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung begleitet. Martina Wagner, Fachberaterin Energiearmut, verzeichnete 300 Kontakte im vergangenen Jahr.

„Wir unterstützen Verbraucher mit Zahlungsproblemen im Bereich der Energierechnung. Ursachen für diese Zahlungsprobleme, bei denen im schlimmsten Fall die Energiesperre drohen kann, sind oftmals ein geringes Einkommen verbunden mit hohen Energiekosten sowie weiteren Zahlungsproblemen“, erläuterte Wagner. Beim gemeinsamen Budget-Check wurden Sparpotenziale ausgelotet und alle Ausgaben auf den Prüfstand gestellt. Mit der Kampagne „Dreh auf und spar“ hat die Verbraucherzentrale gewiss auch in Aachen die richtige Einstellung zum Energiesparen beim Duschen nahegebracht.

Zudem hat sie aufgezeigt, dass ein Wechsel des Strom- und Gastarifs viele Haushaltskassen sicher entlasten kann. „Wir gaben außerdem Tipps, wie man den Warmwasserverbrauch reduzieren kann oder wie Hausbau, Sanierungen oder Fensteraustausch energiesparend vonstattengehen“, sagte Energieberaterin Maria Feldhaus. Alles in allem stellten die Verantwortlichen fest, dass die Beratungen immer anspruchsvoller und komplexer werden. Nicht nur deshalb spiele die Prävention eine große Rolle, wie Reimnitz ergänzte: „Wir klären in Schulen auf und haben gerade für Flüchtlinge besondere Angebote. Denn sie sind der Sprache noch nicht so mächtig, als dass sie alles verstehen können.“

Trotz der immer komplexeren Angelegenheiten und Problemstellungen gab es final vor allem eine positive Sache zu berichten. „Mit vielen Aktivitäten hat die Verbraucherzentrale gezeigt, dass sie die Probleme der Menschen vor Ort in die Hand nimmt und so ein wichtiger Baustein der kommunalen Daseinsvorsorge ist“, so Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen. Mit dem Team der Beratungsstelle freute er sich, dass der Rat der Stadt Aachen im Mai 2018 beschlossen hat, den Vertrag zur Finanzierung der Beratungsstelle bis Ende 2023 zu verlängern.

Mehr von Aachener Zeitung