Aachen: Die Girls geben richtig Gas an ihrem Tag

Aachen : Die Girls geben richtig Gas an ihrem Tag

Jetzt wird es gefährlich! Ein Topf voller Öl steht auf einem Grill und brennt. „Das kann zum Beispiel passieren, wenn man mit einer Freundin telefoniert und den Topf auf dem Herd vergisst“, sagt Oberbrandmeister Burkhard Strauch.

Mit sicherem Abstand demonstriert er dann, was passiert, wenn man den großen Fehler macht und versucht, den Brand mit Wasser zu löschen: Ein meterhoher Feuerball wird ausgelöst und versengt alles in seinem Umkreis. Da staunten die 16 jungen Mädchen nicht schlecht.

Sie verbrachten am Donnerstag im Rahmen des bundesweiten Girls‘ Day einen Tag bei der Berufsfeuerwehr in der Feuerwache Nord. Dort wurde ihnen der Beruf der Brandmeisterin näher gebracht. Nach einer Führung durch die Wache wurde der Berufsalltag erläutert. Aber es wurde natürlich nicht nur gesprochen, sondern auch kräftig mit angepackt. „Den Mädchen wurde demonstriert, wie schnell sich Rauch in einem Raum ausbreitet. Zudem konnten sie selbst einmal eine Ausrüstung anprobieren und feststellen, wie schwer diese ist“, beschreibt Patrick Prohl, Oberbrandmeister und Truppenführer Hubrettungsbühne. Diese Hubrettungsbühne wurde später natürlich auch noch eingesetzt. Die Mädchen durften gesichert auf eine Höhe von 30 Metern hochklettern.

Insgesamt werde der Girls‘ Day bei der Berufsfeuerwehr von beiden Seiten extrem gut angenommen. „Es ist eine tolle Möglichkeit, den Mädchen diesen abwechslungsreichen, interessanten, anspruchsvollen, aber auch gefährlichen Beruf näher zu bringen. Wir wollen den Mädchen Lust auf diesen Beruf machen und diesen Tag auch zur Nachwuchsförderung nutzen“, sagt Patrick Prohl. Bei der Berufsfeuerwehr Aachen sind lediglich ein Prozent Frauen beschäftigt.

Das Fazit der Mädchen, die im Rahmen des Girls‘ Day die Feuerwache besuchten, fiel ausgesprochen positiv aus. Laura und Lotte, beide 15 Jahre alt, zeigten sich begeistert: „Wir haben heute viel über einen sehr interessanten und abwechslungsreichen Beruf gelernt. Das war richtig toll!“

Ebenso positiv äußerten sich Mädchen, die nur einen Steinwurf entfernt von der Feuerwache unterwegs waren. In einem Container der Ecurie Aix — dem Formula Student Team der RWTH Aachen — konnten die Girls eine hochschulinterne Gruppe angehender Ingenieurinnen und Ingenieure kennenlernen, die ihr theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen. Konkret heißt das, dass die rund 80-köpfige Gruppe mit einem Frauenanteil von rund zehn Prozent einen eigenen Rennwagen entwickelt, baut und auf internationalen Wettbewerben präsentiert beziehungsweise dort Rennen fährt.

Dabei wiegt der Rennwagen nur knapp 200 Kilogramm und kommt auf eine PS-Zahl von 90. Von 0 auf 100 Stundenkilometer braucht der kleine Flitzer lediglich vier Sekunden! „Die Entwicklung des Rennwagens ist interdisziplinär. Deswegen sind viele verschiedene Meinungen, Erfahrungen und Ansichten wichtig bei der Verbesserung des Wagens. Wir freuen uns auch immer wieder, wenn Frauen bei uns mitmachen“, sagt Andreas Kociok, verantwortlich für das Marketing der Ecurie Aix. Dabei betont Kociok, dass das Projekt vor allem von der Leidenschaft, dem Herzblut und dem Teamgeist der Gruppe lebe.

Noch keine praktische Erfahrung mit Autos gemacht hat dagegen Julia Driouk. Die 14-jährige Schülerin des Kaiser-Karls-Gymnasiums besitzt natürlich noch keinen Führerschein, sitzt aber schon mal im Rennwagen Probe. „Man liegt da förmlich drin. Eigentlich ist es sogar sehr gemütlich. Damit wäre ich jetzt schon einmal gerne gefahren“, schmunzelt die Schülerin.

Ebenso spannend und interessant gestaltete sich der Tag für 50 Schülerinnen und Schüler von elf bis 15 Jahren, die die Bildungszentren BGE Aachen und BGZ Simmerath der Handwerkskammer besuchten. „Die Handwerkskammer und ihre Mitgliedsunternehmen öffnen gerne ihre Türen, um jungen Menschen Einblicke in Berufe und den Arbeitsalltag zu gewähren“, sagte Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Kammer. „In unseren Bildungszentren und in den Betrieben können Mädchen und Jungen wichtige Erfahrungen sammeln, die ihnen bei der späteren Berufswahl helfen.“

Denn ob Brandmeisterin, Ingenieurin oder Handwerkerin. Alle Berufe sind interessant, spannend und abwechslungsreich. Das wissen die Schülerinnen und Schüler, die beim bundesweiten Girls‘ & Boys‘ Day teilgenommen haben, inzwischen alle.

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