Aachen: Die Feuerwehr schlägt bei Spedition Alarm

Aachen: Die Feuerwehr schlägt bei Spedition Alarm

Feuerwehrautos auf einem Speditionsgelände sind in der Regel alles andere als ein gutes Zeichen. Wenn aber ab April 2015 neben den Sattelschleppern der Hammer-Gruppe rote Lkw mit der Aufschrift 112 auf das Speditionsgelände auf der Hüls fahren, ist das eindeutig ein positives Signal.

Zum einen, weil dies ein Symbol für eine gelungene öffentlich-private Partnerschaft ist, zum anderen weil die Aachener Feuerwehr in einer für sie lebenswichtigen Frage einen guten Schritt nach vorne tun kann. Ab 1. April haben die Feuer- und die Rettungswache für rund zwei Jahre ihr neues Zuhause auf dem Speditionsgelände.

Umweltausschuss gibt Okay

In nicht-öffentlicher Sitzung sprachen sich am Dienstagabend die Mitglieder des Umweltausschusses klar für das befristete Exil der Wache bei Hammer aus. Alternativstandorte waren bereits vorher aus Kostengründen verworfen worden.

Der Umzug ist unumgänglich, da die bestehende Wache an der Stolberger Straße heftig in die Jahre gekommen ist. Der Bau ist marode und zu klein, statt der ursprünglich 80 Feuerwehrleute kümmern sich inzwischen 170 um die Sicherheit der Aachener. Mitte dieses Jahres fällte der zuständige Umweltausschuss den Beschluss zur Rundumerneuerung.

Doch wohin? In Sondierungsgesprächen stellten Gebäudemanagement, Feuerwehrleitung und der Unternehmer Tim Hammer fest, dass eine gemeinsame Lösung machbar ist. Technische Fragen wurden geklärt, ein Konzept für die enorme logistische Herausforderung wurde erstellt. So entstand schließlich die „Win-win-Situation“, wie Feuerwehrdezernent Dr. Lothar Barth die Entscheidung nach dem politischen Okay empfindet.

„Ich bin sehr froh, dass wir jetzt den zweiten Bauabschnitt in der Gesamtplanung angehen können“, spricht der Dezernent den Umzug an. Dem kann nämlich die Sanierung des Komplexes an der Stolberger Straße für geschätzte 13,5 Millionen Euro folgen. Jetzt erarbeitet ein eigens eingesetzter Stab der Stadtverwaltung eine neue Infrastruktur, aber auch einen ausgefeilten Umzugsplan, denn die Einsatzfähigkeit muss zu jeder Zeit gewährleistet sein.

Vorbei sind dann die Zustände, die Barth zuletzt auf „Jugendherbergsniveau“ sah. Selbst die Containerlösung auf dem Hammer-Gelände könnte schon eine Verbesserung für die Feuerwehrleute darstellen. Die ist nämlich unvermeidlich. Hammer selbst reizt offensichtlich die ungewöhnliche Herausforderung auf seinem Areal: „Entscheidend ist, dass sich die Fahrzeuge nicht ins Gehege kommen. Deshalb bauen wir eine neue Ein- und Ausfahrt von der Straße Auf der Hüls aus. Per Kamera können die Pförtner der Spedition darauf achten, dass am neuen Tor stets freie Fahrt herrscht. Denn — so betont Barth — es ist ganz entscheidend, dass die maximale 8-Minuten-Frist bis zum Einsatzort gewährleistet bleibt.

Auch ansonsten ergeben sich Synergien zwischen Spedition und Feuerwehr, die die Werkstatt, Waschstraße, Tankstelle und nicht zuletzt die Kantine von Hammer nutzen kann. Denn in den geplanten 80 Containern müssen die Feuerwehrleute, die rund um die Uhr präsent sind, auch regenerieren, Sport treiben und einen sozialen Austausch pflegen können. Positiv ist auch, dass die Pforte auf dem Speditionsgelände 24 Stunden am Tag besetzt ist.

1500 Quadratmeter Halle

Auf einem bislang freien Geländestück haben bereits die Vorarbeiten für die neue, 1500 Quadratmeter große Halle für die Fahrzeuge begonnen, in der möglicherweise auch 300 Quadratmeter Bürofläche Platz finden. Als „das große Geschäft“ sieht Hammer das Übereinkommen zwischen Stadt und seinem Unternehmen nicht. Eine Verwendung für die Halle werde man hinterher schon finden — auch wenn die Feuerwehr eine Halle ohne Rampen, die Spedition aber zwingend eine mit Rampen brauche. Was der Umzug und die anschließende Miete die Stadt kosten, wollte Lothar Barth nicht exakt nennen — es handele sich aber um einen siebenstelligen Betrag.

Parallel laufen bereits seit längerem die Planungen für die Sanierung und zeitgemäße Umgestaltung der Wache an der Stolberger Straße. Erste Ausschreibungen sind bereits erfolgt. Großartig verändert wird das Gebäude in seinem Erscheinungsbild hinterher nicht sein — es wurde im vergangenen Jahr unter Denkmalschutz gestellt, was die Konzeption für den zeitgemäßen Umbau nicht unbedingt einfacher macht.

2017 ist das Wunschdatum für die Fertigstellung. Spätestens dann wird man bei der Spedition Hammer bei aller Sympathie froh sein, die Feuerwehr so selten wir möglich auf dem Gelände zu sehen.

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