Aachen: Die Fans stehen vor einem Berg von Fragen

Aachen: Die Fans stehen vor einem Berg von Fragen

Was bleibt, ist Verunsicherung. Ist die Trainerentlassung richtig? Ist der Zeitpunkt günstig? Wie soll sich die Qualität auf dem Platz verbessern. Am Tag der Entlassung von Alemannia-Trainer Peter Hyballa und „Co” Eric van der Luer gibt es deutlich mehr Fragen als Antworten.

Letztlich kam die Entscheidung doch recht überraschend. „Denn es war erstaunlich ruhig - trotz der schwachen Leistungen”, hat Klaus Offergeld von der IG der Alemannia Fans und Fanklubs registriert.

Was wirklich intern alles passiert ist, kann und will er nicht kommentieren. Letztlich könne das nur Sportdirektor Erik Meijer wirklich beurteilen: „Er war beziehungsweise ist als Spieler, Co-Trainer und Sportdirektor eine Größe bei der Alemannia. Und es spricht für ihn, wenn er eine offensichtliche Fehlentwicklung korrigiert.” Offergeld glaubt aber, dass das gestörte Verhältnis Trainer-Mannschaft als Erklärung nicht ausreicht. Fest steht für ihn aber: „Am Sonntag gegen Fürth hat die Mannschaft kein Alibi mehr.”

„Jetzt muss die Mannschaft etwas zeigen”, fordert auch Wolfram Esser. Er ist einer der Herausgeber des Fanzins „In der Pratsch”, mit dem Herzen nah an der Alemannia dran und doch auf kritischer Distanz. Esser wundert sich über den Zeitpunkt der Entscheidung, denn auch vor dem 0:0 in Paderborn seien die Leistungen schlecht gewesen.

Die Fan-Szene sei erstaunlich ruhig gewesen. Heißt: Er sieht viel eher ein Qualitätsproblem als ein Trainerproblem, denn das Team sei keine Jugendmannschaft mehr. Es fehlten die Typen, Benjamin Auer und Thomas Stehle säßen oft auf der Bank. „Das Ganze ist leidenschaftslos - da ist mir auch ein Peter Hyballa egal.” Es werde allerdings schwer, jetzt noch eine Atmosphäre im Stadion zu schaffen, die etwas bewege. Und wer soll es auf der Trainerbank richten? „Bloß keiner aus der Geisterbahn!”

Eine ganz klare Sicht der Dinge hat Jupp Martinelli, Alemannia-Idol aus den 50er und 60er Jahren. „Total unverständlich” findet er die Entscheidung. Man hätte zumindest bis zum Spiel am Sonntag warten müssen, gegen den Tabellenführer aus Fürth. „Letztes Jahr war alles noch gut. Wie kann denn ein Vertrauensverhältnis innerhalb von zwei Monaten so zerbrechen?” Der frühere Mannschaftskapitän vermutet, dass die „Finanzexperten” im Verein möglicherweise alles durcheinandergebracht hätten.

Kristina Walther hat jedes Spiel live im Fan-Block mitverfolgt und ist nicht so wirklich von der Entlassung überrascht. Nicht weil sie vom Trainer nichts hielte, sondern weil sie die Gesetzmäßigkeiten des Metiers kennt. Die Leiterin des Aachener Fan-Projektes der AWO hat jedenfalls keine Unruhe in der Fanszene ausgemacht.

Etliche SMS hätten ihr dies nochmals bestätigt. Vielleicht sei doch der Einschnitt in die Mannschaft zu groß und die Vorbereitungszeit auf die neue Saison zu kurz gewesen. Und daher fragt sie: „Hätte ein anderer Trainer die Sache wirklich besser gemacht?”

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