1. Lokales
  2. Aachen

Ein sicherer Zufluchtsort: Die Familien halten noch zusammen

Ein sicherer Zufluchtsort : Die Familien halten noch zusammen

Die Erfahrungen des Sozialdienstes katholischer Frauen Aachen in der Corona-Krise: Es herrscht Verunsicherung, aber auch große Hilfsbereitschaft.

„Nein, das Frauenhaus ist noch nicht überbelegt.“ Beim Sozialdienst katholischer Frauen Aachen, dem Träger des Aachener Frauen- und Kinderschutzhauses, ist man im Moment beruhigt über die Auslastung. „Aber das kann sich ändern“, warnt Ursula Braun-Kurzmann, Geschäftsführerin des SkF Aachen.

Während der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen haben sie und ihre Mitarbeiterinnen gerade die Familien mit Kindern, die in engen räumlichen Verhältnissen leben und mit beschränkten Erziehungsfähigkeiten diese Zeit durchstehen müssen, besonders im Blick. „Auch wenn da der Spagat zwischen Hilfeleistung und Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ganz leicht wird“, gesteht die Geschäftsführerin. Nicht alle Beratungen des Allgemeinen Sozialdienstes, beim Nachbarschaftstreff Robert-Koch-Straße und den Frühen Hilfen lassen sich per Telefon oder Mail regeln.

Nicht vor die Tür

Eine große Verunsicherung und teilweise auch Unkenntnis stellen Braun-Kurzmann und ihr Team bei ihren Klienten fest: „Wir sind telefonisch mit allen Müttern aus unserem Projekt ‚Guter Start ins Leben‘ in Kontakt und haben erlebt, dass eine alleinerziehende Frau mit geringen Deutschkenntnissen seit 14 Tagen die Haustür nicht mehr öffnete, aus Angst vor dem Virus, das sonst in ihre Wohnung kommen könnte.“

Im Moment sähen sie noch, dass die Familien sehr zusammenhielten, beschreibt Braun-Kurzmann ihre Erfahrungen. Erleichtert ist man beim SkF über die große Hilfsbereitschaft von Hoteliers, Kureinrichtungen und Besitzern von Ferienwohnungen, die für den Bedarf Wohnraum zur Verfügung stellen. „Bei Engpässen und Isolierungsmaßnahmen brauchen wir die vielleicht“, so die Geschäftsführerin des SkF.

Mögliche Eskalation

Im ständigen Austausch mit den Behörden der Stadt und der Städteregion bereite man sich auf eine mögliche Eskalation vor. Die erprobte Zusammenarbeit bewähre sich in der Krise, stellt Braun-Kurzmann beruhigt fest. Auch dass die Eltern in den Kitas des SkF mit der Notbetreuung verantwortungsvoll umgehen, freut die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Unser Slogan ‚Da sein – Leben helfen‘ bekommt in dieser Zeit ein ganz neues Gewicht“, so empfinden alle es. Denn ob es nun die Betreuer nach dem Betreuungsgesetz, das Team des Pflegekinderdienstes, der Allgemeine Sozialdienst oder die Vormünder für Minderjährige sind, sie alle müssen gerade jetzt für die ihnen anvertrauten Menschen da sein.

Wer sich Sorgen um Frauen und Kinder in seinem Umfeld macht, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, kann sich telefonisch beraten und helfen lassen. „Gewalt ist keine Privatsache“, mahnt Sozialpädagogin Braun-Kurzmann. Es bleibe wichtig, nicht wegzuschauen, solidarische Nachbarschaft zu zeigen und sich Unterstützung zu holen, um angemessen zu handeln.

(red)