Aachen: „Die Euregio liest“: Literatur über Grenzen begreifbar machen

Aachen : „Die Euregio liest“: Literatur über Grenzen begreifbar machen

Ein elternloses jüdisches Mädchen wird von einem SS-Offizier gerettet, der Sohn einer ruandischen Mutter erlebt den Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi hautnah mit, drei Geschwister befinden sich nach dem Verlust der Eltern auf der Suche nach der eigenen Identität.

Diese drei knappen Zusammenfassungen der Romane „Heute leben wir“, „Kleines Land“ und „Vom Ende der Einsamkeit“ lassen erahnen, wie vielfältig die Bücher der diesjährigen Ausgabe von „Die Euregio liest“ sind.

Emmanuelle Pirotte, Gaël Faye und Benedict Wells heißen die Autoren der drei Romane und sie treten an, um bei vielen Lesungen in der Euregio Maas-Rhein Werbung für zeitgenössische Literatur zu machen, aber auch, um den Euregio-Schüler-Literaturpreis 2018 zu gewinnen. „Die beiden Projekte haben einige Schnittmengen“, erklären Dr. Oliver Vogt und Sylvie Schenk vom Verein „EuregioKultur“. Start ist am 23. Januar.

Im Rahmen von „Die Euregio liest“ werden seit 2013 jedes Jahr sechs Romane zeitgenössischer Autoren präsentiert, von denen jeweils zwei deutschsprachig, zwei niederländisch bzw. flämisch und zwei französisch sind. In grenzüberschreitend 42 Bibliotheken und 47 Buchhandlungen werden diese Bücher dann besonders beworben, indem beispielsweise ausgewählte Häuser als Veranstaltungsort für Lesungen der Autoren dienen oder aber spezielle „Die Euregio liest“-Regale aufgestellt werden.

„Ziel ist es, das vermeintliche Hemmnis ‚Sprache‘ zu überwinden und großartige Literatur über die Grenzen hinaus greifbar zu machen“, beschreibt Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek Aachen als eine der mit organisierenden Bibliotheken, den Hintergrund von „Die Euregio liest“.

Unter der Federführung der Bibliothèque Chiroux (Lüttich), dem Medienzentrum der DG (Eupen), dem Centre Céramique (Maastricht) sowie der Stadtbibliothek Aachen in Zusammenarbeit mit der Universität Lüttich, dem Literaturbüro in der EMR und dem EuregioKultur e.V. expandierte man daher die letzten Jahre immer weiter in alle Ecken der Euregio Maas-Rhein.

Neben den bereits angesprochenen Autoren können sich in diesem Jahr auch Emanuel Bergman, Peter Terrin und Bert Wagendorp darüber freuen, die umliegende Region als Schriftsteller besser kennenzulernen und für den Euregio-Schüler-Literaturpreis nominiert zu sein.

Ende Januar finden zwei der vielen Lesungen auch in Aachen statt, wo Emmanuelle Pirotte zusammen mit ihrer Übersetzerin in der Klangbrücke zu Gast ist und Gaël Faye, ebenfalls mit Übersetzerin, in der „Raststätte“ liest. Das letzte Wort haben dann jedoch nicht erfahrene Literaturfans oder angesehene Kritiker, sondern Schüler aus 28 niederländischen, belgischen und deutschen Schulen.

Rund 400 von ihnen werden nämlich beim Jurytag in Lüttich Mitte April Plädoyers für ihre Lieblingsbücher halten und einen Monat später in der zweitgrößten Stadt Belgiens den Sieger des Euregio-Schüler-Literaturpreises 2018 küren.

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