Die ersten Bezirke debattieren über neuen Aachener Flächennutzungsplan

Flächennutzungsplan: Bezirke stemmen sich gegen weitere Gewerbegebiete

Nach jahrelanger Vorarbeit haben am Mittwoch die politischen Beratungen zum Flächennutzungsplan 2030 begonnen. Zum Auftakt machten die Bezirksvertreter in Haaren und Eilendorf schnell deutlich, dass sie auch das nunmehr vorliegende Werk keinesfalls widerspruchslos hinnehmen wollen, wobei sich ihre Kritik insbesondere gegen weitere Gewerbegebiete richtet.

Die Diskussionen in den beiden Bezirksvertretungen dürften einen ersten Vorgeschmack gegeben haben auf das, was in den nächsten Wochen in den anderen fünf Bezirksvertretungen und Anfang April im Planungsausschuss noch folgen wird.

Der Flächennutzungsplan kann als das grundlegende Werk für die künftige Entwicklung der Stadt angesehen werden. Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung, zum Gewerbedarf, zur Verkehrsentwicklung, zum Klimawandel und zum Artenschutz finden unter anderem Eingang, um am Ende festzulegen, welche Flächen wie genutzt werden sollen und können. Schon jetzt ist klar, dass es im Grunde keine Flächen mehr gibt, deren Bebauung als unkritisch angesehen wird. Angesichts der großen Nachfrage nach Wohnbau- und Gewerbeflächen wurden dennoch stadtweit rund 100 Flächen genauer in Augenschein genommen – darunter zehn in Haaren und fünf in Eilendorf, die nun zur Debatte standen.

Ihr Veto haben die Bezirksvertreter insbesondere gegen die Planungen größerer Gewerbeflächen eingelegt – in allen Fällen einstimmig über die Parteigrenzen hinweg. „Wir haben schon viele Gewerbegebiete übernommen und können nun guten Gewissens den anderen Bezirken mehr überlassen“, erklärte süffisant der Haarener SPD-Vetreter Michael Schulz unter Zustimmung der Kollegen von CDU und Grünen. Deutlich bezogen sie damit Position gegen eine mögliche Ausweitung des Gewerbegebiets am Aachener Kreuz in Richtung Haarberg (6,7 Hektar) und eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Bereich der Charlottenburger Allee auf den Feldern zwischen Haaren und Eilendorf (4,6 Hektar). „Nicht erwünscht“, sagte CDU-Sprecher Franz-Josef Kogel. Und Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten (CDU) ergänzte: „Wir sind zugebaut, wir haben nichts mehr zu verkaufen.“

Dies gilt auch für eine kleinere Fläche im Bereich des Nato-Tanklagers am Strangenhäuschen, die die Bezirksvertreter nicht bebauen, sondern „ökologisch aufwerten“ wollen. Keine Probleme haben sie hingegen mit einer gewerblichen Bebauung am Eck von Krefelder Straße und Strangenhäuschen – wobei sie dort einen 40 Meter breiten Grünstreifen entlang der Wurm fordern – und weiteren kleinen Flächen Auf der Hüls, am Weidener Viehweg und an der Alten Würselener Straße.

Einigermaßen wortkarg kanzelten auch die Eilendorfer Bezirksvertreter das Vorhaben ab, das Gewerbegebiet an der Neuenhofstraße im Bereich Fringsbenden um weitere 4,3 Hektar auszuweiten und mehr Gewerbe auch im Bereich Deltourserb, östlich der Autobahn, zuzulassen (4,4 Hektar). Auch hier erfolgte die Ablehnung einstimmig.

Als eher unproblematisch wird hingegen die weitere Bebauung mit einer Mischnutzung im Bereich Deltourserb westlich der Autobahn auf einer Fläche von rund 9,4 Hektar angesehen. Zusätzliche Wohnbebauung halten die Bezirksvertreter zudem an der Herrenbergstraße und am Hahnweg für vertretbar. Einzig die Grünen stimmten gegen die weitere Bebauung am Hahnweg.

In den kommenden beiden Wochen folgen weitere Beratungen in den Bezirken Aachen-Mitte, Kornelimünster/Walheim, Laurensberg, Brand und Richterich. Den vorläufigen Abschluss machen dann die Planungspolitiker mit einer Sondersitzung am 4. April ab 15 Uhr im Alten Ballsaal an der Komphausbadstraße, wobei sich Verwaltung und Politik bereits auf ein größeres Besucherinteresse einstellen. Schließlich haben sich insgesamt mehr als 5000 Menschen – meist kritisch - zum neuen Flächennutzungsplan geäußert. Schon jetzt ist klar, dass der für Aachen prognostizierte Bedarf an weiterer Wohnbaufläche von rund 178 Hektar und von Gewerbefläche von rund 220 Hektar bei weitem nicht mehr auf dem Stadtgebiet gedeckt werden kann.

Bislang wagt noch niemand vorherzusagen, wann der endgültige Beschluss über den neuen Flächennutzungsplan 2030, der dann voraussichtlich wieder mehrere Jahrzehnte lang Gültigkeit haben wird, erfolgen wird.

Mehr von Aachener Zeitung