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Grundschule Kornelimünster: Die „Dorfschule“ kehrt ins Dorf zurück

Grundschule Kornelimünster : Die „Dorfschule“ kehrt ins Dorf zurück

Ein ganzes Schuljahr haben die Kinder der Grundschule Kornelimünster im Hauptschulgebäude an der Malmedyer Straße gelernt. Nun sind alle Flutschäden beseitigt – fast.

Die Inde plätschert an diesem Mittwochmorgen sehr gemächlich durch Kornelimünster, in diesem trockenen Sommer ist sie nur noch ein Rinnsal. Vor gut einem Jahr sah das ganz anders aus. Im Juli 2021 flutete das Flüsschen als reißender Strom die Grundschule am Abteigarten. Die Kellerräume standen damals komplett unter Wasser, im Erdgeschoss suppte die Brühe kniehoch. Umso bemerkenswerter, dass die Grundschulkinder aus Kornelimünster an diesem ersten Schultag nach den Sommerferien ihre Schule tatsächlich wieder in Besitz nehmen können.

Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen macht sich selbst ein Bild davon, was in den vergangenen 13 Monaten gestemmt worden ist, um die Schule wieder bewohnbar zu machen. Mit ein paar Eimern Farbe war es ja bei weitem nicht getan. „Die gesamte Gebäudetechnik im Keller war Schrott“, ruft Klaus Schavan, technischer Geschäftsführer des Gebäudemanagements, vor Ort in Erinnerung. Als die Wassermassen endlich abgeflossen waren, wurden erst einmal die Trockengeräte angeworfen, damit die verschimmelten Räume überhaupt wieder betreten werden konnten.

Bis zum letzten Ferientag ist im Schulgebäude gearbeitet worden, und ganz fertig sind die Handwerker noch nicht. Aber Unterricht kann normal stattfinden, und die 44 Erstklässler können an diesem Donnerstag in einer runderneuerten Schule begrüßt werden. Trotz Material- und Fachkräftemangel, trotz Corona und Ukraine-Krieg habe man die Schule fristgerecht fertigbekommen, sagt Schavan nicht ohne Stolz. Und auch der veranschlagte Kostenrahmen, 1,4 Millionen Euro, wird eingehalten, wie der zuständige Dezernent Heiko Thomas erfreut feststellt. Dieses Geld wird die Stadt aus den Fördertöpfen, die nach der Flutkatastrophe aufgelegt wurden, erstattet bekommen.

Die Turnhalle allerdings wird wohl erst Ende des Jahres fertig werden. 500 Quadratmeter Schwingboden sind längst verlegt, wie Stephan Ganser, Teamleiter für den Bereich Schule im Gebäudemanagement, erläutert. Das Holz für den Prallschutz an den Wänden aber war lange nicht zu bekommen. Solches Birkensperrholz, das besondere Brandschutzauflagen erfüllt, wird nämlich entweder in Finnland oder in Russland gefertigt und in der Ukraine verarbeitet. Jetzt aber laufe die Vergabe für den Auftrag endlich, berichtet Projektleiter Daniel Rummler. Die eine oder andere Firma hat doch noch Holz auf Lager.

 Klaus Schavan, technischer Geschäftsführer des Gebäudemanagements, schaut sich im Keller der Schule um. Auch die Heizungsanlage musste komplett erneuert werden.
Klaus Schavan, technischer Geschäftsführer des Gebäudemanagements, schaut sich im Keller der Schule um. Auch die Heizungsanlage musste komplett erneuert werden. Foto: Andreas Herrmann

An die 200 Grundschulkinder sind ein ganzes Schuljahr mit dem Bus zur Hauptschule Burtscheid gependelt. „Wir mussten vor einem Jahr schnell ausreichend Räume finden, in denen die gesamte KGS Kornelimünster einen vernünftigen Schulbetrieb gewährleisten konnte“, erinnert sich Stefan Fagot, Leiter des städtischen Schulbetriebs. Ein Großteil des Mobiliars und die Unterrichtstechnik waren ebenfalls abgesoffen und mussten neu beschafft werden.

„Die Hauptschule Burtscheid war eine gute Gastgeberin“, stellt die Oberbürgermeisterin rückblickend fest. Jetzt aber können die Kinder wieder in ihrer „Dorfschule“ lernen. „Ich freue mich total“, sagt Schulleiterin Silke Ebel mit einem großen Lachen im Gesicht. Das Wasser hat allerdings auch viel an Material zerstört, und noch nicht alles konnte ersetzt werden. „Damit werden wir noch länger beschäftigt sein“, so Ebel.

Zusätzlicher Hochwasserschutz konnte im Zuge der Sanierung in der Schule nicht installiert werden. Am Gebäude sind keine Veränderungen möglich, stellt Stephan Ganser bedauernd fest. „Auch die Technik muss im Keller bleiben.“

Überlegt wird allerdings, ob bauliche Veränderungen in der direkten Umgebung helfen könnten. Aber würde zum Beispiel eine Mauer der Grundschule tatsächlich Schutz bieten? Oder würde sie das Problem mit dem Wasser an anderer Stelle nur verstärken? Und gäbe es überhaupt Akzeptanz für so ein Bauwerk? Darüber werde noch ausführlich zu reden sein, kündigt Heiko Thomas an.

Stadt, Städteregion und Wasserverband Eifel-Rur planen aber bereits, wie zusätzliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz an den Start zu bringen sind. Wenn künftig Flut droht, sollen nicht beide Flüsse, Inde und Iter, gleichzeitig mit großen Wassermassen im Städtchen ankommen. „Kornelimünster ist extrem schwer zu schützen“, weiß auch der Dezernent. Leider könnte das auch die Grundschule irgendwann erneut zu spüren bekommen.