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Bürgerstiftung Lebensraum Aachen: Die Diskussion über die Zukunft beginnt am heimischen Computer

Bürgerstiftung Lebensraum Aachen : Die Diskussion über die Zukunft beginnt am heimischen Computer

Welche Zukunft stellen wir uns für uns selbst, für unsere Kinder vor? Wie soll unsere Region später einmal aussehen, damit wir weiterhin gerne hier leben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neues Projekt der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen. Der digitale Startschuss für „Aachen 2050“ fällt am Dienstagabend.

Haben die Menschen im Moment Zeit, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht mit der Corona-Pandemie zu tun haben? Ist jetzt der richtige Augenblick, sich mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen? Eine Gruppe von Aachenern sagt: ja, auf jeden Fall! Es sind Richard Schieferdecker, Gerda Köster, Dorothea Ernst und Hans-Joachim Geupel. Sie gehören zum Team der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, das das Projekt „Aachen 2050“ auf den Weg bringen will. Die Initiatoren setzen auf eine große Beteiligung der ganzen Bevölkerung in unserer Region. Am Dienstagabend geht es los – und zwar im Internet (siehe Infobox).

„Viele Fragen und Probleme sind aufgrund der aktuellen, akuten Krise erst einmal in den Hintergrund gerückt, dennoch sind sie da“, sagt der Ingenieur Richard Schieferdecker, dem die Idee zum Projekt als erstes gekommen ist. „Es geht um Themen wie Klimawandel, Stadtentwicklung, Arbeitsmarkt, Mobilität“, zählt er auf. Die Liste sei lang, doch letztlich gehe es doch um eine Frage: „Wie soll die Welt aussehen, in der unsere Kinder und Enkel leben?“

Ähnliche Fragen treiben die Unternehmensberaterinnen Gerda Köster und Dorothea Ernst um. Auch sie waren gleich begeistert von der Projektidee: „Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, erinnere ich mich an viele bunte Blumenwiesen in der Nachbarschaft. Heute setzen einige Leute eher auf regelrechte Schotterwüsten. Bienen und Schmetterlinge? Fehlanzeige. Das ist nicht das, was ich mir für die nächsten Generationen wünsche“, sagt Gerda Köster. Hier könne jeder einzelne in seinem ganz persönlichen Umfeld für eine Veränderung sorgen.

Dass diese Art von Veränderung für einen grundsätzlichen Richtungswechsel nicht reicht, ist den Initiatoren von „Aachen 2050“ durchaus klar. Vom heimischen Vorgarten in die multinationalen Konzerne dieser Welt wendet daher Dorothea Ernst den Blick. Sie hat Erfahrung darin, große Unternehmen in Fragen der Nachhaltigkeit zu beraten – denn Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich keinesfalls gegenseitig aus. „Wir wollen die Frage aufwerfen, wie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ein gutes Leben aussehen müssen“, sagt sie.

Das Team ist überzeugt, dass die Fragen der Zukunft nicht alleine in den Parlamenten beantwortet werden können, sondern dass es einen breiten, gesellschaftlichen Konsens braucht, und die Beteiligung der Bürgerschaft.

Bei der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen hat Richard Schieferdeckers Idee gleich großen Anklang gefunden. „Das Projekt ‚Aachen 2050’ passt sehr gut zu den Zielen unserer Stiftung“, erlärt Hans-Joachim Geupel, langjähriger Vorstand der Stiftung. Der Stiftung gehe es immerhin um bürgerschaftliches Engagement für ein lebenswertes Aachen. Geupel hat sich darum gleich aufgemacht, mit Schieferdecker gemeinsam Klinken zu putzen. Bei wichtigen AKteuren aus Politik, Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche und Verwaltung sei man auf offene Ohren gestoßen. „Wir haben die Rückmeldung bekommen: Das ist wichtig, was ihr da vorhabt. Aber das ist auch ein ganz schön dickes Brett.“

Pusch und Klauss sind mit dabei

Dieses Brett zu bohren, dazu sind die „Aachen 2050“-Initiatoren bereit. Und sie hoffen auf viele, viele weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Zukunft der Region mitgestalten wollen. Der Beginn ist aufgrund der Einschränkungen der Versammlungsfreiheit ein virtueller. „Bei unserer Auftaktkonferenz am Dienstag werden unter anderem Adrian Weiler, Geschäftsführer der Inform GmbH, Jorma Klauss, der Bürgermeister der Gemeinde Roetgen und auch der Landrat des Kreises Heinsberg Stephan Pusch dabei sein“, sagt Hans-Joachim Geupel. Doch nicht nur Funktionsträgerinnen und -träger, sondern wirklich jeder sei bei der Auftaktveranstaltung willkommen.

„Wir sind sehr neugierig, wie das läuft“, ergänzt Gerda Köster, „immerhin hat noch niemand von uns so ein langfristig angelegtes Projekt durchgeführt, und das auf diese Art und Weise.“