Die Bauarbeiten für das Viktoria-Projekt in Aachen schreiten voran

Abbrucharbeiten im Frankenberger Viertel : Die Bagger beißen sich durchs Vegla-Gerippe

Abriss des alten Vegla-Hauses läuft auf Hochtouren

Die Abbrucharbeiten des alten Vegla-Gebäudes im Frankenberger Viertel schreiten voran. Bis Mitte Dezember soll von dem „Aquarium“ nichts mehr zu sehen sein. Bis dahin werden die Bagger noch viele Tonnen Beton und Stahl zerkleinern und sortieren.

Wenn Hitachi zubeißt, dann bleibt von seiner Beute nicht mehr viel übrig: Stück für Stück knabbert sich der 60 Tonnen schwere Bagger an diesem Montagmorgen entlang der Viktoriaallee durch das Gerippe des ehemaligen Vegla-Hauses im Frankenberger Viertel. Ob Stahl oder Beton, die massive Zange arbeitet sich ohne Ermüdungserscheinungen durch die Bauschichten. Es ist ein imposantes Bild, das immer wieder Schaulustige anlockt, die den Fortgang der Arbeiten beobachten und per Smartphone festhalten – dabei gehört besagter Hitachi-Bagger mit einer Ausleger-Länge von 28 Metern nicht mal zu den größten und schwersten Maschinen auf der Baustelle.

Seit September laufen auf dem rund 9000 Quadratmeter großen Areal die Abbrucharbeiten. Fünf Bagger sind im Einsatz, darunter auch ein 100-Tonnen-Schwergewicht, wie Hubertus Neßeler, Geschäftsführer der Nesseler Projektidee in der Nesseler Grünzig Gruppe, im Rahmen eines Vor-Ort-Termins berichtet. Bis Ende dieser Woche sollen die „Zwischenbauten“ dem Boden gleich gemacht werden. Dann geht es den drei verbleibenden Treppenhäusern, die „haupttragenden Elemente“ des alten Bürokomplexes, an den Kragen. „Wir hoffen, dass wir bis Mitte Dezember oberirdisch alles weg haben“, sagt Neßeler.

Bis die ersten Wohnungen bezogen werden, wird trotzdem noch einige Zeit ins Land gehen. Im Frühjahr 2022 könnten die Umzugswagen anrollen, schätzt Neßeler. Wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, versteht sich. Mit denen hatte das Bauunternehmen schon genug zu kämpfen gehabt. Weil deutlich mehr Asbest als vermutet im „Aquarium“, wie die Anwohner den gläsernen Bau getauft haben, gefunden wurde, musste zunächst eine Spezialfirma anrücken. Die Arbeiten verzögerten sich dadurch um mehrere Monate. Geplant ist der Baubeginn nun für kommendes Frühjahr, sagt Neßeler.

Bis dahin werden die Bagger noch tonnenweise Baustoff und Stahl zerkleinern und sortieren. Zwischen 800 und 1000 Tonnen Beton könnten pro Tag schon zusammenkommen, kalkuliert Frank Sauermilch, Projektleiter beim Abrissunternehmen Moß. Dazu kommen noch bis zu vier Container Stahl. Der Großteil wird recycelt.

Nach ein paar Verzögerungen wieder im Zeitplan: Hubertus Neßeler, geschäftsführender Gesellschafter der Nesseler Projektidee, schätzt, dass im Frühjahr 2022 die Wohnungen im Neubau an der Ecke Bismarckstraße / Viktoriaallee bezogen werden können. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dass sich diese Maßnahmen auch auf die Nachbarschaft auswirken, ist den Beteiligten völlig klar. So benennt Frank Sauermilch die Aspekte Lärm, Staub und Erschütterungen als die zentralen Herausforderungen für die Arbeiten im innerstädtischen Bereich. Durch den Einsatz moderner Maschinen versuche man die Lärmbelästigung und die Erschütterungen so gering wie möglich zu halten. Eine zehn mal zehn Meter große Gummimatte, die vertikal entlang der Hausfassade errichtet wurde, soll zudem dafür sorgen, dass Schutt und Geröll ausschließlich hinter dem Bauzaun und nicht auf der Straße landen.

Dass das Interesse an dem, was hinter dem Zaun passiert, im Frankenberger Viertel besonders groß ist, ist Hubertus Neßeler natürlich schon längst aufgefallen. Und zwar überaus positiv. Normalerweise stießen er und seine Mitarbeiter fast ausschließlich auf Gegenwind. In diesem Fall hätten ihm aber mehrere Menschen geschrieben, die den Abbruch des alten Vegla-Gebäudes super fänden. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Wobei es natürlich auch viele Stimmen gab, die das prägnante Bürogebäude mit der Glasfassade gerne noch länger im Viertel gesehen hätten.

Büros wird es auch in Zukunft an der Ecke Viktoriaallee/Bismarckstraße geben. Und noch mehr. Das Viktoria-Projekt, das jüngst an das Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest verkauft wurde, sieht eine Mischung aus Einzelhandel, Büroflächen und Wohnungen vor. Die Büros seien bereits komplett vermietet, sagt Neßeler, auch ein Großteil der Einzelhandelsflächen sei vergriffen.

Von oben nach unten „knabbert“ sich der Bagger durch das alte „Aquarium“ im Frankenberger Viertel. Ende dieser Woche sollen die Zwischenbauten dem Boden gleich gemacht sein. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auf einer Gesamtwohnfläche von 10.800 Quadratmetern sollen insgesamt 200 Mietwohnungen, davon 28 öffentlich gefördert, entstehen. Auch einen Kindergarten wird es geben. Spätestens dann wird auf dem seit Jahren stillgelegten Areal wieder viel Leben einkehren – nur eben ohne den „knabbernden“ Hitachi.