Aachen/Raeren: Die alte Grenzlinie wird zum neuen Mittelpunkt

Aachen/Raeren: Die alte Grenzlinie wird zum neuen Mittelpunkt

Mancher fühlt sich dieser Tage am alten Grenzübergang Köpfchen womöglich an die (gar nicht so gute) alte Ära der Schlagbäume erinnert. Auf der Eupener Straße staut sich dort das Blech auf deutscher wie auf belgischer Seite, als wären die Passkontrollen wieder eingeführt worden.

Dabei ist sozusagen das Gegenteil der Fall. Nicht Zollbeamte, sondern Bauarbeiter führen derzeit Regie zwischen den ehemaligen Kontrollhäuschen. Aus dem ehemaligen Niemandsland zwischen den Staaten ist Neuland geworden - in jedem Sinne. Mitten drin: Aachens Baudezernentin Gisela Nacken, Raerens Bürgermeister Hans-Dieter Laschet und Isabelle Weykmans, Kultur- und Tourismusministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DSG).

Nicht ohne Stolz verkündete die bilaterale Troika vor Ort, dass das Millionenprojekt zur Umgestaltung des Areals rund um die heutige Aktionszentrale der Initiative Kukuk (Kunst und Kultur in Köpfchen) in großen Schritten voranschreitet. Ab März kommenden Jahres soll sich die Eupener Straße zwischen den ehemaligen Zollhäuschen nicht nur staufrei, sondern vor allem viel attraktiver und sicherer präsentieren, wie Laschet nach einem kleinen Rückblick auf die nicht gerade unkomplizierte Vorgeschichte in Sachen grenzüberschreitende Bürokratie darlegte.

So soll die Fahrbahn sich wie ein „Teppich” über die ehemalige Grenzlinie erstrecken und damit den Abschied von nationalstaatlicher Eigenbrötlerei auch baulich spiegeln. Für Fußgänger wird ein drei bis fünf Meter breiter „Steg” installiert. Bei Festivitäten aller Art kann auch die Fahrbahn zudem im Handumdrehen in einen kleinen Platz inklusive mobiler Überdachung verwandelt werden, wie Stefan Büttgen, Projektleiter beim ausführenden Planungsbüro Berg & Partner, erläuterte.

Denn auch die „Kukuk”-Künstler, die bereits mit der „Grenzkunstroute Übergriffe” eine Vielzahl von Interessierten für das landschaftlich und kulturhistorisch einmalige Areal begeistert haben, wollen noch viele dicke Bretter bohren. Zudem soll die geschützte Natur rundum weiter zur attraktiven Schnittstelle im regionalen Rad- und Wanderwegenetz ausgebaut werden.

„Die gemeinsame Geschichte beider Grenzregionen wird hier in ganz besonderer Weise spürbar gemacht”, lobte Ministerin Weykmans die vielfältigen Aspekte der grundlegenden Aufwertung.

Nicht ohne hervorzuheben, dass das Projekt eben nur durch reichlich Pionierarbeit in Sachen Finanzierung möglich gemacht wurde. Insgesamt 1,41 Millionen Euro werden und wurden für die Neugestaltung des Areals aufgewendet. Davon fließt knapp über eine Million aus Fördertöpfen der EU, des Landes NRW und der DSG. Für die kulturellen „Grenzrouten” wenden Land, EU, DSG und die beiden beteiligten Kommunen im Ganzen 715.000 Euro auf. Vieles ist bereits umgesetzt, in Kürze sollen nun auch die alten Holzbaracken im Grenzbereich durch hochwertige Gebäude ersetzt werden - damit noch mehr Kultur statt Kontrollen die Zukunft in Köpfchen prägt.

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