Diabetes bei Jugendlichen in Aachen wirksam behandeln

Trotz Handicaps sorgenfrei und lange leben

Am Uniklinikum Aachen gibt es ein erfolgreiches Projekt gegen Diabetes bei jungen Menschen. Hier ist auch der Bunte Kreis involviert, der sich um Familien kranker Kinder kümmert. Dank einer Spende des Lions Club Aachen Kaiserpfalz wird die Arbeit erleichtert.

Aufgeregt berichtet Martin Speicher über die Erfahrungen, die seine jugendliche Tochter aufgrund ihrer Diabeteserkrankung in der Schule machen musste. „Ihr wurde das Blutzucker-Messgerät im Unterricht abgenommen, in der Annahme, es handle sich um ein Handy. Außerdem bekam sie schlechtere Noten in Sport mit der Begründung, sie beteilige sich zu wenig. Auch hier war natürlich ihre Erkrankung schuld“, fasst er die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für Patienten mit Diabetes mellitus zusammen. Diese Vorkommnisse dürften für den Geschäftsführer des Lions Club Aachen Kaiserpfalz Hilfswerk mit Grund gewesen sein, um aktiv etwas an der alltäglichen Situationen der Erkrankten zu ändern.

Projekt „Alles klar“

Jetzt fand deshalb in Laurensberg die Spendenübergabe von 2500 Euro des Hilfswerkes an den Bunten Kreis der Region Aachen statt. der rief 2014 ein Projekt ins Leben, das sich speziell an Familien mit unter Diabetes leidenden Kindern richtet. Das unter dem Titel „Alles klar!“ laufende niederschwellige Angebot beinhaltet die Begleitung der betroffenen Familien nach dem Krankenhausaufenthalt zu Hause, außerdem konkrete, individuelle und praktische Hilfe beim Umgang mit der Krankheit. Das Ziel ist, die erkrankten Kinder vollständig in ihr Umfeld zu integrieren und ihnen ein normales Leben zu ermöglichen. Dies gelingt unter anderem durch enge Zusammenarbeit mit der Diabetologie der Kinderklinik des Uniklinikums Aachen.

Aufgrund bis dato fehlender Unterstützung von Krankenkassen ist das Projekt auf jede Spende angewiesen.

Der Lions Club zeichnete sich bereits in der Vergangenheit durch informative und finanzielle Hilfe für Diabetes-Patienten aus und war auch in diesem Fall einer der ersten Unterstützenden. „Für uns ist vor allem der Aspekt der Hilfe zu Selbsthilfe, den dieses Projekt fördert, attraktiv, zudem spielt die Nachhaltigkeit eine große Rolle, da hier durch die Hilfsmaßnahmen dieses Projektes ein für die Patienten gutes Leben für einen Zeitraum von mindestens 60 Jahren geebnet wird“, begründet Prof. Dr. Carsten Krones, Präsident des Aachener Lions Clubs, die Spende. Seit diesem Jahr setzt sich der LionsClub international mit dem Themazunehmend auseinander.

31000 Betroffene

In Deutschland sind derzeit ca. 31000 Menschen unter 19 Jahren von Diabetes Typ I betroffen. Besonders bei Kindern unter fünf Jahren nimmt die Zahl stark zu. „Sobald ein Kind an Diabetes erkrankt, müssen die Eltern sowohl dieRolle der Erziehungsberechtigten, als auch der Therapeuten einnehmen“, erklärt Dr. Angeliki Pappas von der Diabetologie der UK Aachen. Besonders der Zeitraum unmittelbar nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sei besonders wichtig. Durch praktische Unterstützung der Eltern und Patienten sowie Schulungsmaßnahmen für Angehörige, Sportvereine, Schulen oder Kindergärten soll die optimale Einbindung der Krankheit im Alltag des Kindes gewährleistet werden. „Vor Gründung dieses Projektes war die Unruhe und Sorge der Eltern und auch Patienten, keine Akzeptanzfür die Krankheit zu finden, äußerst spürbar. Daher haben wir nach einer Idee gesucht, die Familien zu begleitenund ihnen Schwierigkeiten und Ängste zu nehmen“, erläutert Dr. Luzie Haferkorn die Entstehung des Projekts.

Monika Janssen, Geschäftsführerin des Bunten Kreises, fügt hinzu: „Nach der Kontaktsuche zu Kliniken und Spendenorganisationen konnten wir schnell damit beginnen, etwas für die Patienten zu tun.“ Seit Beginndes Angebots ist die Nachfrage nach Hilfe in den Familien besondershoch. „Konkret erstellen wir beispielsweise Pläne für Notsituationen, die in Verbindung mit der Krankheit auftreten können, errechnen den Kohlenhydratbedarf des Patienten und unterstützen ihn im Sportverein oder in derSchule. Wir wollen der Gesellschaft vor Augen führen, dass ein normales Leben mit Diabetesmöglich ist“, beschreibt Sarah Raak vom Bunten Kreis die Vorgehensweise. Der große Wunsch des Bunten Kreises besteht darin, dem Projekt in absehbarer Zeit festen finanziellen Boden unter den Füßen zu verleihen. „Zumindest einen Teilder Kosten muss künftig auch die Krankenkasse übernehmen. Spenden sind zwar schön, jedoch sollten Krankenkassenbei Diabeteserkrankungen zurStelle sein“, fordert Dr. Luzie Haferkorn. Erste Gesprächemit Krankenkassen gab esbereits, bisher jedoch mitmäßigem Erfolg.