DGB Aachen zeigt Ausstellung über Zwangsarbeit in der Region 

Wanderausstellung : Von Arbeitslagern und vom Vergessen

„Stalag VI H“ nannten die Nationalsozialisten das Zwangsarbeiterlager während des Krieges in Arnoldsweiler bei Düren. Die brutal schlichte Bezeichnung war in jenem üblichen menschenverachtenden, technokratischen Vernichtungs-Deutsch formuliert. Das Lager war ständig belegt mit 500 bis 800 Kriegsgefangenen aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion.

Sie waren geschunden worden als Zwangsarbeiter in den Fabriken und auf den Feldern in Düren und dem Umland, insgesamt 10.000 sollen durch die 30 Baracken in Arnoldweiler geschleust worden sein, 1500 von ihnen wurden in namenlosen Gräbern bestattet.

Doch keiner könnte ernsthaft behaupten, dass Arnoldsweiler bei Düren ein Einzelfall gewesen wäre. Genauso gab es während der Nazi-Kriegswirtschaft in Aachen und in den Gemeinden der Region ähnlich furchtbare Zwangslager. Eine Liste des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Aachen, veröffentlicht vor knapp 20 Jahren, klärte erstmals über jene Betriebe auf, in denen die Zwangsarbeiter schwerste Arbeit bei völlig unzureichender Ernährung ableisten mussten. Viele überlebten das nicht.

Jetzt hat der DGB im Vorfeld des Antikriegstages am 1. September – der Tag soll an den Überfall der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 erinnern – mit Vertretern aus der Ortsgruppe der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) in Merzenich  eine Ausstellung mit dem Titel „Gegen das Vergessen“ vorbereitet.

Der Aachener DGB-Vorsitzende Ralf Woelk, der Dürener Vorsitzende Ludger Bentlage und der Ausstellungsinitiator Ulli Titz als Vertreter der örtlichen IG BCE eröffneten die Rückschau auf die Verbrechen in den Lagern, die oft vergessen werden. Es handelte sich zwar nicht um Vernichtungslager wie Auschwitz, dennoch wurden die Inhaftierten gequält, viele verloren ihr Leben.

„Nie wieder Krieg und Kriegsverbrechen“, forderten deswegen Woelk und Bentlage gleichermaßen bei der Ausstellungseröffnung im Aachener DGB-Haus an der Dennewartstraße. Die Präsentation „Stalag VI H“-Arnoldsweiler ist eine Wanderausstellung, in der eine Vielzahl historischer Dokumente und Fotos aus dieser Zeit, aber auch aus der Gegenwart zu sehen sind.

Erfahrungen in der Gemeinde Merzenich

Ulli Titz berichtete von den Erfahrungen mit dem Thema in der Gemeinde Merzenich. Die Menschen hätten oftmals nichts von dem gewusst, was die Ausstellung zeigt. „Ich habe mit Bürgern gesprochen, die auf dem ehemaligen Gräberfeld gebaut haben, sie wussten das einfach nicht.“ Denn in den 1960er Jahren wurde die rund 1500 Toten von der Merzenicher Heide umgebettet auf den Kriegsgefangenen- und Soldatenfriedhof bei Simmerath-Rurberg in der Eifel.

„Wir müssen uns jetzt wieder jeden Tag neu gegen Krieg, Rassismus und völkisches Gedankengut stemmen“, forderte Titz angesichts aktueller politischer Entwicklungen und zitierte wie auch Ludger Bentlage das Gedicht „Gegen das Vergessen“ des Gewerkschafters und Antifaschisten Karl Retzler. „Nein, du trägst keine Schuld daran, was deine Eltern, Großeltern, Verwandten und Bekannten getan haben. Doch du machst dich mitschuldig, wenn es wieder passiert!“

Aus diesem Grund veranstaltet der DGB im Vorfeld des Antikriegstages am kommenden Sonntag unter dem Titel „Krieg und Frieden“ einen Poetry Slam zum Antikriegsthema. „Wir haben die Spitzen der Wortartisten eingeladen“, versicherte Ralf Woelk. Für die Wortschlacht gegen den Krieg hat der DGB die „JuKi“, die Jugendkirche in der Zollernstraße (ehemals Dreifaltigkeitskirche), angemietet. Dort geht es am Samstagabend (31. August) ab 19 Uhr los mit den Worten gegen die Waffen.

Die Wanderausstellung „Gegen das Vergessen“ über das Arbeitslager bei Düren-Arnoldsweiler ist noch bis Freitag, 13. September, im DGB-Haus in der Dennewartstraße in Aachen zu sehen. Die Öffnungszeiten entsprechen den Geschäftszeiten des DGB, und die sind montags bis donnerstags von 9-16.30 Uhr, freitags von 9-14 Uhr.