Aachen: „Deutschland liest”: Denis Scheck nimmt kein Blatt vor den Mund

Aachen: „Deutschland liest”: Denis Scheck nimmt kein Blatt vor den Mund

Das Schlechte vorneweg: Dan Browns neuster Thriller „Das verlorene Symbol”? „Absoluter Mist!” Der brandaktuelle Ratgeber „Schlank im Schlaf”? „Ja, was glauben Sie denn? Dass man nüchtern wird durch noch mehr saufen?” Keine Frage, Denis Scheck spricht die Dinge, die ihm (nicht) passen, direkt und ungeschminkt an.

Gut so, möchte man meinen und vermutlich ist das ein Grund, warum so viele Menschen zuhören, wenn der Literaturkritiker und Kulturjournalist, vor allem bekannt aus seinem ARD-Fernsehmagazin „druckfrisch”, spricht und knallhart rezensiert. Da bleibt - bei aller Ernsthaftigkeit - kaum ein Auge trocken.

So wie in der Stadtbibliothek, als Scheck anlässlich der bundesweiten Aktion „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek” rund 250 Zuhörer durch den Dschungel der bundesweiten Neuerscheinungen des Bücherherbstes führt - und dabei mit beißender Kritik keineswegs spart. „Kaufen Sie sich bloß keine Sachbücher”, wirft er ins Publikum. „Die halten Sie für dumm und naiv und erzählen Ihnen einen vom Pferd.”

Wie Lassie von Kafka

Doch gibt es bei Weitem nicht nur literarische „Katastrophen” zu bestaunen, auch „fantastisch geschriebene und wunderbar lesbare Kunstwerke” wie Kerstin Ekmarz „Hundeherz” („Ein Buch, als wenn Franz Kafka „Lassie” geschrieben hätte”) oder „sämtliche Romane von David Foster Wallace seien immer ein Genuss und der Erwerb auf jeden Fall lohnenswert. Für Rüdiger Safranski kennt die Begeisterung des 46-jährigen Stuttgarters erst Recht keine Grenzen mehr: Den Schriftsteller und Philosophen lobt Scheck als „Grandmaster Flash der deutschen Ideengeschichte”.

Der Literaturkritiker ist nur ein Highlight der Aachener Version von „Deutschland liest”. Ein anderes ohne Zweifel Heribert Leuchter, Stefan Kremer und Gero Körner. Bekannt sind die drei Musiker als Jazz-Ensemble „Heribert Leuchter Trio”. Mit Saxophon, Schlagzeug und natürlich der legendären Hammond B3-Orgel aus den 1920er Jahren stimmt das Trio die Gäste mit einer perfekten Balance zwischen entspannt swingenden Kompositionen und mitreißenden Soli auf einen langen und unterhaltsamen Abend in der Stadtbibliothek ein. Quasi als swingendes „Warm up” für die schonungslosen Analysen von Denis Scheck.

Sich selbst übertroffen

Es passt zu dessen unterhaltsamer Kritik, dass für ihn das beste literarische Werk unter den rund 34.000 Neuerscheinungen des Herbstes ausgerechnet eine CD ist: Herta Müllers „Die Nacht ist aus Tinte gemacht”, womit die Literaturnobelpreisträgerin sich „wirklich selbst übertroffen” hätte. „Da brauchen Sie gar nicht so zu staunen”, sagt Scheck.

Stimmt, wo steht denn überhaupt geschrieben, dass Literatur nur mit Büchern zu tun hat? Dieses Vorurteil haben zumindest Denis Scheck und das Heribert Leuchter Trio gekonnt widerlegt.