Deutscher Gewerkschaftsbund erinnert in Aachen an Kriegsverbrechen

Poetry Slam mit ernstem Hintergrund : Texte, die unter die Haut gehen

„Meine Seele ist still geworden, weil mein Herz den Rhythmus von hier noch nicht kennt“, sagte die Poetry-Slammerin Sarah Kersting (Euskirchen) mit klarer Stimme. Sie war die erste, die vor das Publikum in der Jugendkirche an der Zollernstraße trat und ihre Texte rezitierte. Die Flucht ist ihr Thema, und die Verzweiflung wurde spürbar, als sie in die Rolle eines Flüchtlings schlüpfte und sagte: „Ich will zurück, aber es geht nicht.“

Mit einem „Schlagabtausch der Poeten“ erinnerte der DGB Aachen an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren. „Und das ist eine ganz neue Form, um diesen jährlichen ‚Antikriegstag‘ zu begehen“, meint Ralf Woelk, DGB-Chef für den Raum Aachen. Bislang organisierte die Gewerkschaft Kundgebungen und Demonstrationen, um die Grauen des Krieges in Erinnerung zu halten, doch diesmal wollten sie etwas bieten, was vor allem junge Leute ansprechen sollte. Die Resonanz auf den Poetry Slam blieb zwar verhalten, aber eine Reihe von zum Teil durchaus älteren Gästen hörte aufmerksam auf das, was die jungen Poeten zu erzählen hatten. Deren Herangehensweise an das Thema war dabei sehr unterschiedlich.

Während Florian Stein (Bochum) über eine epische Auseinandersetzung von Birnen und Äpfel sinnierte und schließlich zu dem Schluss kam: „Das, was wirklich zählt, sitzt unter der Schale“, setzte sich Alexander Bach (Köln) ganz konkret mit Gedenkstätten des Krieges und deren Besuch auseinander: Er erzählte von Soldatenfriedhöfen mit Tausenden von weißen Kreuzen und von Schützengräben, die seiner Meinung nach immer daran erinnern werden, was sie einst waren.

Junge Menschen machen sich Gedanken

Die jungen Slammer haben sich ihre Gedanken gemacht und Oscar Malinowski, selbst bekannter Slammer, kündigte einen nach dem anderen mit viel Nachdruck an. Tobias Beitzel (Bad Berleburg) nutzte das Forum, um eine Lanze für Europa zu brechen. „70 Jahre Europa und Frieden auf dem mitteleuropäischen Kontinent darf man nicht leichtfertig auf Spiel setzen“, meinte er und warnte: „Denn wenn der europäische Boden neue Gräber kriegt, dann merkt ihr, was ihr habt verloren.“ Und Malte Küppers (Duisburg) stellte in humoristischer Manier die vegetarische Ernährung in den Mittelpunkt und verdeutlichte so unter anderem die Kluft im Denken zwischen Alt und Jung.

Bärbel Ehlert sorgte mit ihrer Band Da Musica für die musikalische Untermalung des Abends und stimmte das Publikum gleichzeitig auf die Verleihung des Aachener Friedenspreises am nächsten Tag ein. Denn auch dort spielten die Musiker. Mit Stücken wie etwa einem persischen Liebeslied und einem jüdischen Hochzeitswalzer brachte Da Musica Vielfalt in die Runde.

Ausstellung bis Mitte September

Der DGB erinnert seinerseits auch mit einer Ausstellung „Gegen das Vergessen“ an den Kriegsbeginn. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gefangenenlager in Arnoldsweiler bei Düren. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September im DGB-Haus, Dennewartstraße 17, zu sehen.

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