Aachen: „Deutliches Interresse“ an Erweiterung des Parkhauses

Aachen: „Deutliches Interresse“ an Erweiterung des Parkhauses

Wenn in ein gewachsenes Innenstadtquartier 100, 150 oder vielleicht sogar 200 neue Wohnungen hineingebaut werden, produziert das nicht nur mehr Verkehr, sondern auch höheren Parkdruck. Und noch komplizierter wird das Ganze, wenn zu diesem Quartier auch noch ein boomendes Krankenhaus mit rund 1500 Mitarbeitern gehört, das schon seit geraumer Zeit eine akute Parkplatznot beklagt.

Genau so ist die Situation zwischen Boxgraben, Südstraße, Reumontstraße und Mariabrunn-straße, wo im riesigen Blockinnenbereich nur ein paar Steinwürfe vom Luisenhospital entfernt das große Wohnprojekt Luisenhöfe entstehen soll. Etliche Anwohner, die sich in einer Bürgerinitiative organisiert haben, fürchten deshalb, dass sich ihre Wohnsituation verschlechtert. Insbesondere lehnen sie eine im Zusammenhang mit dem Wohnprojekt erwogene Erweiterung des Parkhauses an der Mariabrunnstraße/Weberstraße, das manche von ihnen ohnehin als Schandfleck empfinden, kategorisch ab.

Allerdings spricht einiges dafür, dass ein Ausbau der Parkpaletten eine durchaus realistische Option ist. Zwar ist in der gerade veröffentlichten Auslobung für den städtebaulichen Wettbewerb zu den Luisenhöfen von einem „innovativen Mobilitätskonzept“ die Rede, zu dem beispielsweise ein „quartierseigener Fahrzeugpool an Pkw und E-Bikes“ in Kombination mit der im Viertel ausgesprochen guten ÖPNV-Anbindung gehören kann.

Aber die Planer sollen auch ausdrücklich „lärmverträgliche Erweiterungsoptionen für das bestehende Parkhaus“ berücksichtigen. Schließlich muss pro 100 Quadratmeter Bruttogrundfläche grundsätzlich ein Parkplatz eingeplant werden — was bei einer Vorgabe von 21.000 Quadratmetern auf 210 Stellplätze hinausläuft. Zwar kann diese Zahl beispielsweise noch durch die Schaffung von Carsharingplätzen reduziert werden, doch erscheint vor diesem Hintergrund realistisch, wenn die Bürgerinitiative befürchtet, das heute 355 Stellplätze bietende Haus solle um mindestens 160 erweitert werden.

Daran hätte auch das benachbarte Luisenhospital ein „deutliches Interesse“, wie Thomas Siebers, der Leiter der Bauabteilung der Klinik, auf Anfrage erklärt. Und während man beim Bauherren, der Luisenhöfe GmbH, eher zurückhaltend auf das Thema Parkhaus reagiert, lediglich Gespräche mit dem Krankenhaus bestätigt und auf den jetzt anlaufenden Wettbewerb verweist, geht man die Sache im Luisenhospital offener an. Wobei Klinikvorstand Marco Plum betont, dass dies auch für die Gespräche mit den besorgten Nachbarn gelte. Man sei „proaktiv und frühzeitig mit der Bürgerinitiative in den Dialog getreten“ und habe den eigenen Bedarf offen und transparent dargestellt — „gerade und ganz besonders im Hinblick auf die Parkplatz-Situation“. Und dieser Bedarf ist groß: Siebers verweist auf starkes Patientenwachstum, auf die Praxen im Ärztehaus, auf die rund 1500 eigenen Beschäftigten.

Zwar nutzten von diesen über 400 das Jobticket, doch könnten nicht alle auf den ÖPNV umsteigen, sagt der Leiter der Bauabteilung: „Denken sie nur an die Pflegekraft, die frühmorgens ihre Tätigkeit beginnt, davor das Kind in die Kita bringen und nach Dienstschluss wieder abholen muss.“ Und auch wenn man seit einiger Zeit an alternativen Konzepten etwa in Sachen E-Mobilität arbeite, benötige man für Patienten wie Mitarbeiter mehr Parkraum — und das idealerweise in dem Parkhaus, vor dem es sich heute so oft staue.

Tiefgarage auf Klinikgelände?

In Gesprächen mit der Luisenhöfe GmbH sei daher die Idee aufgekommen, den dort für die Wohnbebauung notwendigen Parkraum „intelligent mit unserem Bedarf zu kombinieren“ — schließlich benötigten die Anwohner die Parkplätze eher abends und nachts, die Klinik eher tagsüber. „Ein gemeinsames Konzept mit den Luisenhöfen bietet unserer Auffassung nach die Chance, Synergieeffekte zu nutzen, den Parksuchverkehr zu minimieren und durch die zeitlich optimierte Nutzung einen geringeren Flächenverbrauch zu erzeugen“, sagt Siebers.

Allerdings setze man in Sachen Parken nicht nur auf diese eine Karte. Man sondiere derzeit auch, ob man weiteren Parkraum in Form einer Tiefgarage auf dem eigenen Gelände schaffen könne, so Siebers: „Eine Realisierung ist derzeit aber noch völlig offen.“

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