Aachen: Der Wilde Westen in der Aachener Soers

Aachen: Der Wilde Westen in der Aachener Soers

Gemächlich trotten die Pferde mit ihren Reitern über den sandigen Untergrund. Man könnte meinen, die Szene spiele sich im Mittleren West der USA ab. Denn die Reiter tragen Cowboyhüte, Lederstiefel und Chaps, jene Lederhosen mit Fransen an der Seite, die über die Jeans gezogen werden.

Pferde und Reiter strahlen Ruhe aus und bieten ein Bild, das sich einprägt. Der unwissende Zuschauer erkennt hier vielleicht keinen Sport, und doch ist es einer.

Westernreiten heißt dieser Sport, mit dem Frank Hansen vor etwa sechs Jahren näher in Kontakt kam. Seitdem lässt er ihn nicht mehr los, ist zu Leidenschaft und Lebensgefühl geworden. Hansen arbeitet als Pressereferent für die Deutsche Quarter Horse Association e.V. (DQHA) und ist nie weit entfernt vom Geschehen bei den „Q11”, einem großen Westernreitturnier, das zurzeit in der Soers stattfindet.

Auch Hansen trägt Cowboyhut und hat sich unter die Zuschauer am Reitgelände gemischt. Seine Begeisterung teilt er gerne und erklärt, worauf es bei dem Wettbewerb ankommt. „Western Pleasure” heißt die Disziplin, und der Name ist Programm. Was nach einem freizeitlichen Ausritt aussieht, ist die Demonstration von funktionierender Kommunikation und großer Harmonie zwischen Mensch und Tier. Flüssig sind die Bewegungen, weich der Rhythmus. Jahrelange harte Arbeit der Reiter ist vorausgegangen. Es komme darauf an, dass Pferd und Reiter aus einem Guss seien, sagt Hansen. Es sei die natürliche Art des Reitens, auf die die Punktrichter achten.

Insgesamt gibt es beim Westernreiten 20 Disziplinen, bei den „Q11” werden davon 13 ausgetragen. Immer ist dabei zu erkennen, dass der Sport seinen Ursprung im Leben auf der Ranch hat. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts fanden offizielle Wettbewerbe in den USA statt. In Deutschland erstmals in den 70er Jahren. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs die Zahl der Disziplinen, die inspiriert sind von der täglichen Arbeit. Sie stehen dann auch immer im Vordergrund, die Quarter Horses, die relativ klein und kompakt von Statur sind.

Wendigkeit, Kraft und ein ruhiges Gemüt machten die Pferde dieser Rasse zu echten Allroundern, sagt Hansen. Diese Vielseitigkeit kommt vor allem beim Reining zur Geltung, der wahrscheinlich spektakulärsten Disziplin beim Westernreiten. Der Wettbewerb wird komplett im Galopp ausgetragen. Schnelle Kehrtwenden müssen Pferd und Reiter vollführen, Sprints einlegen oder aus vollem Lauf schlagartig zum Stehen kommen. Das Publikum geht bei dem Spektakel emotional mit, gelungene Manöver werden von Klatschen und Rufen begleitet. Es sei auch diese lockere Atmosphäre, die den Sport so besonders mache, erklärt Hansen.

Früher war er selbst im traditionellen Englischen Reiten aktiv und schaut sich auch weiterhin Turniere an. Den natürlichen Umgang mit Pferden und die richtig große Freude am Sport hat er aber im Westernreiten gefunden. Die Popularität wachse vor allem unter jungen Leuten weiter.

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