Aachen: Der Telenotarzt nimmt jetzt volle Fahrt auf

Aachen: Der Telenotarzt nimmt jetzt volle Fahrt auf

Die Experten sprechen von einem Quantensprung in der Notfallversorgung, einem innovativen Meilenstein für den Rettungsdienst; Dr. Lothar Barth, als städtischer Beigeordneter zuständig für die Feuerwehr, nennt die neuen Möglichkeiten schlicht und ergreifend „einen Segen“, der seinesgleichen bislang suche.

Seit Anfang April sind die ersten vier Rettungswagen mit sogenannter Telenotarzt-Technologie bereits erfolgreich in der Stadt Aachen unterwegs. Und in der Tat erhält mit ihnen der Begriff der Ferndiagnose — und -therapie — einen geradezu revolutionären neuen Stellenwert.

Denn bislang hat längst nicht jeder RTW, der in der Regel über die „112“ alarmiert wird, angesichts der Fülle der Einsätze auch einen Notarzt an Bord — auch wenn rund um die Uhr zwei Mediziner in Bereitschaft sind. Nach wie vor muss also unmittelbar in der Leitstelle an der Stolberger Straße entschieden werden, ob etwa eine akut lebensbedrohliche Situation vorliegt. „Durch das neue telemedizinische System sind wir jetzt aber in der Lage, entscheidende Daten wie Blutdruck, EKG-Werte und Sauerstoffgehalt im Blut in Echtzeit an die eigens ausgebildeten Experten in der Leitstelle zu übermitteln“, erläutern Dr. Michael Czaplik und Michael Tobias von der „P3 telehealthcare GmbH“, die das zukunftsweisende Kommunikationssystem für Feuerwehr und sämtliche Rettungsdienste in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Rolf Rossaint, Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Uniklinikum Aachen, federführend entwickelt haben. Nach rund zehnjähriger Detailforschung werden nun immer mehr Notärzte und Rettungsassistenten eigens für die neue Technologie qualifiziert, berichtet Roissant. „Selbstverständlich fahren im Zweifelsfall aber weiter Notärzte mit an den Einsatzort“, unterstreicht Feuerwehr-Chef Jürgen Wolff.

Gleichwohl biete die Adhoc-Behandlung per Bildschirm und Mobilfunknetz enorme Qualitätsstandards. Ebenso wie optimale Versorgung seien Datenschutz und rechtssichere Beratung der Rettungsassistenten durch die Mediziner gewährleistet. Und nicht zuletzt die Finanzierung: Pro Jahr schlägt der Service mit einem Millionenbetrag zu Buche, der von den Krankenkassen übernommen wird, betont Barth.

Bis zum Jahresende sollen so zunächst acht Einsatzwagen mit der neuen Technologie in Aachen rollen, berichtet Wolff. Schrittweise sollen über 300 Rettungsassistenten für den Einsatz des Systems geschult werden. Denn mindestens acht Minuten benötigen die Helfer in der Regel bis zum Einsatzort, die Zahl der Rettungsfahrt wächst per anno um immerhin knapp vier Prozent, wissen die Experten — Tendenz nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung steigend. Rossaint: „Wir sind überzeugt, dass diese telematische Anbindung der Patienten als wichtige Ergänzung zur Notfallbehandlung in ein paar Jahren mindestens bundesweit Routine sein wird.“