Der Städtetourismus boomt: Mehr Ankünfte und Übernachtungen in Aachen

Übernachtungszahlen steigen : Aachen liegt weiter voll im Trend

Die Franzosen tun den Aachener Hoteliers gut: Nachdem sie vor zwei Jahren ihre Tour de France durch die Stadt geschickt und dabei auch Dom und Rathaus telegen in Szene gesetzt hatten, entsandten sie in diesem Jahr frühzeitig ihren Präsidenten Emmanuel Macron, der an historischer Stätte den Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag unterzeichnete. Die Folgen für den Tourismus lassen sich an der aktuellen Übernachtungsstatistik ablesen.

„Aachen war in diesem Jahr medial bereits sehr präsent“, blickt Katrin Hissel, Vorstand des aachen tourist service (ats), beglückt auf die Unterzeichnung des sogenannten Aachen-Vertrags im Januar zurück. „Das hat natürlich zahlreiche nationale und internationale Gäste nach Aachen geholt.“ Tatsächlich könne man der Übernachtungsstatistik entnehmen, dass in den Folgemonaten besonders viele französische Gäste nach Aachen gekommen sind. „Das ist schon im März ablesbar“, sieht auch ats-Pressesprecherin Kathrin Steinhauer-Tepütt einen direkten Zusammenhang zwischen dem politischen Ereignis und den Tourismus-Zahlen.

Aachen liegt jedenfalls weiter voll im Trend, wie die soeben vom Landesbetrieb Information und Technik NRW (IT.NRW) veröffentlichten Übernachtungszahlen für das erste Halbjahr 2019 zeigen. In den ersten sechs Monaten verzeichnete die Stadt demnach 246.835 Ankünfte, was einem Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 2,5 Prozent auf 467.996.

Das lässt die Experten für den Rest des Jahres hoffen, denn die eigentlich starken Monate mit den großen Veranstaltungen sind in dieser Statistik noch gar nicht berücksichtigt. Dazu zählt natürlich das Reitturnier CHIO Aachen, dazu zählen aber auch das Weinfest, die Kurpark Classix, das September Special und natürlich der Weihnachtsmarkt, wie Caroline Noerenberg, ebenfalls ats-Vorstand, aufzählt. Sie alle werden erst in der Jahresstatistik berücksichtigt. Bislang sei die Auslastung der Betriebe mit rund 49 Prozent laut Noerenberg „auf konstant hohem Niveau“.

Die für Aachen so positiven Zahlen spiegeln nach Einschätzung von Hissel den aktuellen Trend im Reisetourismus wider: „Kurze Städtetrips, idealerweise verbunden mit einem Naturerlebnis, werden immer beliebter. Da bietet sich die Stadt mit ihrer kulturellen Vielfalt und ihrer besonderen Lage am Dreiländereck und am Rand der Eifel natürlich als Destination an.“

Leicht gestiegen ist insbesondere auch die Zahl der Übernachtungen der ausländischen Gäste auf 133.496 (plus 0,4 Prozent). Den größten Anteil haben daran weiterhin Gäste aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien.

Als gewinnbringend hat sich jedoch auch die Zusammenarbeit des ats mit dem Verein „Historic Highlights of Germany“ erwiesen, der 17 deutsche und historisch bedeutsame Städte – neben Aachen etwa auch Münster, Trier, Heidelberg und Freiburg – speziell in den USA und China bewirbt. Knapp 5500 Übernachtungen von Chinesen wurden im ersten Halbjahr 2019 verzeichnet, 17,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Leicht rückläufig sind laut ats hingegen die Ankünfte und Übernachtungen aus arabischen Golfstaaten.

Größte Gewinner dieser Entwicklung sind neben den Hotels mit einer Zunahme der Übernachtungszahlen um sechs Prozent die sogenannten semikommerziellen Betriebe, zu denen etwa die Jugendherberge und Ferienhäuser zählen (plus 18 Prozent).

Nochmals zulegen konnte allerdings auch der Campingplatz am Branderhofer Weg, auf dem in den ersten sechs Monaten 11.244 Übernachtungen gezählt wurden (plus 6,8 Prozent). Zurückzuführen sei dies einmal mehr auf das auch in diesem Jahr gute Wetter für Camper, sagt Kathrin Steinhauer-Tepütt. Zugleich zeigt sich aber auch dort ein eindeutiger Reisetrend hin zu Städtebesuchen in Verbindung mit Wanderausflügen. Und seit längerem beschränken sich Camper nicht mehr nur auf die Sommermonate, ihre Saison hat sich längst auf das ganze Jahr erweitert.

Mehr Patienten, aber kürzere Aufenthaltszeiten verzeichneten einzig die Aachener Kurkliniken. Über die Gründe wollen die Tourismus-Experten nicht spekulieren. Fakt ist, dass es solche Schwankungen auch in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben habe.

Für seine Statistik erfasst IT.NRW ausschließlich Übernachtungsbetriebe mit zehn oder mehr Betten.