Aachen: Der Scanner als Retter der Pressegeschichte

Aachen: Der Scanner als Retter der Pressegeschichte

Robert Fischer trägt die langen, grauen Kisten auf beiden Armen durch den Raum. „Gerade halten, das ist wichtig“, sagt er. Die Kisten sind nicht einfach aus Karton, sondern aus einem Material, das Säure abhält. Nimmt man den Deckel ab, befinden sich in den Paketen Zeitungen über Zeitungen.

Robert Fischer vom Förderverein des Internationalen Zeitungsmuseums arbeitet ehrenamtlich. Er ist einer der zwölf Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass die alten Zeitungen digitalisiert werden. Er arbeitet an einem Scanner, der ein wenig an einen übergroßen Overheadprojektor erinnert. „60 bis 70 Exemplare schaffe ich in drei Stunden“, sagt er.

Gerade ist es das „Göttinger Tageblatt“, das auf den Scanner wandert. Gelblich und schon ein wenig krümelig an den Seiten wird es von der ersten Seite bis zum allerletzten Blatt akribisch in elektronische Form umgesetzt. Vorsichtig muss man sein, denn das Papier war ja mal zum Wegwerfen gedacht, wenn die Zeitung ausgelesen war.

Generell gelte der Grundsatz: Je schlechter die Zeiten, desto schlechter das Papier. Heißt im Klartext: Zum Beispiel in Kriegszeiten nahm die Qualität des Zeitungspapiers ab. Als Folge zerbröselt das Blatt nach und nach.

Seit 2004 wird fleißig gescannt und archiviert, schon 35:000 Zeitungen gibt es inzwischen in digitaler Form — nur ein Viertel des erfassten Bestands im Museum. Das Scannen kostet Zeit und Muße. „Wir brauchen unbedingt neue Ehrenamtler“, weiß auch Meike Thüllen, Vorsitzende des Fördervereins. „Wir wollen die Aachener Bürger aufrufen, uns zu helfen. Das haben wir schon mal 1993 getan und erhoffen uns jetzt eine genauso große Resonanz.“

Auch Ferdinand Josephs ist einer der Ehrenamtler. „Wer hier mitarbeiten möchte, findet ein unglaublich gutes Arbeitsklima vor“, weiß er. „Liebe zum Medium Zeitung sollte man mitbringen und eine ruhige Hand. Und vor allem Selbstbeherrschung“, sagt Josephs. Denn: Die Zeitungen nicht alle zu lesen, die man scanne, das sei manchmal gar nicht so einfach. „Schließlich werden hier Geschehnisse gesammelt, die die Welt beschäftigt haben.“

(vab)
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