Aachen: Der Kampf gegen Untreue und Betrug

Aachen : Der Kampf gegen Untreue und Betrug

Gleich zwei Fälle von Betrug und Untreue in zwei städtischen Eigenbetrieben haben im vergangenen Herbst nahezu gleichzeitig Schlagzeilen gemacht. In einem Fall sollen Mitarbeiter des städtischen Recyclinghofs in der Kellershaustraße im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd in Kooperation mit Privathändlern illegal Elektroschrott verkauft und sich die Gewinne in die eigenen Taschen gesteckt haben.

Im anderen Fall soll ein Mitarbeiter des Stadttheaters unter anderem teure Richtmikrofone gegen Billigware ausgetauscht und zu Geld gemacht haben. In beiden Fällen ermittelt längst die Aachener Staatsanwaltschaft. Aber auch das städtische Rechnungsprüfungsamt hat sich mit den Vorgängen intensiv beschäftigt. Die entsprechenden Berichte werden den Rechnungsprüfungsausschuss in seiner nächsten Sitzung hinter verschlossenen Türen beschäftigen.

Verbesserte Kontrolle

Dabei wird es auch darum gehen, welche Lehren und Konsequenzen aus diesen Fällen zu ziehen sind. Im Stadttheater wird deshalb gerade an neuen Prozessen und Regeln gefeilt, die derlei betrügerischen Aktivitäten so weit wie möglich einen Riegel vorschieben sollen. „Grundsätzlich geht es nicht ohne Vertrauen in die Mitarbeiter“, sagt Judith Wollstädter, neue Verwaltungsdirektorin des Theaters, auf Anfrage.

Dennoch sollen zum Beispiel Kontrollmechanismen im Bestellwesen verbessert werden. Wie, das sei gerade in Arbeit und solle gemeinsam mit der Belegschaft erörtert werden, so Wollstädter. Anschließend wolle man die neuen Prozessabläufe den entsprechenden politischen Gremien erläutern.

Der finanzielle Schaden für das Theater war jedenfalls nicht gerade gering. Die Rechnungsprüfer waren nach einem Bericht unserer Zeitung über die Vorgänge beim Theater vorstellig geworden und hatten sich in den Fall eingeschaltet. In ihrer Analyse heißt es jetzt, dass im Theater zunächst einmal aufgefallen sei, dass offenbar während der Spielzeitpause 2017 zehn teure Sennheiser-Richtmikrofone — Kostenpunkt um die 1500 Euro pro Stück — nicht mehr an ihrem Platz waren.

Stattdessen hatte jemand dort vergleichsweise billige Produkte für je rund 200 Euro eingebaut. Dieser Jemand wurde ausfindig gemacht, soll seinerzeit die Tat auch eingestanden haben und wurde entlassen. Die zehn Mikrofone waren jedoch nicht alles. Bei näherem Hinsehen stellte man fest, dass weitere sechs Richtmikrofone ausgetauscht worden waren. Zudem tauchte eine Rechnung für den Kauf einer sogenannten „Stagebox“ — das ist ein Verteilerkasten für Kabelverbindungen in der Licht- und Tontechnik — auf. Die Box selber war im Theater jedoch nicht auffindbar.

Mehr noch: Weitere merkwürdige Rechnungen aus einem Zeitraum von mehreren Jahren wurden entdeckt. Gekauft worden waren Dinge, die im Theater teils gar nicht benötigt werden, teils mit der Theatertechnik nicht kompatibel sind. Es keimte der Verdacht auf, dass auch in diesem Fall eine Privatfirma eine Rolle spielte, was man der Staatsanwaltschaft weitergab. Unter dem Strich summiert sich der Schaden für das Theater nach jetzigem Kenntnisstand auf über 45.000 Euro.

Schadeb schwer zu beziffern

Wie hoch der Schaden für den Stadtbetrieb wegen des illegalen Handels der Recyclinghofmitarbeiter mit Elektroschrott ist, kann indes offenbar weiterhin schwer beziffert werden. Das Rechnungsprüfungsamt führt in seinem Bericht aus, dass bereits 2015 im Stadtbetrieb der Verdacht aufkeimte, dass auf dem Recyclinghof etwas nicht stimmte. Testweise wurden Elektrogeräte heimlich markiert und dann ganz normal als Elektroschrott dort abgegeben. Beim Recyclingpartner tauchten diese Geräte nie auf. Anschließend konnten aber keine Beweise für illegale Machenschaften erbracht werden, die Staatsanwaltschaft stellte eine erste Ermittlung ein.

Im Herbst 2017 dann konkretisierten sich erneut Verdachtsmomente. Im Zuge der internen Ermittlungen des Stadtbetriebs legte man sich schließlich dort auf die Lauer. Und nun wurde man fündig. Einmal lud ein Mitarbeiter dem Bericht zufolge Elektroschrott in seinen Wagen, einmal wurde das Auto eines externen Händlers, den man auch schon 2015 im Verdacht hatte, beladen. In der Folge wurde allen neun Mitarbeitern des Recyclinghofs gekündigt, der Händler erhielt Hausverbot, die Staatsanwaltschaft ermittelt einmal mehr.

Im Falle des Aachener Stadtbetriebs ist man bei der Prävention gegen Korruption, Untreue, Betrug indes schon weiter. Bereits 2015 seien seitens der Betriebsleitung Maßnahmen wie verschärfte Richtlinien, Fortbildungen und wöchentliche Schichtleiterbesprechungen eingeführt worden. Die Rechnungsprüfer bescheinigen dem Stadtbetrieb zudem, im aktuellen Fall konsequent gehandelt zu haben. Wie berichtet, verschärft der Stadtbetrieb zudem abermals die Regeln für Recyclinghöfe — etwa durch rotierenden Personaleinsatz.

Klar dürfte allerdings auch sein: Auch die beste Prävention wird je nach kriminellem Potenzial der Täter nie hundertprozentig Betrug und Untreue verhindern.

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