António Guterres auf dem Katschhof: „Der Jugendkarlspreis ist noch wichtiger als mein Karlspreis“

António Guterres auf dem Katschhof : „Der Jugendkarlspreis ist noch wichtiger als mein Karlspreis“

Bodenständig, bescheiden und erfrischend bürgernah: So hat sich der designierte Karlspreisträger António Guterres am Mittwochabend auf dem Aachener Katschhof präsentiert. Seine eigene Auszeichnung rückte er dabei in den Hintergrund: Deutlich wichtiger sei die Ehrung von jungen Menschen im Rahmen des Jugendkarlspreises.

Im Jahr nach Emmanuel Macron zeigte sich das Rahmenprogramm zur Karlspreisverleihung auf dem Katschhof entschieden entspannter: Deutlich weniger Absperrungen und Personenkontrollen, keine sichtbaren Scharfschützen mehr auf den Dächern von Dom und Rathaus - und im Vergleich zum Vorjahr auch deutlich weniger Publikum. Wo die neugierigen Zuschauer im Vorjahr dicht an dicht vor der Bühne drängten, um einen Blick auf Frankreichs Präsidenten erhaschen zu können, saß man in diesem Jahr entspannt auf Bänken oder sammelte sich in kleinen Gruppen an Stehtischen - mit weitestgehend freiem Blick in Richtung Bühne.

Weniger Gedränge als im Vorjahr: Auf dem Katschhof ging es am Mittwoch entspannt zu. Foto: Harald Krömer

Praktisch für alle Anwesenden, denn so war die Sicht frei auf das umfangreiche Abendprogramm. Den Auftakt machte die Band DCseven, die das Publikum mit Rock, Soul und Jazz auf den Auftritt des designierten Karlspreisträgers António Guterres einstimmte. Unter der Moderation von AZ/AN-Redakteur Robert Esser wurden im Anschluss zunächst die diesjährigen Jugendkarlspreisträger vorgestellt.

Um Punkt 19.13 Uhr dann der „große Moment“: António Guterres betritt die Bühne auf dem Katschhof, zusammen mit seiner Frau Catarina Marques de Almeida Vaz Pinto und in Begleitung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, dem Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Im Interview mit dem Chefredakteur der Aachener Zeitung und der Aachener Nachrichten, Thomas Thelen, wurde schnell deutlich, welches Thema António Guterres aktuell besonders am Herzen liegt: das Klima. „Aachen ist das Zentrum der europäischen Einheit“, sagte Guterres. „Wir stehen hier im Angesicht von zwölf Jahrhunderten Geschichte und müssen sicherstellen, dass wir große Herausforderungen wie den Klimawandel auch im 21. Jahrhundert angehen, um unserer historischen Verantwortung gerecht zu werden.“ Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, gelte nun vor allem eines: „Wir müssen sicherstellen, dass unser Planet nicht zerstört wird. Und dafür müssen wir jetzt handeln.“

António Guterres (r.) im Gespräch mit AZ/AN-Chefredakteur Thomas Thelen. Foto: Harald Krömer

Die Auszeichnung mit dem Karlspreis ehre ihn zwar sehr, viel wichtiger sei aus seiner Sicht jedoch die Auszeichnung der vielen jungen engagierten Menschen im Rahmen des Jugendkarlspreises. „Der Jugendkarlspreis ist noch wichtiger als mein Karlspreis“, sagte Guterres. Und wirkte dabei erfrischend uneitel. Die Jugend sei die Gegenwart und die Zukunft Europas. Das zeige sich besonders in der aktuellen Klimadebatte: „Es ist die Jugend, die den Erwachsenen gerade sagt, was in Sachen Klimawandel schief läuft“, sagte Guterres.

Der Blick auf die aktuellen Ergebnisse der Europawahl zeigten laut Guterres vor allem zwei Dinge. Erstens: „Es sind deutlich mehr Menschen zur Wahl gegangen.“ Das sei ein starkes Symbol für ein vereintes Europa. Zweitens: Der Kampf gegen den Klimawandel sei nun endlich verstärkt in Gang gekommen. Auch das sei ein wichtiges Signal.

Ein wichtiges Signal wohl auch für Armin Laschet und die CDU: „Das Wahlergebnis war für uns ein Weckruf, das Thema Klima künftig ernster zu nehmen“, sagte der NRW-Ministerpräsident.

Für den abschließenden beachtlichen Applaus aus dem Publikum bedankt Guterres sich auf Deutsch - und verschwindet nach seinem Auftritt nicht hinter viel Security, sondern geht prompt selbst auf den Katschhof, begrüßt dort die Menschen, schüttelt Hände. „Der ist hier für ein gemeinsames Europa. Für unseren anhaltenden Frieden“, freute sich ein Mann, der Guterres so selbst aus nächster Nähe sehen konnte.

Oberbürgermeister Marcel Philipp sieht im Karlspreis nach wie vor eine Möglichkeit, zu einem geeinten Europa beizutragen: „Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen, wir wollen Diskussionen fördern. Und das alles zur Förderung eines geeinten Europas“, sagte er.

Kritische Worte: Karlspreisträger Guterres in Aachen

Für einen entspannten Ausklang des Abends sorgte im Anschluss die Band Jooles & the hidden Tracks.

In unserem Liveblog gibt es den ganzen Abend noch einmal zum Nachlesen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Preisträger Guterres besucht Aachen

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