Aachen: Der Gang ins Kino macht sie rundum glücklich

Aachen: Der Gang ins Kino macht sie rundum glücklich

Ordentlich kleben sie in einem Fotoalbum aufgereiht, die Karten von über 20 Jahren Kinoerlebnissen. Diese ganz persönliche aber auch kino-historische Sammlung ist schon auf den ersten Blick eindrucksvoll. Völlig faszinierend wird sie dann, wenn Miriam Steinig beginnt zu erzählen.

Bei einem Wettbewerb zum zehnjährigen Bestehen des Cineplex-Kinos kam es ans Tageslicht, dieses bunte Fotoalbum, in dem allein über 250 Karten aus dem Kino versammelt sind, das einst Cinekarree hieß. Hochgerechnet mit den Karten aus den Ufa-Jahren, den anderen Aachener Kinos, deren Geschichte man in diesem Buch nachlesen kann, aber auch mit Reiseerinnerungen von Maastricht, Metz oder den USA sind hier wohl mehr als 500 Kinobesuche dokumentiert. Anfangs nur ordentlich eingeklebt. Später ließ Miriam Steinig als Studentin und auch als Lehrerin ihr großes Interesse am Film auch in den Beruf einfließen, seitdem gibt es immer auch kurze Notizen.

Sehr bemerkenswert dabei: In dem ganzen Album sei nur ein einziger Film, den sie alleine gesehen hat. Denn ins Kino gehen, ist für die Deutsch- und Religions-Lehrerin am Einhardt-Gymnasium ein soziales Event. Den Film sehen und das Reden nachher, sind gleich wichtig. Zahlreich sind dagegen ihre Lieblingsfilme: Als persönliches Highlight fiel ihr spontan „Brokeback Mountain“, das Drama um zwei schwule Cowboys ein, weil ihre Erwartungen im Film übertroffen wurden. Deshalb muss sie aktuell auch dringend in die gleichnamige Oper im Theater Aachen.

Die Frage nach dem schönsten Kino der Region erhielt — noch ein paar Tage vor Eröffnung des neuen Capitol — nur eine historische Antwort: Das Diana in Burtscheid war etwas ganz Besonderes und wird schmerzlich vermisst. Ansonsten geht Steinig nicht wegen des Saales ins Kino. Sie mag einerseits das Geschäftige vom Cineplex, in dem die Technik auch wichtig ist, aber auch das Apollo mit seinen anderen Leuten und seiner ganz anderen Stimmung. Das Cineplex sei für das Event, das Apollo zum „Kultur genießen“.

Drei Jahre lang leitete sie an der Schule eine Kino-AG, in der beispielsweise die „Tribute von Panem“ als Literatur-Verfilmung das Thema Dystopie näher brachten. Die erfahrene Kinogängerin konnte dem Nachwuchs Gesellschaftskritik in anderen, alten dystopischen Filmen wie „1984“ nahebringen. Und immer noch geht die ehemalige Kino-AG zu Weihnachten gemeinsam ins Kino. Nun ist schon ganz gespannt auf den Historien-Schinken „Exodus“: „Der Film wird Murks werden. aber als Religionslehrer bin ich da dankbar.“ So wie sie zum Road-Movie „Hin und Weg“ auch mit Kursen ins Kino ging und über Sterbehilfe diskutierte.

Nachrechnen will sie nicht, wie viel Geld in dem Album steckt, das ihr übrigens eine Jahreskarte für das Jubiläumskino einbrachte. „Das Kino macht mich so glücklich, dass andere Dinge dafür zurückstecken müssen. Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein.“

Ihr Freund, der die Kinoleidenschaft eigentlich nicht teilt, ahnte es schon und meinte, „Miriam, wenn du das nicht verdient hast!“ Ab jetzt ist einmal die Woche Kinotag. „Er macht das mit, das ist dann Liebe“, meint sie und strahlt noch etwas mehr als sonst schon.

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