Aachen: Der Charme des Gebrauchten kann zu Glanz verhelfen

Aachen: Der Charme des Gebrauchten kann zu Glanz verhelfen

„Wabe“-Geschäftsführer Alois Poquett ist wohl einer der ganz Wenigen, die nicht der Neugestaltung des Areals Büchel entgegenfiebern. Solange da nämlich nichts passiert, können er und vor allem seine Mitarbeiter die „Bandbreite“ in bester City-Lage anbieten. So heißt das neue Ladenlokal der „Wabe“ in der Kleinkölnstraße, das jetzt Eröffnung feierte.

40.000 Euro hat die Wabe in die Hand genommen, um aus dem „recht abgeranzten Lagerraum“, so Sozialarbeiterin Sabrina Oyler, einen urbanen, jungen, hellen und einladenden Verkaufsraum zu gestalten. „Am Anfang sind wir hier mit Taschenlampen rumgelaufen. Es gab keinen Strom, kein Wasser, keine Heizung“, erinnerte sich Poquett.

In der Kleinkölnstraße: Die „Wabe“ hat Platz für ihr neues Angebot. Von rechts Schneiderin Anne Glensk, Bühnendesignerin Laura Wallrafen, Kaufmann Ralph Kreitz, Wabe-Geschäftsführer Alois Poquett und Sozialpädagogin Sabrina Oyler (kleines Bild) hoffen auf regen Zulauf. Foto: Michael Jaspers

Nicht nur das haben die Handwerkerinnen und Handwerker der „Wabe“ in den vergangenen Monaten installiert. Mit viel Kreativität und Liebe zum Detail wurde anschließend die „Bandbreite“ dekoriert: Graffiti an den Wänden, Kleiderständer aus Fahrrädern, Euro-Paletten als Präsentationspodest.

Das Sortiment entspricht dem Namen: Kleider, Möbel, Kinderspielzeug, Schmuck — was immer bei der „Wabe“ abgegeben wird, kann hier landen und einen neuen Liebhaber finden. Übrigens nicht nur Menschen, die bislang durch einen Berechtigungsschein in Sozialkaufhäusern einkaufen konnten. Sondern jedermann, der sich am Charme des Gebrauchten erfreut. Immer montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr.

„Nichts und niemand sollte einfach beiseitegelegt oder an den Rand gedrängt werden“, verknüpfte Poquett mit dem „Bandbreite“-Angebot und der Geschäftslage auch eine gesellschaftspolitische Hoffnung. Denn — das ist klar — wo „Wabe“ drauf steht, steckt gesellschaftliche Teilhabe für Benachteiligte drin. Bei der „Bandbreite“ arbeiten 20 Menschen, die der erste Arbeitsmarkt bislang nicht wollte.

Deshalb wird hier auch nicht nur verkauft, sondern auch gelernt. Zum Beispiel, wie man Kleidung ausbessert, aber auch aus Textilien, Stoffen oder anderem Material etwas Neues gestaltet. „Das Projekt ist kreativ angelegt. Die Mitarbeiter sollen besonders auch die Räume der ‚Bandbreite‘ mit ihrem Upcycling-Schick auf sich wirken lassen oder Ideen von Kunden umsetzen“, erläuterte Sabrina Oyler, die die Mitarbeiter sozialpädagogisch betreut. Für die fachliche Unterstützung sorgen Schneiderin Anne Glensk, Bühnendesignerin Laura Wallrafen und Kaufmann Ralph Kreitz.

Offiziell hat die „Wabe“ den Mietvertrag für zwei Jahre unterschrieben. „Wenn wir Glück haben, dauert es aber noch zehn Jahre, bis wir hier etwas Neuem weichen müssen“, hegte Poquett vielleicht keine ganz unrealistischen Hoffnungen, noch lange die „Wabe“ mitten in der City positionieren zu können.

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