Der Aachener Karl-August Hohmann malt auch mit Parkinson

„Man muss das Leben anpacken“ : Der Aachener Karl-August Hohmann malt auch mit Parkinson

Vor fast 50 Jahren organisierte Karl-August Hohmann das legendäre Pop-Festival in der Soers. Im Alter entdeckte der Aachener Architekt das Malen neu für sich – obwohl er seit mehr als 30 Jahren an Parkinson leidet.

„Amorphe Welten“ heißt eine Ausstellung, die am kommenden Freitag, 3. Mai, in den Räumen Annastraße 14-16 eröffnet wird. Der Aachener Diplom-Ingenieur und Architekt Karl-August Hohmann zeigt einen Querschnitt seiner malerischer Arbeiten.

Mehr als 30 Werke werden präsentiert. Manche sind vor Jahrzehnten entstanden, als Karl-August Hohmann noch ein junger Mann war, manche sind ganz neuen Datums. „Vor fünf, sechs Jahren habe ich noch mal richtig mit dem Malen angefangen“, erzählt der 73-Jährige. Diese späte Schaffensphase ist weniger selbstverständlich, als sie klingt. Denn Karl-August Hohmann ist seit vielen Jahren schwer krank. Er war erst Ende 30, als bei ihm die Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert wurde. Seitdem lebt er mit der fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems, die ihn mittlerweile sehr beeinträchtigt.

Einschränken lassen will er sich aber nicht vom Morbus Parkinson. „Lebensbegleiter, aber kein Hindernis“, so steht es selbstbewusst über dem Lebenslauf, den Hohmann gemeinsam mit seiner Frau Angelika Holland-Hohmann für seine Ausstellung verfasst hat. „Man muss das Leben anpacken, nie aufgeben“, sagt Hohmann. „Wenn man will, dann kann man auch.“ Das gilt auch für seine Kunst. Feine Linien kann der Architekt im Unruhestand längst nicht mehr zeichnen. Lackfarben trägt er heute mit dem Spachtel auf und erzielt spannende Ergebnisse. „Der Parkinson hat mich nicht daran gehindert, etwas in dieser Richtung zu machen“, betont er.

Karl-August Hohmann redet offen über seine Erkrankung. Er will anderen Betroffenen damit auch Mut machen. Morbus Parkinson kann ganz unterschiedliche Verläufe nehmen, weiß er. Bei ihm brach die Krankheit zwar sehr früh aus, schritt aber nur langsam voran. „Man muss dankbar sein für das, was man hat, nicht das bedauern, was man nicht hat“, so formuliert es seine Frau, und Karl-August Hohmann nickt.

Man kann allerdings nicht über den oder mit dem 73-Jährigen reden, ohne auf eine Sache zu sprechen zu kommen, die jetzt bald 50 Jahre her ist. Karl-August Hohmann ist nämlich der Mann, der 1970 gemeinsam mit zwei anderen das legendäre Pop-Festival in der Soers organisierte. Er war der 25-jährige Student, der damals Pink Floyd, Deep Purple, Mungo Jerry und andere ins Reitstadion holte und Aachen für ein paar Tage im Juni in einen veritablen Ausnahmezustand versetzte. Noch heute bekommen ältere Semester glänzende Augen, wenn von diesem Festival die Rede ist: die, die dabei waren, und die die nicht dabei waren, weil sie aus Sicht ihrer Eltern noch zu jung waren und nicht hin durften. Das Pop-Festival, dieses gewaltige – auch finanzielle – Wagnis, das damals Zehntausende Musikfreunde – Hippies! – ins eher piefige Aachen lockte, hat Hohmanns Leben geprägt. Noch heute wird er regelmäßig darauf angesprochen. Und er erinnert sich auch mit 73 gut daran, wie er damals auf dem Lousberg saß, in Richtung Soers schaute und überlegte, dass so ein kleines Woodstock-Festival in Aachen doch was Tolles wäre. „Naiv waren wir“, sagt er und lacht.

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