„Der Dom leuchtet“: Der Aachener Dom wächst, wackelt und windet sich

„Der Dom leuchtet“ : Der Aachener Dom wächst, wackelt und windet sich

Gänsehaut pur. Der Aachener Dom per Laserschwert zerschnitten, dann rauchend in Flammen — um im nächsten Moment wieder in all seiner filigranen Erhabenheit kunstvoll aus der Asche zu erstehen. Alles in Bewegung.

Was die Macher von der „Der Dom leuchtet“ ab Samstag über eine Woche jeden Abend vor bis zu 4000 Zuschauern auf die historischen Mauern der Kathedrale zaubern, ist magisch. Und ganz schön modern. Das wurde Freitagabend schon bei der Generalprobe für das epochale Kunstwerk deutlich.

14 Hochleistungsprojektoren, jeder 30 mal stärker als ein Bürobeamer, jagen die extrem scharfen Bilder, Filme und Animationen über 95 Meter aus einem eigens hinters Rathaus montierten Regiebau quer über den Katschhof. Zum 40. Geburtstag des Unesco-Weltkulturerbes wird die Historie des Münsters buchstäblich überzeichnet erzählt: nämlich seine besondere Beziehung zu den Aachenern.

„Sie sind es, die immer wieder neu und engagiert dafür Sorge tragen, dass ihr Münster erhalten bleibt. Sie haben es geschützt — ob gegen den Teufel, gegen Eroberer, das Wetter, Erdbeben, Feuersbrunst, gegen Kriegswirren oder gegen den ,gescheckten Nagekäfer‘“, erklärt Stadtsprecher Bernd Büttgens. „Der Dom leuchtet“ ist ein Gemeinschaftswerk von Stadt und Domkapitel — veranstaltet vom Märkte und Aktionskreis City.

Die Bebilderung, die Umsetzung in die faszinierende Lichttechnik und die verblüffenden Effekte — das ist die Arbeit des Aachener Lichtdesigners Christoph Hillen und Matthias Büsching (Art-Director der Agentur Power + Radach). „In jeder Sekunde dieser tatsächlich einzigartigen Inszenierung stecken ungezählte Arbeitsstunden“, sagt Hillen.

Die Musik steuert der Aachener Musikautor und -produzent Frank Stumvoll bei. Das Besondere an der jetzt verwendeten Technik — gerade im Unterschied zu früheren Lichtinstallationen auf der Dom-Silhouette — ist die konkrete Befassung mit dem Bauwerk. Grundlage ist ein 3D-Scan, den Professor Dr. Leif Kobbelt von der RWTH (Lehrstuhl für Informatik 8; Computergrafik und Multimedia) mit seinem Team geliefert hat.

Kreative Köpfe: (v.l.) Lichtdesigner Christoph Hillen, Matthias Büsching (Art-Director der Agentur Power + Radach) und Professor Dr. Leif Kobbelt von der RWTH (Lehrstuhl für Informatik 8; Computergrafik und Multimedia). Foto: Andreas Steindl

Diese 3D-Technik nutzt die Außenhaut des Doms nicht einfach als Präsentationsfläche, sondern spielt mit ihrer Form, Proportion und Tiefe. So realisieren die Spezialisten extrem verblüffende Effekte, die riesige Gebäudeteile auf den Zentimeter genau inszenieren, während andere in der Dunkelheit liegen. So entsteht der Eindruck, der Dom sei in Bewegung. Sogar Kriegsszenen werden gegenwärtig. Gänsehaut pur.

www.aachenerdom2018.de

Ganz schön helle: 14 Hochleistungsprojektoren liefern 420 000 ANSI-Lumen Lichtleistung — ein Bürobeamer schafft gut 1000 Ansi-Lumen. Foto: Andreas Steindl
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