Aachen: Den Teufelskreis endlich durch Bildung durchbrechen

Aachen : Den Teufelskreis endlich durch Bildung durchbrechen

Auch wenn es in La Paz keine Slums gibt — in manchen Stadtvierteln Boliviens, dem ärmsten Land Südamerikas, leben die Familien im wahrsten Sinne von der Hand in den Mund. Mangelernährung und damit im Zusammenhang stehende verzögerte Entwicklung befeuern den Teufelskreis der Armut.

Dem wollte die Aachenerin Gertrud Dockhorn etwas entgegensetzen, als sie 1980 ihre Tochter in La Paz besuchte und das Armenviertel Pampahasi kennenlernte. Sie gründete die Aachener Bolivienhilfe, die seit 1985 das „Comedor Wisllita“ (Speisesaal Kochlöffel), unterstützt. In Deutschland hat die Einrichtung den Titel Kindertagesstätte Pampahasi.

„Der deutsche Name ist etwas irreführend. Die Kindertagesstätte Pampahasi ist nicht vergleichbar mit einer hier“, erläutert Gertrud Dockhorns Sohn Martin die Arbeitsweise des „Comedor“. „Es hat als Einrichtung, in der die Kinder des Armenviertels Pampahasi vor allem mit vollwertigem Essen versorgt werden begonnen, hat sich aber schon lange zu einem umfassenden Bildungs- und Sozialprojekt entwickelt.“

Im vergangenen Jahr konnte Dockhorn, der seit dem Tod seiner Mutter 2013 zusammen mit seiner weiterhin in La Paz lebenden Schwester Irene Sievers-Dockhorn die Aachener Bolivienhilfe organisiert, 40.000 Euro auf dem Spendenkonto beim kirchlichen Verwaltungsamt der evangelischen Kirche Aachen verzeichnen. Eine Summe, die dem rein spendenfinanzierten „Comedor“ bei der Förderung der 100 4- bis 16-Jährigen immens hilft.

„Da geht wirklich fast keiner ohne Schulabschluss von der Schule. Dabei sind ihre Eltern oft Analphabeten“, berichtet Dockhorn stolz von der nachhaltigen Arbeit der bolivianischen Einrichtung. „Bildung ist schließlich der Ausweg aus der Armut. Mit einem Schulabschluss stehen den jungen Menschen alle Möglichkeiten auch in ihrem Land offen.“

Spielerische Vorbereitung

Die Mitarbeiter und Freiwilligen des „Comedor“ — allesamt Bolivianer — sorgen dafür, dass die Kinder zum einen nicht mit leerem Magen in die Schule gehen müssen und auch nach der Schule mit einem reichhaltigen Essen versorgt werden. Sie sorgen aber vor allem für Bildung im umfassenden Sinn: spielerische Vorbereitung der Kleinkinder auf die Schule, Unterstützung bei den Hausaufgaben, Umwelterziehung im eigenen Garten, Vermittlung von EDV-Kenntnissen an eigenen Computern, Projekte zu kreativem Schreiben und traditionellem Tanz, Instrumentalunterricht und vieles mehr.

Auch die Eltern werden durch Erziehungshilfe unterstützt. „Einmal im Jahr richtet der ‚Comedor‘ eine Buchmesse aus. Dann schlachten die Kinder ihre Sparschweine und kaufen sich mit dem hart Ersparten ein Buch. In einem Land, in dem Kinderarbeit offiziell erlaubt ist, ist diese Wertschätzung von Bildung nicht selbstverständlich. Sie ist das Werk des ‚Comedor‘“, weiß Dockhorn, warum er die Aachener Bolivienhilfe am Leben erhalten will.

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