Glosse zum Verkehr auf dem Adalbertsteinweg: Das Wunder vom Kaiserplatz

Glosse zum Verkehr auf dem Adalbertsteinweg : Das Wunder vom Kaiserplatz

Vergessen Sie Lourdes, Fatima, Santiago de Compostela und Mekka! Das Wunder spielt sich im Schatten von St. Adalbert ab. Bischof und Papst sind eingeschaltet. Eine Vatikan-Kommission prüft. Pilgerströme werden erwartet.

In Massen. Wallfahrt (fast) mitten in Aachen: zu Fuß, auf Rädern, in Bussen und Autos. Was kein Problem ist. Denn seitdem auf dem Adalbertsteinweg wegen einer Großbaustelle der Stawag, die dort kilometerweise Gas-, Wasser- und sonstige Leitungen erneuert, zwei Fahrspuren komplett gesperrt sind, ist der Stau weg. Einfach futsch. Das Wunder vom Kaiserplatz. Der Verkehr fließt. Damit konnte keiner rechnen. Selbst auf dem jederzeit wahnsinnig aktuellen Online-Baustelleninformationssystem der Stadt Aachen befürchtet man täglich „starke Verkehrsbehinderungen“. Was für die anderen 83 dort gelisteten Straßenbaustellen in der Regel auch zutrifft. Egal wie klein das Baustellchen, der Stau ist programmiert. Bloß nicht auf dem Adalbertsteinweg.

Da fließt der Verkehr. Völlig unaufgeregt. Entlang hunderter rot-weiß gestreifter Baken, vorbei an zwei Notampeln, schlängelt sich von rechts nach links und zurück, weil Spuren gesperrt sind und riesige Löcher im Asphalt klaffen. Alles kein Problem. Selig sind die Baustellenplaner. Sie stehen kurz vor der Heiligsprechung. Die Verkehrswende ist geschafft. Weniger Platz für Autos, mehr Mobilität. So einfach geht das. Darauf hätten die Grünen ja auch mal kommen können. Wir brauchen einfach mehr Großbaustellen. Viel mehr!

Verkehrsminister Andreas Scheuer hat sich angekündigt. Er kommt mit dem Helikopter. Will von ganz oben ergründen, was sich da ganz unten in der Kaiserstadt zwischen Aretzstraße und Ottostraße abspielt. Warum bloß läuft das so gut? Unverschämtheit. Scheuer ermittelt. Und überlegt, ob man für den Adalbertsteinweg nicht eine Mautpflicht verordnen kann, die für ein paar ordentliche Ausweichstaus sorgt. Oder eine Vorrangregelung für manipulierte Dieselfahrzeuge, damit zumindest die Feinstaubmessstellen Alarm schlagen.

Zwei große Probleme gilt es aber noch zu lösen. Erstens: Bald sind Sommerferien, da droht noch weniger Verkehr. Vielleicht – so die Hoffnung der Stadtverwaltung – kann man ein paar Bergheimer Autofahrer Richtung Aachener Adalbertsteinweg lotsen. Die können schließlich überall für Stau und Verwirrung im Straßenverkehr sorgen. Ganz verlässlich, auch im Alleingang. Dazu braucht es gar nicht so viele BM-Kennzeichen. Das wäre die Billig-Lösung.

Zweitens: Ende November wollen Stadt und Stawag – und jetzt, liebe Leserinnen und Leser, müssen Sie ganz stark sein – die Baustelle auflösen. Weil dann die Rohrverlegungsarbeiten beendet sein sollen. Oh Graus! Dann sind alle vier Autofahrspuren, die Bus- und Parkstreifen wieder frei und zugänglich. Übrigens auch fürs illegale Parken auf den Randstreifen. Es droht das Ende der Wunderheilung. Stau. Einzige Hoffnung: Die extrem zuverlässige Zeitplanung der öffentlichen Hand bei Großbaustellen. Das wäre die teure Lösung.

Beten hilft – sagen Bischof und Papst. Wir haben schon mal ein Kerzlein angezündet. In Lourdes.

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