Aachen: Das Siegel der Freundschaft mit Ningbo trägt seine Handschrift

Aachen: Das Siegel der Freundschaft mit Ningbo trägt seine Handschrift

Seine — bislang — letzte Botschaft an die Freunde in Fernost hat Herbert Prömper in seiner Muttersprache verfasst. Dass das überhaupt möglich war, darf man wohl vor allem als sein eigenes Verdienst bezeichnen. Schließlich hat der Mann nicht zuletzt maßgeblichen Anteil daran, dass in der riesigen Stadt an der chinesischen Pazifikküste viele Menschen regelmäßig die deutsche Sprache pflegen und lernen.

Leicht gefallen ist es dem scheidenden Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Aachen-Ningbo wohl dennoch nicht, besagten Brief zu formulieren. Denn Prömper teilt den langjährigen Partnern darin mit, dass er sein Amt nach 23 Jahren in jüngere Hände übergibt. Zum 1. Juli tritt Kai Müller, seines Zeichens Hauptgeschäftsführer der Sprachenakademie Aachen, das Erbe des 86-Jährigen an.

Eine solch pathetische Begrifflichkeit sei an dieser Stelle mal gestattet angesichts der prägenden Rolle, die der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Aachener Bank in den vergangenen drei Jahrzehnten als engagierter Brückenbauer zwischen den Kulturen eingenommen hat. Ebendort, in „seinem“ Haus an der Theaterstraße, zementierte Prömper 1988 — vier Jahre, nachdem die Fachhochschule Aachen die ersten Kontakte mit Wissenschaftlern aus Ningbo zum erfolgreichen Aufbau der University of Technology aufgenommen hatte, zwei Jahre nach dem offiziellen Ratsbeschluss zur Gründung der Städtepartnerschaft — einen weiteren entscheidenden Grundstein für die denkbar ungewöhnliche, weil denkbar lebendige Beziehung zwischen der Kaiserstadt und der rund 10.000 Kilometer entfernten Sechs-Millionen-Metropole mit.

1994 wurde er zum Vorsitzenden des rund 120 Mitglieder zählenden Fördervereins gewählt. 23 Mal hat Prömper die Stadt am Mündungsdelta des Jangtsekiang inzwischen besucht, um die Pflöcke der gemeinsamen Wege immer tiefer einzuschlagen. Bereits 1996 wurde er zum Ehrenbürger von Ningbo ernannt, 2010 erhielt er den „Award for Contributions to Peoples‘ Friendship“ für besonderes Engagement im Zeichen der Völkerverständigung — als erster Deutscher überhaupt. Als im vergangenen September nicht weniger als rund 130 Abgesandte aus Ningbo zum 30. Geburtstag der Städtepartnerschaft im Krönungssaal empfangen wurden, zeichnete OB Marcel Philipp Herbert Prömper mit dem Silbernen Karlssiegel der Stadt Aachen aus.

Das Siegel der Freundschaft mit den Menschen in Fernost ist freilich vor allem geprägt durch den beständigen Austausch auf etlichen Ebenen. Mehr als 700 Projekte zur Vertiefung der persönlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen haben Prömper und seine Mitstreiter inzwischen dokumentiert — mindestens 3600 Menschen aus beiden Städten haben über die Jahre hinweg die gemeinsamen Bande immer enger geknüpft, die der Förderverein mit wachsendem Erfolg gebündelt hat.

Mindestens einmal pro Jahr machen sich Schülerinnen und Schüler aus St. Ursula, der Heinrich-Heine-Gesamtschule, dem Pius oder dem Kaiser-Karls-Gymnasium auf den weiten Weg, um die Kontakte mit Gleichaltrigen aus Ningbo und deren Familien zu vertiefen. Mehrere Kliniken aus der Region entsenden und empfangen regelmäßig junge Mediziner zwecks Know-how-Transfers nach beziehungsweise aus der Millionenmetropole. Ein rundes Dutzend Unternehmen aus Fernost haben sich mittlerweile im Chinahaus des Vereins an der Reumontstraße angesiedelt.

Eine dauerhafte „Dependance“ der anderen Art pflegt der Förderverein seit fast 20 Jahren in Gestalt des „Deutschen Clubs“ inmitten der Wolkenkratzer-Skyline am Jangtse maßgeblich mit. Nicht von ungefähr hat sich die kleine Institution in Sachen sprachlicher und kultureller Austausch im 28. Stockwerk der Bank of China etablieren können, wo sie sogar gratis logiert, wie Prömper nicht ohne Stolz anmerkt. Sprachkurse in Deutsch und eine umfangreiche Bibliothek erfreuen sich regen Interesses.

So wird wohl auch der offizielle Abschiedsbrief an die Adresse der chinesischen Freunde nicht der letzte sein, dem Herbert Prömper im Namen des Fördervereins seinen Stempel aufdrückt. Ein langes und herzliches Antwortschreiben sandte ihm jüngst der Generaldirektor des Auswärtigen Amts von Ningbo persönlich. Es ist vor allem ein Dankschreiben, in dem der Diplomat die Fülle der Aktivitäten Revue passieren lässt, die ohne die unablässige Unterstützung des scheidenden Vorsitzenden so kaum denkbar gewesen wären.

Seine vielfältigen Kontakte (dokumentiert nicht zuletzt in einem Paket von hunderten Visitenkarten) will Prömper freilich auch künftig nutzen, seinem Nachfolger Kai Müller weiter im Vereinsvorstand mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dass Müller genau der richtige Mann sei, um die Zukunft der gedeihlichen Zusammenarbeit zu sichern — davon ist Prömper überzeugt. „Auch er verfügt längst selbst über beste Kontakte nach Ningbo“, sagt er froh, „und hat dort mittlerweile sogar ein eigenes Büro eingerichtet.“

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