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Leserbriefe: Das sagen Sie zur Diskussion um Parkplätze an der Saarstraße

Leserbriefe : Das sagen Sie zur Diskussion um Parkplätze an der Saarstraße

Zur Berichterstattung über die Verkehrssituation in der Saarstraße haben uns zahlreiche Zuschriften erreicht.

Dieter Berg schreibt:

Im Kommentar zu den entfallenen Parkplätzen in der Saarstraße möchte ich gerne Ihren letzten Satz ergänzen, nach meiner Meinung sollte der lauten: Das ist unbequem, aber der Lohn wird am Ende eine leisere, sauberere, liebenswertere und leerere Stadt sein, mit viel Leerstand bei Ladenlokalen und Wohnungen wegen fehlender Parkplätze und daher fehlender Kundschaft und fehlender Mieter.

Die erste Kündigung einer Wohnung aus meinem Haus an der Saarstraße (jetzt ohne Parkplatz vor dem Haus) habe ich bereits bekommen, bin mal gespannt, wie sich 131 Quadratmeter mit eigenem Hof/Garten neu vermieten lassen.

Dirk Breuer merkt Folgendes an:

Die im letzten Satz des Kommentars beschriebene Vision einer Stadt hat eher mit dem Öcher Bösch als mit einer Stadt zu tun. Die Grundlage jeder Stadt ist eine gut funktionierende Infrastruktur, damit sich dort überhaupt ein Siedlungswesen entwickeln kann. Eine leise und saubere Stadt ist dabei nie Ziel einer Stadtgründung gewesen; eine leise und saubere Stadt ist schlichtweg tot.

Sowohl private als auch gewerbliche Liefer- und Anwohnerverkehre benötigen nicht nur Platz, sondern auch mögliche Halte- und Verweilpunkte. Fehlen sie, fällt eine Stadt in sich zusammen. Gut zu beobachten in der östlichen Innenstadt oder rund um den Büchel, der als Sinnbild der Implosion herhalten mag.

Die Priorisierung des Fahrrades ohne Rücksicht auf Verluste fördert diese Implosion der Stadt. Das Fahrrad mag für einen Teil der Konsumenten und Arbeitenden ein probates Verkehrsmittel sein. Für den Handel oder gar das produzierende Gewerbe ist es dies keinesfalls, sind sie doch von einer funktionierenden Lieferinfrastruktur existenziell abhängig. Sind die Arbeitsorte vom Verkehr abhängig, sind es die in der Stadt Wohnenden letztlich auch. Evolutionstechnisch ist das Fahrrad ein Spaßmobil und reiht sich in seiner Funktionalität noch hinter dem Eselskarren ein.

Bodo Dauvermann-Abel meint:

So sehen sie also aus, die Stadtstraßen der Zukunft. Zwei Fahrbahnen je Richtung und ein komfortabler Radweg. Fehlt nur noch die Extraanlieferspur für Paketdienste und die Befahrbarkeit der Gehwege für die unsicheren Radfahrer. Die Bewohner der Innenstadt sind da doch nur störend. Dem Kommentar zufolge sind zwei Fahrspuren je Richtung für den fließenden Verkehr klimafreundlicher als Bewohnerparken. Die Sperrung der Turmstraße hat gezeigt, zwei Fahrbahnen je Richtung sind unnötig, sie fördern nur den ortsfremden Durchgangsverkehr.

Diese Verkehrspolitik erinnert stark an den Generalverkehrsplan von 1956. Danach soll unseren belgischen Nachbarn auf zügigen und gut trassierten Straßen in Aachen der Weg in das Bundesgebiet gewiesen werden. Fließender Verkehr, mit hohem Anteil an ortsfremden Durchgangsverkehr, kann niemals klimafreundlicher sein als Bewohnerparken.

Und Wolfgang Bebronne schreibt:

Wie richtig beschrieben wurde, fallen immer mehr Parkplätze und Be-/Entlademöglichkeiten in Aachen weg. Kann es sein,dass unsere Stadtoberen vergessen oder einfach ignorieren, dass es Menschen mit körperlichen Einschränkungen und alte Menschen gibt, die nicht (mehr) Fahrrad fahren können und auf ein Auto und wohnungsnahe Parkplätze angewiesen sind? Diese Menschen werden durch die derzeitige Stadtpolitik quasi zunehmend in ihren erforderlichen Aktivitäten (Einkäufe, Arztbesuche) beschränkt oder sogar ausgegegrenzt.